Medizinische Sensation: Acht Patienten erobern Amerikas höchsten Gipfel
Acht lungentransplantierte Patienten aus fünf Ländern bezwangen gemeinsam mit Wiener Ärzten den 6.961 Meter hohen Aconcagua in Argentinien.
Eine außergewöhnliche medizinische und sportliche Erfolgsgeschichte sorgt derzeit in der internationalen Fachwelt für Aufsehen: Im Januar 2026 gelang es acht lungentransplantierten Patienten aus fünf verschiedenen Nationen, gemeinsam mit einem Ärzteteam der Medizinischen Universität Wien und des AKH Wien den Aconcagua zu besteigen – mit 6.961 Metern der höchste Berg Amerikas und einer der berühmten Seven Summits.
Die von der MedUni Wien initiierte und wissenschaftlich begleitete Expedition stellt einen Meilenstein in der Transplantationsmedizin dar. Dass Menschen nach einer Lungentransplantation zu derartigen körperlichen Höchstleistungen fähig sind, galt lange Zeit als undenkbar. Die erfolgreiche Besteigung des Aconcagua beweist nun eindrucksvoll, welche Lebensqualität und körperliche Leistungsfähigkeit durch moderne Transplantationsmedizin wieder erreicht werden kann.
"Diese Expedition zeigt, dass eine Lungentransplantation nicht das Ende eines aktiven Lebens bedeutet, sondern einen neuen Anfang darstellen kann", erklärt Peter Jaksch, einer der Initiatoren des Projekts von der Universitätsklinik für Thoraxchirurgie. Gemeinsam mit Jakob Mühlbacher von der Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie entwickelte er die Idee zu dieser außergewöhnlichen medizinischen Expedition.
Die Besonderheit der Expedition lag nicht nur in der sportlichen Herausforderung, sondern auch in ihrer wissenschaftlichen Dimension. Während des gesamten Aufstiegs wurden die acht Teilnehmer medizinisch betreut und untersucht. Die dabei gesammelten Daten werden nun an der MedUni Wien ausgewertet und sollen wichtige Erkenntnisse über die Belastbarkeit transplantierter Lungen in extremen Höhenlagen liefern.
"Die medizinische Betreuung und Überwachung der Patienten während der Expedition war von entscheidender Bedeutung", betont Clemens Aigner, Leiter der Universitätsklinik für Thoraxchirurgie. "Wir konnten in Echtzeit verfolgen, wie sich die transplantierten Lungen unter den extremen Bedingungen verhalten und welche Anpassungsmechanismen greifen."
Der Aconcagua stellt auch für gesunde Menschen eine enorme Herausforderung dar. Die dünne Luft in über 6.900 Metern Höhe, extreme Temperaturen und die körperliche Anstrengung des mehrtägigen Aufstiegs verlangen dem menschlichen Organismus alles ab. Für lungentransplantierte Patienten bedeutete dies eine besondere Belastungsprobe.
Die Expedition erforderte monatelange Vorbereitung und Training. Die Teilnehmer mussten ihre körperliche Fitness systematisch aufbauen und sich an die besonderen Anforderungen des Höhenbergsteigens anpassen. Dabei wurden sie kontinuierlich von den Wiener Spezialisten betreut und überwacht.
Unter den erfolgreichen Gipfelstürmern befinden sich auch drei Patienten, die ihre Lungentransplantation am AKH Wien erhalten haben: Stefanie Eigner (transplantiert 2017), Stefanie Krenmayer (transplantiert 2016) und Helmut Steigersdorfer (transplantiert bereits 2002). Ihre Geschichten zeigen eindrucksvoll, wie sich das Leben nach einer Transplantation entwickeln kann.
Besonders bemerkenswert ist der Fall von Helmut Steigersdorfer, der bereits über 20 Jahre mit seiner transplantierten Lunge lebt und nun beweisen konnte, dass auch nach so langer Zeit noch Höchstleistungen möglich sind. Seine Teilnahme an der Expedition unterstreicht die Langzeiterfolge der Wiener Transplantationsmedizin.
Die während der Expedition gesammelten medizinischen Daten sind von unschätzbarem Wert für die weitere Forschung. Erstmals konnten Wissenschaftler das Verhalten transplantierter Lungen unter extremen Höhenbedingungen über einen längeren Zeitraum systematisch dokumentieren.
Die Ergebnisse werden nicht nur für die Transplantationsmedizin von Bedeutung sein, sondern auch für die Betreuung von Lungentransplantierten im Allgemeinen. Sie können dazu beitragen, die Rehabilitationsprogramme zu optimieren und Patienten besser über ihre Möglichkeiten zu informieren.
Die erfolgreiche Aconcagua-Expedition hat bereits jetzt eine enorme Vorbildwirkung für andere lungentransplantierte Patienten weltweit. Sie zeigt, dass mit der richtigen medizinischen Betreuung, konsequenter Vorbereitung und dem Willen, Grenzen zu überschreiten, auch nach einer Transplantation außergewöhnliche Ziele erreicht werden können.
"Diese Expedition ist ein Signal der Hoffnung für alle Patienten, die auf eine Lungentransplantation warten oder bereits transplantiert wurden", erklärt ein Sprecher der MedUni Wien. "Sie zeigt, dass das Leben nach einer Transplantation nicht nur weitergehen kann, sondern sogar neue Höhepunkte erreichen kann – im wahrsten Sinne des Wortes."
Am 25. Februar 2025 werden die Teilnehmer der Expedition und das betreuende Ärzteteam ihre Erfahrungen in einem Pressegespräch an der MedUni Wien schildern. Interessierte Medienvertreter können sich unter [email protected] anmelden.
Das Gespräch findet um 10:00 Uhr im Rektoratssaal der Medizinischen Universität Wien statt (Spitalgasse 23, 1090 Wien). Neben den medizinischen Experten werden auch die drei österreichischen Patienten über ihre persönlichen Erfahrungen und Motivation berichten.
Die erfolgreiche Expedition unterstreicht die führende Rolle österreichischer Medizin im Bereich der Lungentransplantation. Das AKH Wien und die MedUni Wien gehören zu den renommiertesten Zentren für Lungentransplantationen in Europa und haben bereits hunderten von Patienten zu einem neuen Leben verholfen.
Die internationale Zusammensetzung der Expeditionsteilnehmer zeigt zudem die grenzüberschreitende Bedeutung der Wiener Expertise. Patienten aus fünf verschiedenen Ländern vertrauten auf die Betreuung durch das österreichische Ärzteteam – ein Vertrauensbeweis für die hohe Qualität der heimischen Medizin.
Mit dieser außergewöhnlichen Expedition haben Wien und Österreich einmal mehr bewiesen, dass sie in der medizinischen Forschung und Patientenbetreuung internationale Maßstäbe setzen können.