Am 20. November 2025 stand in Wien ein bedeutendes Thema auf der Tagesordnung des Nationalrats: der Schutz der Hochsee. Die Abgeordneten forderten mehrheitlich eine rasche Ratifizierung des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt der Meere in Gebieten außerhalb nationaler Hoheitsbefugnisse.
Am 20. November 2025 stand in Wien ein bedeutendes Thema auf der Tagesordnung des Nationalrats: der Schutz der Hochsee. Die Abgeordneten forderten mehrheitlich eine rasche Ratifizierung des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt der Meere in Gebieten außerhalb nationaler Hoheitsbefugnisse. Dieses Abkommen, das 2023 nach intensiven Verhandlungen zustande kam, zielt darauf ab, die biologische Vielfalt der Hochsee zu schützen und nachhaltig zu nutzen. Bisher weitgehend ungeschützt, ist die Hochsee zunehmend durch Überfischung, chemische Verschmutzung und die Folgen des Klimawandels bedroht.
Das UN-Hochseeabkommen ist ein internationaler Vertrag, der von 145 Staaten unterzeichnet wurde und im Januar 2026 in Kraft treten soll. Es stellt einen wichtigen Schritt dar, um die Meeresökosysteme zu schützen, die für das globale Klima von entscheidender Bedeutung sind. Die Hochsee, die zwei Drittel der Weltmeere ausmacht, ist derzeit nur zu einem Bruchteil geschützt. Österreich, als Binnenstaat, wird aufgefordert, das Abkommen rasch zu ratifizieren, um von Anfang an in den Entscheidungsgremien mitwirken zu können.
Der Begriff 'biologische Vielfalt' oder Biodiversität bezieht sich auf die Vielfalt des Lebens in einem bestimmten Lebensraum oder auf der Erde insgesamt. Diese Vielfalt ist entscheidend für das Gleichgewicht der Ökosysteme und die Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen, die das menschliche Leben unterstützen, wie z.B. sauberes Wasser, Nahrung und Luft.
Ein weiteres wichtiges Konzept ist die 'Ratifizierung'. Dies ist der Prozess, durch den ein Staat seine Zustimmung zu einem internationalen Vertrag offiziell bestätigt und sich verpflichtet, die Bestimmungen des Vertrags umzusetzen. In der Regel erfolgt dies durch ein formales Verfahren, das die Zustimmung des nationalen Parlaments erfordert.
Die Diskussion um den Schutz der Hochsee ist nicht neu. Bereits in den 1970er Jahren wurde die Bedeutung der Meeresumwelt auf internationalen Konferenzen thematisiert. Mit der Verabschiedung der UN-Seerechtskonvention 1982 wurden erste Schritte unternommen, um die Nutzung der Meere zu regulieren. Doch erst in den letzten Jahrzehnten ist das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines umfassenden Schutzes der Hochsee gewachsen.
Im Vergleich zu anderen Ländern wie Deutschland und der Schweiz, die ebenfalls Binnenstaaten sind, zeigt sich, dass Österreich eine aktive Rolle in internationalen Umweltabkommen einnimmt. Deutschland hat beispielsweise bereits mehrere Maßnahmen zur Umsetzung des Hochseeabkommens eingeleitet. Die Schweiz hingegen konzentriert sich stärker auf die Binnengewässer, beteiligt sich jedoch ebenfalls an internationalen Initiativen zum Schutz der Weltmeere.
Die Ratifizierung des UN-Hochseeabkommens durch Österreich hätte mehrere konkrete Auswirkungen. Zum einen würde es Österreich ermöglichen, in den internationalen Gremien mitzuwirken, die für die Umsetzung des Abkommens verantwortlich sind. Dadurch könnte Österreich seine Expertise und Interessen einbringen und sicherstellen, dass die Maßnahmen des Abkommens auch den nationalen Umweltzielen entsprechen.
Ein Beispiel für den direkten Nutzen ist die Verbesserung der globalen Klimastabilität. Die Meere spielen eine entscheidende Rolle im Klimasystem der Erde, indem sie große Mengen an Kohlenstoff speichern und Wärme regulieren. Ein besserer Schutz der Hochsee könnte dazu beitragen, die Auswirkungen des Klimawandels zu mildern, was langfristig auch positive Effekte auf das Klima in Österreich haben könnte.
Statistiken zeigen, dass weniger als 1 % der Hochsee derzeit unter Schutz steht. Die Überfischung hat dazu geführt, dass viele Fischbestände über ihre nachhaltigen Grenzen hinaus ausgebeutet werden. Chemische Verschmutzung und Plastikmüll bedrohen die Meeresfauna und -flora. Laut einer Studie der UN könnte ein umfassender Schutz der Hochsee bis zu 10 Milliarden Tonnen CO2 jährlich speichern, was einem erheblichen Beitrag zur Reduzierung der globalen Treibhausgasemissionen entspricht.
Experten betonen, dass die Ratifizierung des Abkommens ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltiger Meeresnutzung ist. Dr. Maria Koller, Meeresbiologin an der Universität Wien, erklärt: 'Der Schutz der Hochsee ist nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine Chance für Innovation und internationale Zusammenarbeit.'
Die Zukunftsperspektiven sind vielversprechend. Mit der Ratifizierung des Abkommens könnte Österreich eine Vorreiterrolle in der internationalen Meerespolitik einnehmen. Dies würde nicht nur den Umweltschutz fördern, sondern auch neue Möglichkeiten für Forschung und Entwicklung in der Meereswissenschaft eröffnen.
Die Debatte im Nationalrat verdeutlicht die Dringlichkeit, mit der das UN-Hochseeabkommen ratifiziert werden sollte. Es bietet eine einzigartige Gelegenheit, die biologischen Schätze der Hochsee zu bewahren und gleichzeitig die globale Klimaagenda voranzutreiben. Österreich hat die Chance, durch eine aktive Mitgestaltung in den internationalen Gremien einen bedeutenden Beitrag zu leisten. Die Frage bleibt: Wird Österreich diese Gelegenheit nutzen, um einen nachhaltigen und verantwortungsvollen Umgang mit den Meeren zu fördern?
Für weiterführende Informationen und aktuelle Entwicklungen empfehlen wir den Pressedienst der Parlamentsdirektion.