Die jüngste Einigung der EU-Unterhändler:innen zum Lieferkettengesetz, erzielt in der Nacht vom 8. Dezember 2025, hat in Österreich und darüber hinaus für heftige Diskussionen gesorgt. Die Grünen, vertreten durch Lena Schilling und Elisabeth Götze, haben scharfe Kritik geäußert. Sie bezeichnen die e
Die jüngste Einigung der EU-Unterhändler:innen zum Lieferkettengesetz, erzielt in der Nacht vom 8. Dezember 2025, hat in Österreich und darüber hinaus für heftige Diskussionen gesorgt. Die Grünen, vertreten durch Lena Schilling und Elisabeth Götze, haben scharfe Kritik geäußert. Sie bezeichnen die erzielte Fassung als einen 'faulen Kompromiss', der zentrale Schutzmechanismen verwässert und den Anwendungsbereich drastisch einschränkt. Die Auswirkungen auf Menschenrechte und Umweltschutz in Europa werden als verheerend eingestuft.
Das Lieferkettengesetz zielt darauf ab, Unternehmen zur Verantwortung zu ziehen, indem sie verpflichtet werden, Menschenrechte und Umweltstandards entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette zu beachten. Ursprünglich sollte das Gesetz für eine Vielzahl von Unternehmen gelten und klare Pflichten sowie zivilrechtliche Haftung umfassen. Fachbegriffe wie 'Wertschöpfungskette' beschreiben den gesamten Prozess, den ein Produkt durchläuft – von der Rohstoffgewinnung über die Produktion bis hin zum Vertrieb. Die Bedeutung dieses Gesetzes liegt in der Sicherstellung, dass keine Menschenrechtsverletzungen oder Umweltschäden in diesem Prozess auftreten.
Die Idee eines Lieferkettengesetzes entstand aus der Notwendigkeit, globale Handelspraktiken zu regulieren, die oft mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht werden. In den letzten Jahren haben Skandale über Kinderarbeit und Umweltverschmutzung durch internationale Unternehmen den Druck auf die EU erhöht, gesetzliche Maßnahmen zu ergreifen. 2021 wurde in Deutschland das erste nationale Lieferkettengesetz verabschiedet, das als Vorbild für die EU diente. Die aktuelle Einigung in Brüssel wird jedoch als Rückschritt wahrgenommen, da sie viele der ursprünglich geplanten Maßnahmen aufweicht.
Im Vergleich zu Deutschland, wo das Lieferkettengesetz bereits seit 2023 in Kraft ist und für Unternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeitenden gilt, ist die EU-Version deutlich abgeschwächt. Die Schweiz hingegen hat sich bisher gegen ein solches Gesetz entschieden und setzt auf freiwillige Maßnahmen der Unternehmen. Diese Unterschiede zeigen, wie unterschiedlich die Herangehensweisen innerhalb Europas sind und welche Herausforderungen dies für den Binnenmarkt und den fairen Wettbewerb mit sich bringt.
Für österreichische Unternehmen bedeutet die aktuelle Fassung des Gesetzes vor allem Unsicherheit. Unternehmen, die bereits in verantwortungsvolle Lieferketten investiert haben, könnten sich nun benachteiligt fühlen, da die neuen Regelungen weniger streng sind. Beispielsweise könnte ein Textilunternehmen, das auf nachhaltige Produktion setzt, durch günstigere, weniger verantwortungsvolle Konkurrenz unter Druck geraten. Für die Bürger:innen bedeutet dies, dass Produkte, die unter fragwürdigen Bedingungen hergestellt werden, weiterhin auf dem Markt erhältlich sind, ohne dass die Unternehmen zur Rechenschaft gezogen werden.
Statistiken der Europäischen Kommission zeigen, dass nur etwa 1% der europäischen Unternehmen von der aktuellen Gesetzesfassung betroffen sein werden. Dies steht im krassen Gegensatz zu den ursprünglichen Plänen, die eine Abdeckung von bis zu 50% der Unternehmen vorsahen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind ebenfalls beträchtlich, da Unternehmen, die sich an die strengeren Vorgaben gehalten hätten, nun möglicherweise ihre Investitionen in Frage stellen.
Die Zukunft des Lieferkettengesetzes bleibt ungewiss. Experten prognostizieren, dass der Druck von NGOs und der Zivilgesellschaft auf die EU-Kommission steigen wird, das Gesetz zu überarbeiten. Eine mögliche Verschärfung könnte in den kommenden Jahren erfolgen, insbesondere wenn weitere Skandale die öffentliche Meinung beeinflussen. Für österreichische Unternehmen ist es entscheidend, flexibel zu bleiben und mögliche Änderungen im Auge zu behalten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die aktuelle Einigung zum Lieferkettengesetz ist ein umstrittenes Thema, das weiterhin für Diskussionen sorgen wird. Die österreichische Öffentlichkeit und Unternehmen sollten sich aktiv an der Debatte beteiligen und ihre Stimme erheben, um eine gerechtere und nachhaltigere Wirtschaftsordnung zu fördern. Weitere Informationen und Entwicklungen zu diesem Thema finden Sie auf unserer Webseite.