Am 1. Jänner 2026 trat in Österreich eine bedeutende steuerliche Änderung in Kraft: Tampons und Binden sind nun umsatzsteuerfrei. Diese Maßnahme soll Frauen finanziell entlasten und den Zugang zu grundlegenden Hygieneprodukten erleichtern. Doch wie eine aktuelle Analyse der Arbeiterkammer Oberösterr
Am 1. Jänner 2026 trat in Österreich eine bedeutende steuerliche Änderung in Kraft: Tampons und Binden sind nun umsatzsteuerfrei. Diese Maßnahme soll Frauen finanziell entlasten und den Zugang zu grundlegenden Hygieneprodukten erleichtern. Doch wie eine aktuelle Analyse der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt, wird der Wegfall der Mehrwertsteuer nicht von allen Händlern an die Konsumentinnen weitergegeben. Diese Entwicklung wirft Fragen über die Wirksamkeit der Maßnahme und die Rolle der Händler auf.
Die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Frauenhygieneartikel ist Teil eines breiteren politischen Ziels, die finanzielle Belastung von Frauen zu reduzieren und den Zugang zu essentiellen Produkten zu verbessern. Die Mehrwertsteuer, auch Umsatzsteuer genannt, ist eine Verbrauchssteuer, die auf den Verkauf von Waren und Dienstleistungen erhoben wird. In Österreich betrug sie für Hygieneartikel bisher 20 Prozent. Mit dem Wegfall dieser Steuer sollten die Produkte theoretisch günstiger werden.
Historisch gesehen war die Besteuerung von Hygieneprodukten ein umstrittenes Thema. In vielen Ländern, darunter auch Deutschland und die Schweiz, wurde die Steuer auf solche Produkte in den letzten Jahren gesenkt oder abgeschafft, um die finanzielle Diskriminierung von Frauen zu verringern. In Deutschland wurde die Mehrwertsteuer auf Tampons und Binden 2020 von 19 auf 7 Prozent gesenkt. In der Schweiz wurde 2018 die Steuer auf 2,5 Prozent reduziert. Diese internationalen Beispiele zeigen, dass Österreichs Entscheidung Teil eines globalen Trends ist.
Seit Februar 2025 überwacht die Arbeiterkammer Oberösterreich die Preisentwicklung von Tampons und Binden bei verschiedenen Einzelhändlern. Die Ergebnisse sind gemischt: Während einige Händler wie Spar und DM die Steuerersparnis an die Konsumentinnen weitergeben, erhöhen andere, wie Bipa und Billa, die Preise oder geben die Senkung nur teilweise weiter. Bei Spar wurden die Preise um 10 Prozent gesenkt, bei DM zwischen 8,9 und 24 Prozent. Müller reduzierte die Preise um 9,3 bis 24 Prozent. Im Gegensatz dazu erhöhte Bipa bei mehreren Produkten die Preise, und Billa gab die Steuersenkung nur bei zwei Produkten vollständig weiter.
Für die Konsumentinnen bedeutet die ungleiche Weitergabe der Steuerersparnis eine unklare Preisgestaltung und erschwert die Kaufentscheidung. Während einige Frauen von den günstigeren Preisen profitieren, müssen andere weiterhin höhere Kosten tragen. Dies untergräbt das Ziel der Maßnahme, die finanzielle Belastung zu reduzieren. Ein Beispiel: Eine Frau, die regelmäßig bei Spar einkauft, kann tatsächlich sparen, während eine Kundin von Bipa möglicherweise keinen Unterschied bemerkt.
Die nicht vollständige Weitergabe der Steuerersparnis hat auch volkswirtschaftliche Auswirkungen. Die erwartete Dämpfung der Inflation bleibt aus, was in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten problematisch ist. AK-Präsident Andreas Stangl fordert deshalb stärkere Eingriffs- und Sanktionsmöglichkeiten für die Bundeswettbewerbsbehörde, um wettbewerbsschädliches Verhalten zu unterbinden. Branchenuntersuchungen sollten nicht nur Empfehlungen, sondern auch konkrete Maßnahmen zur Folge haben.
Die Zukunft dieser steuerlichen Maßnahme hängt von der Bereitschaft der Händler ab, die Ersparnis weiterzugeben, und von der Fähigkeit der Regierung, regulatorische Maßnahmen zu ergreifen. Die AK Oberösterreich spricht sich gegen neue Preisbeobachtungsplattformen aus und fordert stattdessen die Verbesserung der bestehenden Systeme. Große Händler sollen ihre Preise über Schnittstellen zugänglich machen, um Transparenz zu fördern. Diese Maßnahmen könnten langfristig zu faireren Preisen und einer gerechteren Verteilung der steuerlichen Vorteile führen.
Die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Frauenhygieneartikel in Österreich ist ein Schritt in die richtige Richtung, um die finanzielle Belastung von Frauen zu reduzieren. Doch die Umsetzung zeigt, dass gesetzliche Änderungen allein nicht ausreichen. Es bedarf eines Zusammenspiels von Politik, Wirtschaft und Konsumentenschutz, um die gewünschten Effekte zu erzielen. Die Konsumentinnen sind aufgefordert, Preise zu vergleichen und informierte Kaufentscheidungen zu treffen. Die Regierung und die Wettbewerbsbehörde müssen sicherstellen, dass die Maßnahmen effektiv umgesetzt werden. Nur so kann das Ziel einer finanziellen Entlastung und eines fairen Marktes erreicht werden.