Die alarmierenden Nachrichten aus der österreichischen Gesundheitsversorgung reißen nicht ab. Am 10. Juni 2025 veröffentlichte der Österreichische Generikaverband eine dringende Pressemitteilung, die auf die instabile Arzneimittelversorgung im Land aufmerksam macht. Die zentrale Frage, die in den Ra
Die alarmierenden Nachrichten aus der österreichischen Gesundheitsversorgung reißen nicht ab. Am 10. Juni 2025 veröffentlichte der Österreichische Generikaverband eine dringende Pressemitteilung, die auf die instabile Arzneimittelversorgung im Land aufmerksam macht. Die zentrale Frage, die in den Raum gestellt wird: Was sind uns bewährte Medikamente wert?
Seit 1994 sind Generika, also Nachahmerpräparate von Originalmedikamenten, ein fester Bestandteil der Arzneimittelversorgung in Österreich. Generika sind in der Regel deutlich günstiger als Originalpräparate und machen mittlerweile etwa die Hälfte aller verschriebenen Medikamente aus. Trotz ihres hohen Anteils verursachen sie nur 14 % der Gesamtkosten im Arzneimittelsektor. Das bedeutet, dass mit dem Einsatz von Generika mehr als doppelt so viele Patienten zu den gleichen Kosten behandelt werden können.
Aktuell sind rund 500 Medikamente in Österreich nicht oder nur eingeschränkt lieferbar. Darunter befinden sich lebenswichtige Arzneimittel wie Antidepressiva, Antipsychotika und Medikamente zur Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes. Diese Versorgungslücken treffen besonders die Patienten, die dringend auf diese Medikamente angewiesen sind. Der Grund für diese Engpässe liegt in den gesetzlichen Rahmenbedingungen, die die Preise immer weiter nach unten drücken, während die Produktionskosten steigen.
Die Geschichte der Generika in Österreich begann in den 1990er Jahren. Damals wurden Generika als kostengünstige Alternative zu teuren Originalpräparaten eingeführt. Sie sollten das Gesundheitssystem entlasten und mehr Menschen Zugang zu wichtigen Medikamenten ermöglichen. Doch mit der Zeit wurden die gesetzlichen Regelungen immer strenger, was die Preisgestaltung betrifft. Dies führte dazu, dass viele Hersteller ihre Produkte nicht mehr wirtschaftlich anbieten konnten.
Der durchschnittliche Wert einer Generikatablette liegt bei nur noch 16 Cent. Unter diesen Bedingungen wird die wirtschaftliche Vermarktung für viele Produkte zunehmend unmöglich. Wolfgang Andiel, Präsident des Österreichischen Generikaverbands, warnt: „Der steigende Preisdruck gefährdet die Verfügbarkeit von Generika für Patientinnen und Patienten. In Europa mussten in den vergangenen zehn Jahren mehr als ein Viertel der Generika vom Markt genommen werden, weil sie nicht mehr wirtschaftlich herstellbar waren.“
Der Generikaverband fordert faire und verlässliche Rahmenbedingungen, um die Versorgung mit Generika langfristig zu sichern. Die Politik ist gefordert, die richtigen Weichen zu stellen. Nur so kann eine dauerhafte Sicherung der Versorgung gewährleistet werden. Andiel betont: „Wir müssen uns fragen: Was sind uns diese Arzneimittel und eine sichere Versorgung wert?“
Österreich ist nicht das einzige Land, das mit diesen Herausforderungen konfrontiert ist. In ganz Europa stehen Generikahersteller unter Druck. Die Situation erinnert an ähnliche Entwicklungen in Deutschland und Frankreich, wo ebenfalls ein Preisdruck auf die Hersteller lastet. In einigen Ländern wurden bereits Maßnahmen ergriffen, um die Versorgung zu stabilisieren, doch der Weg dahin ist steinig.
Die Engpässe in der Arzneimittelversorgung haben direkte Auswirkungen auf die Patienten. Besonders betroffen sind Menschen mit chronischen Erkrankungen, die auf eine kontinuierliche Medikamentenzufuhr angewiesen sind. Wenn bestimmte Medikamente nicht verfügbar sind, müssen Ärzte oft auf teurere Alternativen ausweichen, was die Krankenkassen zusätzlich belastet.
Dr. Maria Huber, eine renommierte Gesundheitsexpertin, erklärt: „Die aktuelle Situation ist besorgniserregend. Wenn wir die Rahmenbedingungen nicht anpassen, könnten wir in eine ernsthafte Gesundheitskrise schlittern.“ Sie plädiert für einen Dialog zwischen Politik, Herstellern und Gesundheitsexperten, um nachhaltige Lösungen zu finden.
Die Kampagne „Keine Medikamente? Das ist krank.“ des Generikaverbands soll das Bewusstsein für die Bedeutung von Generika stärken und den Blick für notwendige politische Entscheidungen schärfen. Die Zukunft der Arzneimittelversorgung hängt von den Entscheidungen ab, die jetzt getroffen werden. Nur wenn Generika unter fairen Bedingungen hergestellt und vertrieben werden können, bleibt die Versorgung langfristig gesichert.
Die Situation in Österreich zeigt, wie wichtig es ist, die Rahmenbedingungen für die Herstellung und den Vertrieb von Generika zu überdenken. Die Politik ist gefordert, schnell zu handeln, um eine stabile und sichere Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Der Österreichische Generikaverband setzt mit seiner Kampagne ein starkes Zeichen und fordert: „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Gesundheit unserer Bevölkerung aufs Spiel gesetzt wird.“
Weitere Informationen zur Kampagne und zum Österreichischen Generikaverband finden Sie hier.