Die österreichische Telekommunikationsbranche kämpft um die besten Nachwuchstalente, und Magenta Telekom geht dabei einen besonderen Weg: Mit einer neuen Lehrlingskampagne will das Unternehmen Digi
Die österreichische Telekommunikationsbranche kämpft um die besten Nachwuchstalente, und Magenta Telekom geht dabei einen besonderen Weg: Mit einer neuen Lehrlingskampagne will das Unternehmen Digital Natives direkt in ihrem Element abholen. Während andere Branchen noch über Fachkräftemangel klagen, setzt Magenta auf eine Strategie, die traditionelle Lehrlingsklischees bewusst durchbricht. Am 15. Januar 2025 präsentierte das Unternehmen seine Offensive für 39 neue Lehrstellen – eine Initiative, die zeigt, wie moderne Berufsausbildung funktionieren kann.
Der Ausbildungsberuf "Future Customer Expert" ist mehr als nur ein moderner Name für herkömmliche Einzelhandelslehre. Diese spezialisierte Ausbildung im Bereich Einzelhandel mit Schwerpunkt Telekommunikation verbindet traditionelle Verkaufstechniken mit modernster Technologie-Kompetenz. Lehrlinge lernen nicht nur, wie sie Smartphones und Tarife verkaufen, sondern entwickeln ein tiefgreifendes Verständnis für Netztechnologien, Digitalisierung und sogar Künstliche Intelligenz.
Das Berufsbild entstand aus der Erkenntnis, dass sich der Telekommunikationsmarkt fundamental gewandelt hat. Kunden erwarten heute nicht mehr nur ein Gerät zu kaufen, sondern komplette digitale Lösungen für ihr Leben. Ein Future Customer Expert muss daher Berater, Techniker und Problemlöser in einer Person sein – Fähigkeiten, die in der klassischen Einzelhandelslehre so nicht vermittelt werden.
Christian Hauer, Chief Human Resources Officer (CHRO) von Magenta Telekom, bringt es auf den Punkt: "Wir holen unsere Lehrlinge dort ab, wo ihre Stärken liegen - im digitalen Denken und ihrer Neugier für Technik." Diese Aussage spiegelt einen fundamentalen Wandel im Verständnis von Berufsausbildung wider.
Die Generation Z, geboren zwischen 1997 und 2012, ist mit Smartphones, sozialen Medien und digitalen Technologien aufgewachsen. Sie sind es gewohnt, komplexe technische Systeme intuitiv zu verstehen und zu bedienen. In vielen Familien sind sie bereits die inoffiziellen IT-Experten, die Geräte einrichten und technische Probleme lösen. Magenta macht aus diesem privaten Talent eine berufliche Expertise.
Das Unternehmen erkennt, dass diese Generation anders lernt als frühere Generationen. Statt frontaler Wissensvermittlung setzen sie auf interaktive, digitale Lernmodule und praktisches Training. Das Onboarding erfolgt durch eine Kombination aus virtuellen Lernwelten und realer Arbeit im Magenta Shop – ein Ansatz, der dem Lernverhalten der Digital Natives entspricht.
Um die Bedeutung von Magentas Lehrlingsstrategie zu verstehen, ist ein Blick auf die Entwicklung der österreichischen Telekommunikationsbranche notwendig. Noch in den 1990er Jahren dominierte die staatliche Post- und Telegrafenverwaltung den Markt. Die Liberalisierung brachte zunächst wenige, große Anbieter hervor, die hauptsächlich auf Infrastruktur und Netzabdeckung fokussierten.
Heute steht die Branche vor völlig neuen Herausforderungen: 5G-Netzausbau, Internet of Things (IoT), Smart Home-Technologien und die Integration von Künstlicher Intelligenz in Alltagsgeräte verändern nicht nur die Produkte, sondern auch die Anforderungen an das Personal. Ein Verkäufer von heute muss verstehen, wie ein Smart Home funktioniert, welche Bandbreite für Homeoffice nötig ist und wie 5G das autonome Fahren ermöglicht.
