Am 28. Januar 2026 öffnet das Jüdische Museum Wien seine Tore für eine Ausstellung, die das Potenzial hat, die Art und Weise zu verändern, wie wir über das Vergessen denken. In einer Welt, die von Erinnerungen und Geschichte geprägt ist, stellt die Ausstellung „Alles Vergessen“ die provokative Frage
Am 28. Januar 2026 öffnet das Jüdische Museum Wien seine Tore für eine Ausstellung, die das Potenzial hat, die Art und Weise zu verändern, wie wir über das Vergessen denken. In einer Welt, die von Erinnerungen und Geschichte geprägt ist, stellt die Ausstellung „Alles Vergessen“ die provokative Frage, ob Vergessen nicht nur Verlust, sondern auch eine Form der Befreiung sein kann. Diese Frage ist besonders relevant für Wien, eine Stadt, deren Geschichte von wechselnden Erinnerungen und dem ständigen Ringen um Identität geprägt ist. Die Ausstellung läuft bis zum 6. September 2026 und verspricht, sowohl lokal als auch international Aufmerksamkeit zu erregen.
Die Ausstellung im Museum Judenplatz, einem Teil der Wien Holding, untersucht das Konzept des Vergessens aus einer kulturhistorischen Perspektive. Im Hebräischen reimen sich die Wörter „lischkoach“ (Vergessen) und „koach“ (Macht oder Stärke), was die doppelte Natur des Vergessens unterstreicht. Diese sprachliche Verbindung deutet darauf hin, dass Vergessen sowohl eine Schwäche als auch eine Stärke darstellen kann. Die Kuratorinnen Daniela Pscheiden und Dina Ehrenfreund-Michler, zusammen mit Chefkurator Hannes Sulzenbacher, haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese komplexe Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten.
Historisch gesehen, war das Vergessen oft ein Akt des Überlebens. Nach Kriegen und Konflikten mussten Gesellschaften entscheiden, welche Erinnerungen bewahrt und welche vergessen werden sollten, um den sozialen Zusammenhalt zu wahren. In Österreich, insbesondere nach den beiden Weltkriegen, spielte das kollektive Vergessen eine wesentliche Rolle bei der nationalen Versöhnung. In der Nachkriegszeit wurde die Geschichte oftmals umgeschrieben oder vergessen, um Platz für einen neuen Anfang zu schaffen. Diese Dynamik zeigt sich auch in anderen Ländern wie Deutschland und der Schweiz, wo das Vergessen als Teil der nationalen Identitätsbildung betrachtet wurde.
Während Österreich sich in der Nachkriegszeit auf das Vergessen als Mittel zur nationalen Einheit konzentrierte, verfolgte Deutschland einen anderen Ansatz. Dort wurde das Erinnern durch die Aufarbeitung der Vergangenheit und die Errichtung von Denkmälern gefördert. In der Schweiz hingegen wurde das Vergessen oft durch Neutralitätspolitik und die Betonung der eigenen Unabhängigkeit unterstützt. Diese unterschiedlichen Ansätze zeigen, wie vielschichtig der Prozess des Vergessens sein kann und wie er von kulturellen und politischen Kontexten beeinflusst wird.
Für die Bürger kann das Vergessen sowohl befreiend als auch belastend sein. Die Ausstellung im Jüdischen Museum Wien thematisiert, wie das bewusste Vergessen von Traumata zu einer Form der Heilung führen kann. Gleichzeitig kann das Vergessen von wichtigen historischen Ereignissen zu einem Verlust von Identität und Kultur führen. Ein Beispiel hierfür ist die jüdische Gemeinde in Wien, die durch das Vergessen ihrer Geschichte Gefahr läuft, ihre kulturellen Wurzeln zu verlieren. Die Ausstellung fordert die Besucher auf, über ihre eigenen Erinnerungen nachzudenken und zu hinterfragen, welche Rolle das Vergessen in ihrem Leben spielt.
Statistiken zeigen, dass in Österreich über 60% der Bevölkerung der Meinung sind, dass das Vergessen eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielt. Diese Zahl verdeutlicht, wie tief das Konzept des Vergessens in der kollektiven Psyche verankert ist. Gleichzeitig zeigen Umfragen, dass viele Menschen das Gefühl haben, dass das Vergessen zu einem Verlust von Kultur und Geschichte führen kann. Diese ambivalente Haltung spiegelt sich auch in der Ausstellung wider, die sowohl die positiven als auch die negativen Aspekte des Vergessens beleuchtet.
Die Ausstellung „Alles Vergessen“ wirft einen Blick in die Zukunft und stellt die Frage, wie das Vergessen in einer zunehmend digitalisierten Welt aussehen wird. Mit der Möglichkeit, nahezu jede Information online zu speichern, wird das Vergessen zu einer bewussten Entscheidung. Die Ausstellung regt dazu an, darüber nachzudenken, wie wir in Zukunft mit Erinnerungen umgehen werden und welche Rolle das Vergessen in einer Welt spielen wird, in der nichts wirklich verloren geht. Diese Überlegungen sind besonders relevant für junge Menschen, die in einer Welt aufwachsen, in der die digitale Präsenz allgegenwärtig ist.
Die Ausstellung im Jüdischen Museum Wien bietet eine einzigartige Gelegenheit, über das Vergessen nachzudenken und seine Rolle in unserem Leben zu hinterfragen. Sie fordert die Besucher auf, sich mit ihrer eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und die Macht des Vergessens zu erkennen. Mit der Eröffnung am 28. Januar 2026 bietet die Ausstellung einen Raum für Diskussionen und Reflexionen über ein Thema, das sowohl persönlich als auch gesellschaftlich von Bedeutung ist. Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der offiziellen Website.