Wien, 28. November 2025 – Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) hat in seiner jüngsten Stellungnahme zur Alterssicherungskommission eine positive Bewertung des österreichischen Pensionssystems abgegeben. Die aktuelle Mittelfristprognose bestätigt, dass das solidarische, staatliche Pensionssyst
Wien, 28. November 2025 – Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) hat in seiner jüngsten Stellungnahme zur Alterssicherungskommission eine positive Bewertung des österreichischen Pensionssystems abgegeben. Die aktuelle Mittelfristprognose bestätigt, dass das solidarische, staatliche Pensionssystem langfristig finanzierbar bleibt. Doch der ÖGB betont auch die Notwendigkeit konkreter politischer Maßnahmen, um die Erwerbsbeteiligung – besonders der älteren Arbeitnehmer:innen – zu steigern.
ÖGB Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth fordert die Einführung eines Bonus-Malus-Systems zur Beschäftigung älterer Menschen. Dieses System soll Betriebe dazu anhalten, mehr ältere Arbeitnehmer:innen zu beschäftigen. Laut Schuberth lebt die Finanzierung des Pensionssystems von hoher Erwerbsbeteiligung. Ein solcher Ansatz könnte den Generationenvertrag nachhaltig sichern. Der Vorschlag zielt darauf ab, das Potenzial älterer Arbeitnehmer:innen besser zu nutzen und ihre frühzeitige Verdrängung aus dem Arbeitsmarkt zu verhindern.
Das österreichische Pensionssystem basiert auf einem Umlageverfahren, bei dem die Beiträge der aktuell Erwerbstätigen zur Finanzierung der Pensionen der Ruheständler verwendet werden. Dieses System, das auf dem Generationenvertrag basiert, hat sich seit seiner Einführung in der Nachkriegszeit als stabil erwiesen. Die demografische Entwicklung stellt jedoch eine Herausforderung dar, da die Lebenserwartung steigt und die Geburtenrate sinkt. Diese Veränderungen machen eine Anpassung des Systems notwendig, um die langfristige Finanzierbarkeit sicherzustellen.
Im Vergleich zu anderen Ländern, wie Deutschland und der Schweiz, hat Österreich bisher auf eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters verzichtet. In Deutschland wurde das Rentenalter schrittweise auf 67 Jahre angehoben, während die Schweiz flexible Modelle anbietet, die den frühzeitigen Renteneintritt ermöglichen, jedoch mit Abschlägen verbunden sind. Österreich hingegen setzt auf Maßnahmen zur Steigerung der Erwerbsbeteiligung, insbesondere der älteren Arbeitnehmer:innen, um die Pensionskassen zu entlasten.
In Deutschland und der Schweiz wird die Diskussion um die Anpassung des Rentensystems ebenfalls intensiv geführt. Deutschland hat bereits das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre angehoben, während die Schweiz ein flexibles Rentensystem mit Abschlägen für Frühpensionierungen bietet. Österreich setzt hingegen auf die Steigerung der Erwerbsbeteiligung, um das Pensionssystem zu stabilisieren.
Die Einführung eines Bonus-Malus-Systems könnte weitreichende Auswirkungen auf den österreichischen Arbeitsmarkt haben. Beispielsweise könnten Unternehmen, die ältere Arbeitnehmer:innen beschäftigen, finanzielle Anreize erhalten, während jene, die dies nicht tun, mit Maluszahlungen rechnen müssten. Dies könnte die Beschäftigungsquote der über 60-Jährigen erhöhen, die derzeit bei vielen Unternehmen vernachlässigt wird. Laut ÖGB beschäftigt ein Drittel der mittleren und großen Unternehmen in Österreich keine einzige Person über 60. Ein solches System könnte diese Praxis ändern und älteren Arbeitnehmer:innen neue Perspektiven bieten.
Statistiken zeigen, dass die Erwerbsquote der 55- bis 64-Jährigen in Österreich bei etwa 50% liegt, während sie in der Schweiz bei über 70% liegt. Diese Diskrepanz verdeutlicht das ungenutzte Potenzial im österreichischen Arbeitsmarkt. Ein Bonus-Malus-System könnte dazu beitragen, diese Lücke zu schließen und die finanzielle Basis des Pensionssystems zu stärken.
Die Prognosen der Alterssicherungskommission deuten darauf hin, dass das österreichische Pensionssystem auch in Zukunft stabil bleiben kann, wenn die Erwerbsbeteiligung gesteigert wird. Ein Bonus-Malus-System könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen. Die Herausforderung besteht darin, die Unternehmen zur Umsetzung solcher Maßnahmen zu motivieren und gleichzeitig die sozialen Sicherungssysteme zu stärken. Der ÖGB sieht darin einen wesentlichen Schritt zur Sicherung der Pensionen für kommende Generationen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das österreichische Pensionssystem durch gezielte Maßnahmen zur Steigerung der Erwerbsbeteiligung stabilisiert werden kann. Der ÖGB fordert daher konkrete politische Schritte, um die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer:innen zu fördern und die langfristige Finanzierbarkeit des Systems zu gewährleisten.
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