Diese Komplexität erfordert eine neue Generation von Fachkräften, die sowohl technisches Verständnis als auch kommunikative Fähigkeiten mitbringen. Genau hier setzt Magentas Ausbildungskonzept an: Junge Menschen, die bereits digital denken, werden zu Experten für die digitale Zukunft ihrer Kunden ausgebildet.
Mit aktuell rund 95 Lehrlingen und 39 neuen Stellen für 2025 positioniert sich Magenta als bedeutender Ausbildungsbetrieb in der österreichischen Telekommunikationsbranche. Diese Zahlen gewinnen an Bedeutung, wenn man sie in den Kontext des österreichischen Lehrstellenmarktes einordnet.
Laut Wirtschaftskammer Österreich gab es 2024 insgesamt etwa 109.000 Lehrlinge in Österreich, verteilt auf rund 200 anerkannte Lehrberufe. Der Einzelhandel, zu dem auch der Future Customer Expert zählt, ist dabei einer der größten Bereiche. Allerdings kämpfen viele Branchen mit sinkenden Bewerberzahlen und dem Trend zur Akademisierung.
Besonders bemerkenswert ist Magentas Erfolgsquote: Über 70 Prozent der Lehrlinge schließen ihre Ausbildung mit gutem oder ausgezeichnetem Erfolg ab. Zum Vergleich: Der österreichweite Durchschnitt liegt bei etwa 85 Prozent Erfolgsquote insgesamt, wobei nur etwa 30 Prozent mit "gut" oder "ausgezeichnet" abschließen. Magentas Quote liegt also deutlich über dem Durchschnitt der Spitzennoten.
Ein entscheidender Faktor für die Attraktivität einer Lehrstelle ist die Vergütung. Magenta wirbt explizit mit "fairer Bezahlung inklusive Prämien", ohne jedoch konkrete Zahlen zu nennen. Im Telekommunikations-Kollektivvertrag liegt die Lehrlingsentschädigung im ersten Lehrjahr bei etwa 715 Euro brutto monatlich, steigt im zweiten Jahr auf etwa 900 Euro und erreicht im dritten Jahr rund 1.200 Euro brutto.
Zusätzlich zur Grundvergütung bietet Magenta ein Prämiensystem, das sich an Leistung und Engagement orientiert. Das Unternehmen betont außerdem die "offene Du-Kultur" – ein Aspekt, der für die Generation Z besonders wichtig ist, da sie flache Hierarchien und authentische Kommunikation schätzt.
Magenta hebt besonders hervor, dass Diversität nicht nur betont, sondern aktiv gelebt wird. "Ob technikaffine junge Frauen, Jugendliche mit Fluchthintergrund oder Menschen verschiedener Herkunft: alle finden denselben Platz, dieselbe Unterstützung", betont das Unternehmen. Diese Aussage ist mehr als PR-Sprech – sie spiegelt einen gesellschaftlichen Wandel wider.
In der österreichischen Telekommunikationsbranche waren technische Berufe traditionell männlich dominiert. Laut Statistik Austria lag der Frauenanteil in IT- und Telekommunikationsberufen 2023 bei nur etwa 17 Prozent. Magenta versucht bewusst, dieses Ungleichgewicht zu durchbrechen, indem das Unternehmen gezielt junge Frauen anspricht und ein Umfeld schafft, in dem sich alle Geschlechter wohlfühlen.
Auch die Erwähnung von "Jugendlichen mit Fluchthintergrund" ist gesellschaftlich relevant. Nach den Migrationswellen der letzten Jahre suchen viele junge Menschen mit internationalen Wurzeln ihren Platz im österreichischen Arbeitsmarkt. Eine Lehre bei einem renommierten Unternehmen kann für diese Gruppe ein wichtiger Schritt zur Integration und beruflichen Entwicklung sein.
