Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben längst die heimische Wirtschaft erreicht. Besonders betroffen zeigt sich die österreichische Lackindustrie, die mit 26 Betrieben und rund 2.700 Be...
Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben längst die heimische Wirtschaft erreicht. Besonders betroffen zeigt sich die österreichische Lackindustrie, die mit 26 Betrieben und rund 2.700 Beschäftigten einen wichtigen Wirtschaftszweig darstellt. Steigende Rohölpreise und anhaltende Störungen in den globalen Lieferketten bringen die Branche in eine prekäre Lage.
Zahlreiche für die Lackproduktion essenzielle Komponenten – darunter Bindemittel, Lösungsmittel, Harze und Additive – basieren direkt oder indirekt auf petrochemischen Rohstoffen. Die jüngste Entwicklung der Rohölpreise hat daher unmittelbare Auswirkungen auf die Kostenstruktur der Unternehmen.
"Die aktuelle Entwicklung zeigt einmal mehr, wie stark unsere Industrie in globale Wertschöpfungsketten eingebunden ist. Preissteigerungen bei Rohstoffen treffen uns unmittelbar und mit erheblicher Dynamik", erklärt Hubert Culik, Obmann der österreichischen Lackindustrie.
Zusätzlich verschärfen logistische Herausforderungen die Situation: Aufgrund der angespannten Sicherheitslage im Roten Meer werden wichtige Schifffahrtsrouten zunehmend gemieden. Der daraus resultierende Umweg über das Kap der Guten Hoffnung verlängert Transportzeiten erheblich und führt zu weiteren Unsicherheiten in der Versorgung mit Vorprodukten – insbesondere aus Asien.
Auch wenn die österreichische Lackindustrie zu rund 80 Prozent auf wasserbasierte Systeme setzt, bleibt die Abhängigkeit von petrochemischen Ausgangsstoffen bestehen. Viele Unternehmen sind daher von den aktuellen Entwicklungen betroffen.
Bestehende strukturelle Herausforderungen wie etwa zunehmender regulatorischer Druck oder starker internationaler Wettbewerb werden durch die geopolitische Lage zusätzlich verschärft, so der Fachverband. Das volle Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen ist derzeit noch nicht abschätzbar.
Die Auswirkungen werden die Branche über das unmittelbare Konfliktgeschehen hinaus begleiten und erfordern strategische Anpassungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, so die Einschätzung des Verbandes.
Die 26 Betriebe der österreichischen Lack- und Anstrichmittelindustrie beschäftigen etwa 2.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie produzieren jährlich 133.000 Tonnen Lack- und Anstrichmittel im Wert von 503 Millionen Euro. Die Branche ist sehr innovativ und investiert 10 bis 15 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung.