Von DNA-Analysen bis hin zu Robotik-Experimenten – am 24. April 2026 verwandelt sich die Hochschule Campus Wien in ein riesiges Wissenschaftslabor für alle Neugierigen. Bei der Langen Nacht der For...
Von DNA-Analysen bis hin zu Robotik-Experimenten – am 24. April 2026 verwandelt sich die Hochschule Campus Wien in ein riesiges Wissenschaftslabor für alle Neugierigen. Bei der Langen Nacht der Forschung können Besucher von 17:00 bis 22:00 Uhr kostenlos hinter die Kulissen der modernen Wissenschaft blicken und selbst Hand anlegen. Mit 25 interaktiven Stationen an zwei Standorten zeigt die Wiener Hochschule, wie Forschung heute funktioniert und warum sie für unseren Alltag so wichtig ist.
Die Lange Nacht der Forschung ist Österreichs größtes Wissenschaftsevent und findet alle zwei Jahre statt. Bereits seit 2005 öffnen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen österreichweit ihre Türen, um der Bevölkerung Wissenschaft hautnah zu präsentieren. Das Konzept basiert auf dem Motto "Mitmachen. Staunen. Entdecken." und richtet sich an Menschen aller Altersgruppen – vom Kindergartenkind bis zum Senior. Im Jahr 2024 besuchten österreichweit über 230.000 Menschen mehr als 2.500 Stationen, was die Veranstaltung zur größten Wissenschaftskommunikations-Initiative des Landes macht.
Die Idee entstand ursprünglich in Deutschland als "Lange Nacht der Wissenschaften" und wurde in Österreich erfolgreich adaptiert. Das Besondere: Alle Angebote sind kostenlos zugänglich, und die Wissenschaftler erklären ihre oft komplexe Arbeit so, dass sie auch für Laien verständlich wird. Dadurch soll das Vertrauen in die Wissenschaft gestärkt und das Interesse an Forschung und Technologie gefördert werden.
Die Hochschule Campus Wien ist mit über 6.000 Studierenden die größte Fachhochschule Österreichs und einer der wichtigsten Bildungsakteure der Hauptstadt. Gegründet 2001, hat sich die Institution zu einem Zentrum für angewandte Forschung und praxisnahe Ausbildung entwickelt. Mit sechs Departements – von Gesundheitswissenschaften über Technik bis hin zu Sozialwissenschaften – deckt die Hochschule ein breites Spektrum ab und arbeitet eng mit Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen zusammen.
Besonders bemerkenswert ist die Forschungsleistung: Mit über 200 laufenden Forschungsprojekten und einem jährlichen Drittmittelvolumen von mehreren Millionen Euro zählt die Hochschule Campus Wien zu den forschungsstärksten Fachhochschulen des Landes. Die Schwerpunkte liegen dabei auf angewandter Forschung, die direkten Nutzen für Gesellschaft und Wirtschaft bringt.
Am Campus Altes Landgut erwarten die Besucher 21 verschiedene Forschungsstationen. Eine der faszinierendsten Fragen, die beantwortet wird: "Warum bin ich allergisch?" Hier erklären Experten der Biomedizinischen Analytik, wie unser Immunsystem auf eigentlich harmlose Substanzen überreagiert und welche Rolle Genetik, Umwelt und Lebensstil dabei spielen. Besucher können sogar ihre eigene DNA sichtbar machen – ein Experiment, das normalerweise nur in professionellen Labors durchgeführt wird.
Ein weiterer Höhepunkt ist die Station "Lebensmittel retten – Verpackung als Schlüssel?". Angesichts der Tatsache, dass in Österreich jährlich etwa 760.000 Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden, zeigen Forscher innovative Verpackungslösungen auf. Von essbaren Folien bis hin zu intelligenten Verpackungen, die den Zustand der Lebensmittel anzeigen – hier wird Zukunftstechnologie greifbar.
Besonders spannend für technikbegeisterte Besucher ist die Station zum "partikelarmen Operationssaal". In modernen Kliniken sind diese speziellen Räume entscheidend für den Erfolg komplexer Eingriffe. Die Forscher erklären, wie Luftströmungssysteme funktionieren, die bis zu 99,97 Prozent aller Partikel aus der Luft filtern können. Zum Vergleich: In einem normalen Raum befinden sich etwa 35.000 Partikel pro Kubikzentimeter Luft, in einem partikelarmen OP-Saal sind es weniger als 10.
Am High Tech Campus, dem zweiten Standort der Hochschule, dreht sich alles um Digitalisierung und Automatisierung im Bauwesen. Die vier Stationen hier zeigen, wie die Baubranche revolutioniert wird. Beim 3D-Betondruck können Besucher live miterleben, wie ein Roboter Schicht für Schicht ganze Gebäudeteile "druckt". Diese Technologie verspricht nicht nur schnelleres und günstigeres Bauen, sondern auch völlig neue architektonische Möglichkeiten.
Die Additive Fertigung, auch bekannt als 3D-Druck, hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung durchgemacht. Was einst nur für Prototypen verwendet wurde, produziert heute bereits Bauteile für Flugzeuge, medizinische Implantate und eben auch Gebäude. In Österreich gibt es bereits erste Pilotprojekte, bei denen ganze Häuser mit 3D-Druckern errichtet wurden – eine Technologie, die das Bauwesen in den nächsten Jahrzehnten grundlegend verändern könnte.
Die an der Hochschule Campus Wien entwickelten Technologien haben direkten Einfluss auf das Leben der Menschen in Österreich. Die Forschung zu Allergien beispielsweise ist besonders relevant, da etwa 25 Prozent der österreichischen Bevölkerung unter verschiedenen Allergien leiden – Tendenz steigend. Besseres Verständnis der Ursachen kann zu wirksameren Therapien und Präventionsmaßnahmen führen.
