In der Debatte um die steigenden Lebensmittelpreise gibt es viele Emotionen, Schuldzuweisungen und Missverständnisse. Doch wer profitiert tatsächlich von den Preisen, die wir im Supermarkt bezahlen? Laut einer aktuellen Mitteilung der Landwirtschaftskammer Steiermark sind es nicht die Bauern, die vo
In der Debatte um die steigenden Lebensmittelpreise gibt es viele Emotionen, Schuldzuweisungen und Missverständnisse. Doch wer profitiert tatsächlich von den Preisen, die wir im Supermarkt bezahlen? Laut einer aktuellen Mitteilung der Landwirtschaftskammer Steiermark sind es nicht die Bauern, die von den hohen Preisen profitieren. Im Gegenteil, oft bleibt für sie nur ein Bruchteil des Endpreises übrig.
Die Landwirtschaftskammer Steiermark, vertreten durch Präsident Andreas Steinegger, hebt hervor, dass die Landwirtschaft kein Preistreiber ist. Vielmehr sind es andere Sektoren, die von den Preissteigerungen profitieren. „Von den Lebensmittelpreisen kommen in der Landwirtschaft oft nur ein paar Cent an, die Gewinne bleiben woanders hängen“, so Steinegger. Diese Aussage wird durch das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) gestützt, das feststellt, dass der Einfluss der Agrargüter auf die Lebensmittelpreise schwindet.
Die Frage, wer in der Wertschöpfungskette der Lebensmittel tatsächlich den größten Gewinn erzielt, ist komplex. In der Landwirtschaft herrscht als einziger Sektor volle Preistransparenz. Doch über die Preisbildung in anderen Sektoren ist wenig bekannt. Steinegger fordert daher volle Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Nur so könne ermittelt werden, wer tatsächlich am Essen verdient.
Ein Beispiel verdeutlicht die Situation: Für eine Semmel, die im Durchschnitt 39 Cent kostet, erhält der Bauer lediglich 1,5 Cent, was 3,7 Prozent des Endpreises entspricht. Bei einem Kilo Mischbrot, das 3,40 Euro kostet, bleiben der Landwirtschaft nur 18 Cent oder 5,4 Prozent. Noch drastischer ist es bei einem Schweinsschnitzel im Restaurant: Von 18,50 Euro erhält der Bauer nur 53 Cent, also 2,8 Prozent. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die Landwirtschaft in der Wertschöpfungskette stark unter Druck steht.
Historisch gesehen war die Landwirtschaft immer ein zentraler Bestandteil der österreichischen Wirtschaft. Doch mit der Globalisierung und der zunehmenden Konzentration im Handel hat sich die Machtverteilung verschoben. In Ländern wie Frankreich gibt es bereits Systeme zur Preisüberwachung, die Transparenz in der gesamten Wertschöpfungskette schaffen sollen. Diese Systeme könnten auch in Österreich helfen, die Position der Bauern zu stärken.
Auch die Konsumenten spielen eine entscheidende Rolle. Der Trend zu regionalen und saisonalen Produkten könnte die heimische Landwirtschaft unterstützen. Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer betont, dass Regionalität und Saisonalität gefördert werden müssen. „Wenn jeder Haushalt in der Steiermark monatlich nur um 3,50 Euro mehr für heimische Lebensmittel ausgibt, entstehen allein in der Steiermark 500 neue Arbeitsplätze“, so Schmiedtbauer.
Die Zahlen zeigen, dass ein Großteil der Wertschöpfung im Ausland stattfindet, insbesondere bei importierten Produkten wie Kaffee, Tee und Kakao. Dies führt dazu, dass die heimische Landwirtschaft unter Druck gerät.
Die Zukunft der Landwirtschaft hängt stark von der politischen Unterstützung und der Bereitschaft der Konsumenten ab, regionale Produkte zu kaufen. Initiativen wie die Großküchengipfel in der Steiermark zeigen, dass es möglich ist, die Nachfrage nach regionalen Produkten zu steigern. Doch um langfristig erfolgreich zu sein, muss die gesamte Wertschöpfungskette transparenter und fairer gestaltet werden.
Präsident Steinegger fordert daher eine stärkere Position der Bauern in der Wertschöpfungskette. Nur so könne die heimische Lebensmittelversorgung gesichert werden. „Alle anderen Sektoren haben Mitverantwortung, um die heimische Versorgung zu sichern“, unterstreicht er.
Die Landwirtschaftskammer Steiermark ruft zu mehr Fairness und Transparenz auf. Die Konsumenten haben es in der Hand, durch bewusste Kaufentscheidungen die heimische Landwirtschaft zu unterstützen. „Lebensmittel müssen nicht fliegen!“, appelliert Obstbäuerin Ursula Reiter. Eine kleine Veränderung im Einkaufsverhalten kann Großes bewirken und die bäuerlichen Familienbetriebe stärken.
Es bleibt zu hoffen, dass die Politik und die Konsumenten die richtigen Schlüsse ziehen und die heimische Landwirtschaft in Zukunft besser unterstützen. Denn nur so kann eine nachhaltige und faire Lebensmittelversorgung sichergestellt werden.