Am 15. Dezember 2025 fand in St. Pölten eine bedeutende Fachveranstaltung statt, die sich mit einem zentralen Thema der Medienwelt befasste: der verantwortungsvollen Berichterstattung über Opfer von Gewalt. Die Veranstaltung, die unter dem Titel „Im Fokus: Die Stimmen der Opfer – Verantwortungsvolle
Am 15. Dezember 2025 fand in St. Pölten eine bedeutende Fachveranstaltung statt, die sich mit einem zentralen Thema der Medienwelt befasste: der verantwortungsvollen Berichterstattung über Opfer von Gewalt. Die Veranstaltung, die unter dem Titel „Im Fokus: Die Stimmen der Opfer – Verantwortungsvolle Berichterstattung jenseits des Täter-Narrativs“ stattfand, wurde am City Campus der FH Wiener Neustadt abgehalten. Organisiert vom Land Niederösterreich in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Journalismus und Unternehmenskommunikation der FH Wiener Neustadt sowie dem Österreichischen Presserat, brachte sie eine Vielzahl von Experten, Studierenden und Medienvertretern zusammen.
Die Diskussionen während der Veranstaltung orientierten sich an aktuellen Entwicklungen auf nationaler und europäischer Ebene. Themen wie die Istanbul-Konvention, die neue EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und der Nationale Aktionsplan gegen Gewalt standen im Mittelpunkt. Diese Initiativen zielen darauf ab, die Rechte der Opfer zu stärken und eine geschlechtersensible Berichterstattung zu fördern.
Ein zentraler Aspekt der Tagung war die Frage, wie Medienberichte gestaltet werden müssen, um nicht zur Reproduktion problematischer Stereotype beizutragen. Fachinputs von Elisabeth Cinatl vom Verein wendepunkt und Hedwig Wölfl von der Organisation 'die möwe' lieferten wissenschaftlich fundierte Einblicke in die Auswirkungen medialer Darstellung auf Opfer, Täter und die Öffentlichkeit.
Die Diskussion über die ethische Verantwortung der Medien ist keine neue. Schon seit den frühen Tagen des Journalismus gibt es Debatten darüber, wie viel Sensationalismus gerechtfertigt ist und wo die Grenze zur Verletzung der Menschenwürde überschritten wird. In den letzten Jahrzehnten haben Ereignisse wie die Berichterstattung über prominente Gewaltverbrechen immer wieder Fragen über die Rolle der Medien aufgeworfen. Die Entwicklung von Leitlinien und ethischen Standards hat sich dabei stetig weiterentwickelt, um den Schutz der Opfer zu gewährleisten.
In Österreich spielt der Österreichische Presserat eine zentrale Rolle bei der Etablierung solcher Standards. Der Presserat ist eine Selbstkontrolleinrichtung der Print- und Onlinemedien und setzt sich für die Einhaltung journalistischer Ethik ein. Seine Richtlinien dienen als Orientierung für Journalisten, um eine ausgewogene und respektvolle Berichterstattung sicherzustellen.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass ähnliche Bemühungen auch in Deutschland und der Schweiz unternommen werden. In Deutschland hat der Deutsche Presserat vergleichbare Richtlinien entwickelt, die darauf abzielen, die Würde der Opfer zu schützen und die Sensationsgier einzudämmen. In der Schweiz hingegen wird die Medienethik stark durch die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) geprägt, die ebenfalls auf den Schutz der Opferrechte achtet.
Der Vergleich zeigt, dass in allen drei Ländern ein Bewusstsein für die Verantwortung der Medien besteht, jedoch gibt es Unterschiede in der Umsetzung und den spezifischen Schwerpunkten der Richtlinien.
Die Art und Weise, wie über Gewalt berichtet wird, hat direkte Auswirkungen auf die Gesellschaft. Eine Berichterstattung, die Täter glorifiziert oder Opfer stigmatisiert, kann bestehende Vorurteile verstärken und das Leid der Betroffenen vergrößern. Ein Beispiel hierfür ist die Berichterstattung über häusliche Gewalt, bei der oft die Täterperspektive überbetont wird, was zu einer weiteren Viktimisierung der Opfer führen kann.
Frauen-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister betonte die Bedeutung einer sensiblen Berichterstattung, die den Fokus auf die Betroffenen richtet. Sie wies darauf hin, dass mediale Aufmerksamkeit nicht dazu führen darf, dass Täter in den Mittelpunkt rücken. Vielmehr müsse das Mitgefühl und der Respekt den Opfern und ihren Angehörigen gelten. Diese Haltung ist nicht nur ethisch, sondern auch gesellschaftlich notwendig, um eine Kultur des Respekts und der Empathie zu fördern.
Statistiken zeigen, dass die mediale Darstellung von Gewaltverbrechen oft einseitig ist. Eine Studie der Universität Wien ergab, dass in über 70% der Berichte über Gewaltverbrechen die Täterperspektive im Vordergrund steht. Dies führt zu einer verzerrten Wahrnehmung und kann die öffentliche Meinung negativ beeinflussen.
Die EU-Richtlinie und der Nationale Aktionsplan sehen daher Maßnahmen vor, um diesen Trend zu ändern. Dazu gehört die Überarbeitung des Leitfadens für geschlechtersensible Berichterstattung, die stärkere Einbindung freier Medienschaffender und Influencer sowie der Ausbau von Aus- und Weiterbildungsangeboten für Journalisten.
Die Zukunft der Berichterstattung über Gewaltverbrechen könnte durch die konsequente Anwendung der neuen Richtlinien und Standards geprägt sein. Ziel ist es, eine Berichterstattung zu fördern, die die Würde der Opfer wahrt und die gesellschaftliche Verantwortung der Medien unterstreicht. Die Veranstaltung in Wiener Neustadt hat gezeigt, dass es ein großes Interesse an praxisnahen Standards und Weiterbildungsformaten gibt. Diese könnten dazu beitragen, das Bewusstsein für die Bedeutung einer respektvollen Berichterstattung zu schärfen.
Die Expertinnen und Experten betonten die Notwendigkeit, die Sensibilisierung rund um mediale Gewaltberichterstattung fortzusetzen. Trotz Fortschritten in vielen Redaktionen gibt es weiterhin Fälle, in denen Opferrechte verletzt und Täterperspektiven überbetont werden. Die Veranstaltung sendete ein deutliches Signal: Opferschutz, Medienethik und gesellschaftliche Verantwortung müssen gemeinsam gedacht und konsequent weiterentwickelt werden.
Die Fachveranstaltung in Wiener Neustadt hat wichtige Impulse für die zukünftige Ausrichtung der Medienberichterstattung in Österreich gegeben. Die klare Botschaft lautet: Die Stimmen der Opfer müssen gestärkt und geschützt werden. Medien tragen eine große Verantwortung, die sie durch eine faktenbasierte und empathische Berichterstattung wahrnehmen können.
Für Journalisten und Medienhäuser bedeutet dies, dass sie ihre Arbeitsweise überdenken und anpassen müssen, um den Anforderungen an eine ethische Berichterstattung gerecht zu werden. Die Veranstaltung hat gezeigt, dass es nicht nur um die Einhaltung von Richtlinien geht, sondern um eine grundlegende Veränderung der journalistischen Kultur hin zu mehr Verantwortung und Respekt.
Weitere Informationen zur Veranstaltung und den diskutierten Themen können über das Büro von Landesrätin Teschl-Hofmeister eingeholt werden. Die Diskussion über die Rolle der Medien in der Gesellschaft wird sicherlich weitergehen und hoffentlich zu einer nachhaltigeren und respektvolleren Berichterstattung führen.