Das von Magenta eingesetzte Buddy-System ist ein bewährtes Konzept aus der modernen Personalentwicklung. Jeder neue Lehrling wird einem erfahrenen Mitarbeiter zugeordnet, der als Mentor und Ansprechpartner fungiert. Dieses System hat mehrere Vorteile: Es reduziert die Einarbeitungszeit, schafft persönliche Bindungen und hilft dabei, die Unternehmenskultur zu vermitteln.
Kombiniert wird das Buddy-System mit regelmäßigen Feedbackgesprächen – ein Ansatz, der der Erwartungshaltung der Generation Z entspricht. Diese Generation ist es gewohnt, kontinuierlich Rückmeldungen zu erhalten, sei es durch Likes in sozialen Medien oder durch Gaming-Systeme mit sofortigen Belohnungen. Regelmäßiges Feedback im Beruf kommt diesem Bedürfnis entgegen und trägt zur Motivation bei.
Im deutschsprachigen Raum setzen auch andere Telekommunikationsunternehmen auf innovative Lehrlingsausbildung. Die Deutsche Telekom bildet beispielsweise in über 15 verschiedenen Berufen aus und hat eigene Ausbildungszentren etabliert. Swisscom in der Schweiz bietet sogar duale Studiengänge an, die Lehre und Studium kombinieren.
Magenta positioniert sich in diesem Umfeld durch den Fokus auf die "Future Customer Expert"-Ausbildung und die gezielte Ansprache von Digital Natives. Während andere Unternehmen oft traditionelle IT-Ausbildungen anbieten, konzentriert sich Magenta auf die Schnittstelle zwischen Technologie und Kundenberatung – ein Bereich, der in der digitalisierten Welt immer wichtiger wird.
Die Auszeichnungen als Top-Arbeitgeber laut kununu unterstreichen diese Positionierung. Kununu ist eine Bewertungsplattform, auf der Mitarbeiter ihre Arbeitgeber anonym bewerten können. Positive Bewertungen sind besonders für die Generation Z wichtig, da sie sich vor Bewerbungen intensiv über potenzielle Arbeitgeber informiert.
Für Jugendliche, die sich für eine Lehre bei Magenta entscheiden, eröffnen sich vielfältige Karrierewege. Nach dem Lehrabschluss können sie in den Magenta Shops arbeiten, ins Headquarter wechseln oder sich in spezialisierten Bereichen wie Business-Kunden-Betreuung oder technischem Support weiterentwickeln.
Ein konkretes Beispiel: Lisa, 19 Jahre alt aus Wien, könnte nach ihrer Lehre als Future Customer Expert zunächst in einem Magenta Shop in der Wiener Innenstadt arbeiten. Dort betreut sie täglich Kunden, die von einfachen Smartphone-Problemen bis hin zu komplexen Unternehmenslösungen alle möglichen Anfragen haben. Nach zwei Jahren Berufserfahrung wechselt sie möglicherweise ins Headquarter, wo sie Business-Kunden bei der Digitalisierung ihrer Arbeitsplätze unterstützt. Langfristig könnte sie eine Führungsposition in einem regionalen Vertriebsteam übernehmen oder sich für ein berufsbegleitendes Studium entscheiden.
Diese Karrierewege zeigen, dass eine Lehre bei Magenta nicht als Sackgasse, sondern als Startpunkt für eine vielseitige Laufbahn konzipiert ist. Das Unternehmen investiert bewusst in die Weiterentwicklung seiner Mitarbeiter, da es auf kontinuierliches Wachstum und Innovation angewiesen ist.
Besonders bemerkenswert ist, dass Magenta explizit Trainings rund um Künstliche Intelligenz in die Lehrlingausbildung integriert. KI ist keine ferne Zukunftsvision mehr, sondern bereits heute in vielen Alltagsanwendungen präsent: von Sprachassistenten über personalisierte Werbung bis hin zu automatischen Übersetzungen.
