Am 12. Dezember 2025 wurde in Wien eine bedeutende Vereinbarung getroffen, die die Cybersicherheit in Österreichs Finanzsektor nachhaltig stärken soll. Das Bundesministerium für Inneres (BMI), die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) haben eine Kooperationsvereinbar
Am 12. Dezember 2025 wurde in Wien eine bedeutende Vereinbarung getroffen, die die Cybersicherheit in Österreichs Finanzsektor nachhaltig stärken soll. Das Bundesministerium für Inneres (BMI), die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die weit über eine formale Zusammenarbeit hinausgeht. Diese Initiative ist ein direktes Ergebnis der NIS-2-Richtlinie der Europäischen Union, die eine engere Zusammenarbeit zwischen den nationalen Behörden und dem Finanzsektor fordert, um der zunehmenden Bedrohung durch Cyberkriminalität zu begegnen.
Die NIS-2-Richtlinie, die als Nachfolger der ursprünglichen NIS-Richtlinie (Network and Information Security) fungiert, zielt darauf ab, die Cybersicherheit in der EU zu stärken. Sie fordert von den Mitgliedstaaten, ihre nationalen Cybersicherheitsstrategien zu aktualisieren und die Zusammenarbeit zwischen den Behörden und dem Privatsektor zu intensivieren. Artikel 13 Abs. 4 und 5 der Richtlinie legen besonderen Wert auf den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Behörden und den sogenannten DORA-Behörden, die für die digitale operative Resilienz im Finanzsektor zuständig sind.
Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Institutionen zur Sicherung der Cybersicherheit hat in Österreich eine lange Tradition. Bereits in den frühen 2000er Jahren wurden erste Schritte unternommen, um den Schutz kritischer Infrastrukturen zu gewährleisten. Mit der zunehmenden Digitalisierung und der damit einhergehenden Bedrohung durch Cyberangriffe wurde die Notwendigkeit einer verstärkten Kooperation immer deutlicher. Die Gründung der NIS-Behörde und die Implementierung der ersten NIS-Richtlinie im Jahr 2016 markierten wichtige Meilensteine in der Entwicklung der Cybersicherheitsstrategie Österreichs.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz hat Österreich in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte in der Cybersicherheitskooperation gemacht. Während Deutschland bereits früh auf umfassende nationale Strategien setzte, fokussierte sich die Schweiz auf die Integration von Cybersicherheit in ihre nationale Verteidigungsstrategie. Österreich hingegen legte den Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit zwischen staatlichen Institutionen und dem Finanzsektor, um gezielt auf die spezifischen Bedrohungen dieses Bereichs zu reagieren.
Die verstärkte Kooperation zwischen BMI, FMA und OeNB hat direkte Auswirkungen auf die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger. Durch den verbesserten Informationsaustausch können Cyberbedrohungen schneller erkannt und abgewehrt werden, was das Vertrauen in den österreichischen Finanzsektor stärkt. Ein Beispiel hierfür ist die rasche Reaktion auf Phishing-Angriffe, die sich gezielt gegen Bankkunden richten. Durch die Zusammenarbeit können solche Bedrohungen schneller identifiziert und die betroffenen Banken gewarnt werden, um ihre Kunden zu schützen.
Laut einer Studie der Europäischen Agentur für Cybersicherheit (ENISA) sind die Cyberangriffe in der EU in den letzten fünf Jahren um 67% gestiegen. Österreich verzeichnete im Jahr 2024 über 1.000 schwerwiegende Cybervorfälle, von denen ein erheblicher Teil den Finanzsektor betraf. Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit der getroffenen Maßnahmen und die Notwendigkeit einer verstärkten Kooperation.
FMA-Vorständin Mariana Kühnel betont die Bedeutung der Vereinbarung als mehr als nur einen formalen Akt. Sie sieht darin ein klares Bekenntnis zur Stärkung der Cyberresilienz des Finanzmarkts. OeNB-Direktor Thomas Steiner unterstreicht die Notwendigkeit abgestimmter, institutionenübergreifender Antworten auf die dynamisch wachsenden Cyberbedrohungen.
In den kommenden Jahren wird die Kooperation weiter intensiviert werden. Geplant sind gemeinsame Projekte zur Entwicklung neuer Sicherheitstechnologien und die Durchführung regelmäßiger Simulationen von Cyberangriffen, um die Reaktionsfähigkeit der beteiligten Institutionen zu testen. Zudem soll der Fokus auf die Ausbildung von Fachkräften gelegt werden, um dem Fachkräftemangel im Bereich der Cybersicherheit entgegenzuwirken.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die neue Kooperationsvereinbarung einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Cybersicherheit in Österreich darstellt. Die Bürger können sich sicherer fühlen, während der Finanzsektor besser auf zukünftige Bedrohungen vorbereitet ist. Die Frage bleibt, wie schnell und effektiv diese Maßnahmen in der Praxis umgesetzt werden können.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Webseite des Bundesministeriums für Inneres.