Die Wiener Kunstwelt erlebt eine historische Wende: Mit Nina Zimmer übernimmt ab 16. Jänner 2027 eine international renommierte Museumsleiterin die Führung der Österreichischen Galerie Belvedere. D
Die Wiener Kunstwelt erlebt eine historische Wende: Mit Nina Zimmer übernimmt ab 16. Jänner 2027 eine international renommierte Museumsleiterin die Führung der Österreichischen Galerie Belvedere. Die deutsch-schweizerische Kunsthistorikerin, die derzeit das Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee leitet, wurde von Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler zur neuen wissenschaftlichen Geschäftsführerin ernannt. An ihrer Seite wird Wolfgang Bergmann als wirtschaftlicher Geschäftsführer wiederbestellt – ein Führungsduo, das dem Belvedere für die nächsten fünf Jahre neue Impulse verleihen soll.
Die Berufung Nina Zimmers markiert einen Meilenstein in der österreichischen Museumsgeschichte. Das Belvedere, eines der bedeutendsten Kunstmuseen des Landes, setzt damit auf internationale Expertise und bewährte Führungsqualitäten. Zimmer, die seit 2016 erfolgreich die strategische Neuausrichtung zweier renommierter Schweizer Museen verantwortet, bringt umfassende Erfahrung in der Transformation komplexer Kultureinrichtungen mit.
Das Auswahlverfahren war beispielhaft transparent: Von 27 Bewerbungen für die wissenschaftliche Geschäftsführung – bemerkenswert dabei der hohe Frauenanteil von 59 Prozent – qualifizierten sich sechs Kandidaten für das finale Hearing am 3. März 2026. Die Findungskommission, besetzt mit hochkarätigen Experten wie Marion Ackermann (Präsidentin Stiftung Preußischer Kulturbesitz) und Raphael Rosenberg (Universität Wien), empfahl einstimmig Nina Zimmer als bestgeeignete Kandidatin.
Die 1970 in München geborene Kunsthistorikerin verkörpert den modernen Typus der internationalen Museumsleitung. Ihr Werdegang zeigt kontinuierliche Progression: Nach ihrer Promotion 2001 an der Universität Göttingen sammelte sie ab 2006 am renommierten Kunstmuseum Basel wertvolle Führungserfahrung. Zunächst als Leiterin der Abteilung Kunst des 19. Jahrhunderts und der Moderne, später als Vizedirektorin, prägte sie dort acht Jahre lang die strategische Ausrichtung mit.
Seit 2016 führt Zimmer das Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee – eine Doppelrolle, die ihre außergewöhnlichen Managementfähigkeiten unter Beweis stellt. Unter ihrer Leitung durchliefen beide Institutionen umfassende Transformationsprozesse: Die Etablierung professioneller Provenienzforschung, die Entwicklung digitaler Strategien und nachhaltige Museumskonzepte zeugen von ihrer zukunftsorientierten Herangehensweise. Besonders bemerkenswert ist ihre Führung des ambitionierten Neubauprojekts, das internationale Aufmerksamkeit erzielte.
Zimmers kuratorische Brillanz zeigt sich in einer beeindruckenden Reihe international beachteter Ausstellungen. Projekte zu Künstlerpersönlichkeiten wie Chaim Soutine, Vincent van Gogh, Meret Oppenheim oder der zeitgenössischen Künstlerin Amy Sillman etablierten sie als innovative Kuratorin. Ihre Fähigkeit, klassische Moderne mit zeitgenössischen Positionen zu verbinden, macht sie zur idealen Nachfolgerin für das vielseitige Programm des Belvedere.
Die gebürtige Münchnerin mit deutsch-schweizerischer Doppelstaatsbürgerschaft verfügt über ein breites internationales Netzwerk. Ihre Gastprofessuren an der University of Chicago und der Korean National University of Art in Seoul unterstreichen ihre globale Vernetzung. Diese internationale Perspektive wird dem Belvedere helfen, seine Position als weltweites Zentrum österreichischer Kunst zu stärken.
Die Wiederbestellung Wolfgang Bergmanns als wirtschaftlicher Geschäftsführer sichert dem Belvedere bewährte Expertise in herausfordernden Zeiten. Bergmann, der seit 2017 in dieser Position tätig ist, kann auf beachtliche Erfolge verweisen: Die Entwicklung des Belvedere Salzburg und des Visitor Centers im Oberen Belvedere zeugen von seiner strategischen Weitsicht.
Der studierte Theologe und Buchautor bringt ungewöhnliche Qualifikationen mit: Seine Laufbahn führte ihn von der Caritas-Öffentlichkeitsarbeit über die Position als Kommunikationschef der Erzdiözese Wien – wo er Radio Stephansdom mitgründete – bis zur Geschäftsführung der Tageszeitung „Der Standard". Diese mediale Erfahrung erweist sich als wertvoller Baustein für die Öffentlichkeitsarbeit des Museums.
Das Belvedere steht vor komplexen Aufgaben: Die Balance zwischen traditioneller Sammlungspflege und zeitgemäßer Vermittlung, die Digitalisierung der Museumsarbeit und die gesellschaftliche Relevanz in polarisierten Zeiten erfordern strategisches Geschick. Nina Zimmer betont in ihrer ersten Stellungnahme die Rolle von Museen als „Räume der Auseinandersetzung, der Vielstimmigkeit und damit auch Orte der Demokratie".
Diese Vision entspricht den aktuellen Diskursen in der internationalen Museumslandschaft. Moderne Kunstinstitutionen verstehen sich zunehmend als gesellschaftliche Akteure, die über reine Kunstpräsentation hinaus Bildungsauftrag und soziale Verantwortung wahrnehmen. Das Belvedere-Motto „a museum that matters" – ein Museum, das von Bedeutung ist – unterstreicht diesen Anspruch.
Der Wechsel an der Belvedere-Spitze würdigt gleichzeitig die Verdienste der scheidenden Generaldirektorin Stella Rollig. Kulturminister Babler hob besonders ihr Engagement für die Sichtbarkeit von Künstlerinnen und unterrepräsentierten Positionen hervor. Projekte wie das Belvedere Research Center und das Belvedere Salzburg fanden international breite Anerkennung und schufen die Grundlage für die künftige Entwicklung.
Rolligs „umsichtiges Leadership" und die „konsequente Umsetzung ihrer Visionen" hinterlassen ein „ausgezeichnet aufgestelltes Haus