Für Future Customer Experts bedeutet das konkret: Sie müssen verstehen, wie KI-gestützte Chatbots funktionieren, warum bestimmte Apps bestimmte Inhalte vorschlagen und wie Smart Home-Geräte miteinander kommunizieren. Dieses Wissen ermöglicht es ihnen, Kunden kompetent zu beraten und auch komplexe technische Zusammenhänge verständlich zu erklären.
Die Integration von KI-Wissen in die Grundausbildung ist in Österreich noch nicht weit verbreitet. Magenta nimmt hier eine Vorreiterrolle ein und bereitet seine Lehrlinge auf eine Arbeitswelt vor, in der KI-Kompetenz zur Grundausstattung gehören wird.
Trotz aller positiven Aspekte stehen auch Magentas Lehrlinge vor Herausforderungen. Die Telekommunikationsbranche ist extrem schnelllebig – was heute State of the Art ist, kann in zwei Jahren bereits veraltet sein. Das erfordert kontinuierliche Weiterbildung und die Bereitschaft, sich ständig an neue Technologien anzupassen.
Außerdem ist der Einzelhandel generell eine fordernde Branche: Schichtarbeit, Wochenenddienst und der Umgang mit unzufriedenen Kunden gehören zum Alltag. Nicht alle Jugendlichen sind für diese Belastungen gemacht, auch wenn sie technisch versiert sind.
Die Automatisierung stellt ebenfalls eine Herausforderung dar. Viele Routinetätigkeiten im Einzelhandel werden zunehmend digitalisiert – von Self-Service-Kiosken bis hin zu Online-Shops mit automatischer Beratung. Future Customer Experts müssen sich daher auf die Bereiche konzentrieren, in denen menschliche Kompetenz unersetzlich ist: komplexe Beratung, Problemlösung und emotionale Kundenbetreuung.
Die nächsten Jahre werden entscheidend für die österreichische Telekommunikationsbranche sein. Der 5G-Ausbau ist in vollem Gange und wird neue Geschäftsfelder eröffnen – vom autonomen Fahren über Industrie 4.0 bis hin zur Telemedizin. Gleichzeitig drängen internationale Konzerne wie Amazon, Google und Apple immer stärker in traditionelle Telekom-Bereiche vor.
Für Magenta und seine Lehrlinge bedeutet das: Sie müssen sich von reinen Netzanbietern zu digitalen Lifestyle-Partnern entwickeln. Ein Future Customer Expert der Zukunft wird möglicherweise nicht mehr nur Handys verkaufen, sondern ganze Smart Home-Ökosysteme planen, Unternehmen bei der digitalen Transformation begleiten oder als Berater für KI-gestützte Lösungen fungieren.
Diese Entwicklung macht deutlich, warum Magentas Fokus auf umfassende Ausbildung und kontinuierliche Weiterbildung so wichtig ist. Wer heute eine Lehre beginnt, wird in drei Jahren in einer Arbeitswelt tätig sein, die sich erheblich von der heutigen unterscheidet.
Die Investition in junge Talente ist für Magenta also nicht nur gesellschaftliche Verantwortung, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit. Unternehmen, die heute die besten Nachwuchskräfte ausbilden, werden morgen die innovativsten Lösungen anbieten können. Magentas Lehrlingsstrategie ist daher ein wichtiger Baustein für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens und der österreichischen Telekommunikationslandschaft insgesamt.
Für junge Menschen, die sich für Technologie begeistern und gerne mit Menschen arbeiten, bietet die Lehre zum Future Customer Expert eine einzigartige Chance: Sie können ihre digitalen Fähigkeiten professionalisieren, wertvolle Berufserfahrung sammeln und gleichzeitig die Zukunft der Kommunikation mitgestalten. In einer Zeit, in der sich Berufsbilder rasant wandeln, ist das eine solide Grundlage für eine erfolgreiche Karriere.