Am 4. Dezember 2025 wurde in der Bundesratssitzung in Wien ein drängendes Problem thematisiert, das nicht nur das Bildungssystem, sondern auch die Gesellschaft in Österreich betrifft: der akute Lehrermangel. Die Freiheitlichen Bundesratsmitglieder Isabella Theuermann, Irene Partl und Andreas Spanrin
Am 4. Dezember 2025 wurde in der Bundesratssitzung in Wien ein drängendes Problem thematisiert, das nicht nur das Bildungssystem, sondern auch die Gesellschaft in Österreich betrifft: der akute Lehrermangel. Die Freiheitlichen Bundesratsmitglieder Isabella Theuermann, Irene Partl und Andreas Spanring haben eine Dringliche Anfrage an Bildungsminister Christoph Wiederkehr gestellt, um Maßnahmen gegen den Lehrermangel und die Überlastung des Lehrpersonals zu fordern. Der Mangel an Lehrkräften hat in Wien, einem der größten Ballungsräume des Landes, alarmierende Ausmaße angenommen. Bereits im April 2025 wurde festgestellt, dass für das kommende Schuljahr noch 6.100 Stellen unbesetzt sind. Diese Zahl illustriert die ernsthafte personelle Krise, mit der das österreichische Bildungssystem konfrontiert ist.
Der Lehrermangel ist kein neues Phänomen. Bereits seit mehreren Jahrzehnten kämpft das Bildungssystem mit einer unzureichenden Anzahl an Lehrkräften. Historisch gesehen begann das Problem in den 1990er Jahren, als die Geburtenraten sanken und weniger Menschen den Lehrberuf ergriffen. Diese Entwicklung setzte sich fort und wurde durch die Pensionierungswelle der Babyboomer-Generation verschärft. Die österreichische Regierung hat in der Vergangenheit verschiedene Maßnahmen ergriffen, um dem Lehrermangel entgegenzuwirken, darunter die Förderung von Quereinsteigern und die Anpassung der Lehrerausbildung. Dennoch bleibt die Herausforderung bestehen, ausreichend qualifizierte Lehrkräfte zu gewinnen und zu halten.
Der Lehrermangel ist nicht nur ein österreichisches Problem. Auch in Deutschland und der Schweiz kämpfen Bildungssysteme mit ähnlichen Herausforderungen. In Deutschland beispielsweise wurde 2023 ein Mangel von über 30.000 Lehrkräften gemeldet, während die Schweiz mit einem Defizit von etwa 5.000 Lehrkräften konfrontiert ist. Beide Länder haben ebenfalls Maßnahmen ergriffen, um dem Mangel entgegenzuwirken, wie die Erhöhung der Ausbildungsplätze und die Förderung von Quereinsteigern. Österreich kann von diesen Ansätzen lernen und sie auf die eigenen Bedürfnisse anpassen, um die Situation zu verbessern.
Der Lehrermangel hat weitreichende Auswirkungen auf Schüler und Lehrer. Schüler sind oft gezwungen, in überfüllten Klassen zu lernen, was die individuelle Betreuung erschwert und die Qualität des Unterrichts beeinträchtigt. Lehrer hingegen stehen unter enormem Druck, da sie nicht nur den Lehrstoff vermitteln, sondern auch administrative Aufgaben bewältigen müssen. Die Überlastung führt häufig zu Burnout und einem erhöhten Krankenstand, was die Situation weiter verschärft. Ein konkretes Beispiel ist die Situation in Wien, wo Lehrer berichten, dass sie häufig bis zu 30 Schüler in einer Klasse unterrichten müssen, was weit über der empfohlenen Klassengröße liegt.
Laut einer Erhebung im April 2025 fehlen in Österreich 6.100 Lehrkräfte für das kommende Schuljahr. Diese Zahl entspricht einem Mangel von etwa 10% der benötigten Lehrkräfte im Land. Besonders betroffen sind Ballungsräume wie Wien, aber auch ländliche Regionen kämpfen mit einem Defizit an Lehrkräften. Eine Studie der Universität Wien aus dem Jahr 2024 ergab, dass 25% der Lehrer in Österreich aufgrund der hohen Arbeitsbelastung über einen Berufswechsel nachdenken.
Um dem Lehrermangel langfristig entgegenzuwirken, sind umfassende Reformen notwendig. Experten schlagen vor, die Attraktivität des Lehrberufs zu erhöhen, indem die Arbeitsbedingungen verbessert und die Gehälter angepasst werden. Zudem sollten die Ausbildungskapazitäten an Pädagogischen Hochschulen erweitert und die Anerkennung von ausländischen Lehrabschlüssen erleichtert werden. Eine verstärkte Förderung von Quereinsteigern könnte ebenfalls dazu beitragen, den Mangel zu lindern. Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat bereits erste Erfolge der neuen Lehrerbildung hervorgehoben und angekündigt, weitere Maßnahmen zur Besetzung der offenen Stellen zu ergreifen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Lehrermangel in Österreich ein komplexes Problem ist, das sowohl kurzfristige als auch langfristige Lösungsansätze erfordert. Die Regierung und die Bildungseinrichtungen müssen zusammenarbeiten, um die notwendigen Reformen umzusetzen und sicherzustellen, dass alle Schüler Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Bildung haben.