Auch die Forschung zu partikelarmen Operationssälen hat unmittelbare Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung. In österreichischen Krankenhäusern werden jährlich über eine Million operative Eingriffe durchgeführt. Jede Verbesserung der OP-Technologie, die Infektionen verhindert oder Heilungsprozesse beschleunigt, kommt direkt den Patienten zugute und entlastet gleichzeitig das Gesundheitssystem.
Im Bereich der Lebensmitteltechnologie arbeiten die Forscher an Lösungen für ein Problem, das jeden österreichischen Haushalt betrifft: Lebensmittelverschwendung. Der durchschnittliche österreichische Haushalt wirft Lebensmittel im Wert von etwa 300 Euro pro Jahr weg. Intelligente Verpackungen könnten diesen Wert deutlich reduzieren und gleichzeitig die Umwelt schonen.
Im Vergleich zu anderen deutschsprachigen Ländern steht Österreich in der Forschungslandschaft gut da, hat aber auch Aufholbedarf. Deutschland investiert etwa 3,1 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung, die Schweiz sogar 3,4 Prozent. Österreich liegt mit 2,9 Prozent leicht darunter, hat aber in den letzten Jahren deutlich aufgeholt.
Besonders bei den Fachhochschulen hat Österreich eine Vorreiterrolle in Europa eingenommen. Das österreichische Fachhochschulsystem, das 1994 eingeführt wurde, gilt international als Modell für praxisnahe Hochschulausbildung. Die enge Verzahnung von Lehre, angewandter Forschung und Wirtschaft wird von vielen Ländern kopiert.
Innerhalb Österreichs spielt Wien eine zentrale Rolle: Etwa 40 Prozent aller Forschungsausgaben fließen in die Bundeshauptstadt. Mit der Hochschule Campus Wien, der Technischen Universität, der Universität Wien und zahlreichen außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist Wien eines der wichtigsten Wissenschaftszentren Mitteleuropas.
Parallel zur Langen Nacht der Forschung präsentiert sich die Hochschule Campus Wien beim Forschungsforum der Österreichischen Fachhochschulen in Graz. Diese jährliche Veranstaltung, die vom 15. bis 16. April stattfindet, ist das zentrale Networking-Event der österreichischen FH-Landschaft. Hier treffen sich Forscher, Lehrende und Vertreter der Wirtschaft, um sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen und neue Kooperationen zu schmieden.
Vizerektorin Elisabeth Haslinger-Baumann betont die strategische Bedeutung solcher Veranstaltungen: "Hochschulen sind ein unverzichtbarer Bestandteil des österreichischen Bildungs- und Forschungssystems. Sie sichern gesellschaftliche Chancengerechtigkeit und öffnen akademische Wege für neue Zielgruppen." Diese Aussage unterstreicht die gesellschaftliche Rolle der Fachhochschulen, die oft als "Bildungsaufsteiger-Institutionen" fungieren.
Die Finanzierung der Fachhochschulen ist ein zentrales Thema in der österreichischen Bildungspolitik. Während Universitäten hauptsächlich vom Bund finanziert werden, erhalten Fachhochschulen ihre Mittel über ein komplexeres System aus Bundeszuschüssen, Studiengebühren und Drittmitteln. Haslinger-Baumann fordert eine "zukunftssichere Finanzierung für den Hochschulbereich" – eine Forderung, die angesichts steigender Studierendenzahlen und wachsender Forschungsansprüche immer dringlicher wird.
Die österreichische Bundesregierung hat in ihrem aktuellen Regierungsprogramm eine Stärkung der angewandten Forschung an Fachhochschulen angekündigt. Bis 2027 sollen die Mittel für FH-Forschung um 50 Prozent erhöht werden – ein Zeichen dafür, dass die Bedeutung praxisnaher Forschung erkannt wird.
Die Forschungsthemen der Hochschule Campus Wien spiegeln aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen wider. Der Klimawandel, die Digitalisierung, der demografische Wandel und die Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung prägen die Forschungsagenda. Besonders interessant ist die Station zu "immersiven Technologien" wie Virtual und Augmented Reality, die zeigen, wie sich Lernen und Arbeiten in Zukunft verändern könnten.
Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge der Bevölkerung zu erklären. Veranstaltungen wie die Lange Nacht der Forschung sind daher mehr als nur Wissenschaftskommunikation – sie sind ein Beitrag zur demokratischen Meinungsbildung in einer wissensbasierten Gesellschaft.
Die 25 Stationen der Hochschule Campus Wien bieten einen umfassenden Einblick in die Vielfalt moderner Forschung. Von medizinischen Themen wie Menstruationsblut-Analysen über technische Innovationen wie Formula Student Autos bis hin zu gesellschaftlichen Fragen wie "geschlechtersensible Gefängnisarchitektur" – die Bandbreite zeigt, wie interdisziplinär Forschung heute ist.
Besonders zukunftsweisend ist die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz und dem neuen AI-Act der EU. Diese Regulierung wird die Entwicklung und den Einsatz von KI-Systemen in den kommenden Jahren maßgeblich prägen. Dass sich bereits Studierende und Forscher mit diesen rechtlichen und ethischen Fragen beschäftigen, zeigt die Weitsicht der Hochschule.
Die Lange Nacht der Forschung 2026 verspricht somit nicht nur spannende Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte, sondern auch einen Ausblick auf die wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen der nächsten Jahre. Für interessierte Bürger ist es eine einmalige Gelegenheit, Wissenschaft hautnah zu erleben und zu verstehen, wie Forschung unser aller Leben verbessert. Der freie Eintritt macht diese Veranstaltung zu einem wahrhaft demokratischen Bildungsangebot, das Wissenschaft für alle zugänglich macht.