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Klimawandel verändert Skiurlaub: 81% der Wintertouristen sorgen sich

7. April 2026 um 07:59
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Der Klimawandel ist längst in den österreichischen Skigebieten angekommen – und die Gäste merken es deutlich. Eine aktuelle Befragung von Protect Our Winters Austria zeigt: 81 Prozent der Skifahrer...

Der Klimawandel ist längst in den österreichischen Skigebieten angekommen – und die Gäste merken es deutlich. Eine aktuelle Befragung von Protect Our Winters Austria zeigt: 81 Prozent der Skifahrer beschäftigen sich beim Wintersport mit den Auswirkungen des Klimawandels. Die am letzten Februarwochenende 2026 durchgeführte Gondelbefragung im Skigebiet Leogang offenbart einen fundamentalen Wandel im Buchungsverhalten österreichischer und internationaler Wintertouristen.

Schneesicherheit wird zum entscheidenden Buchungsfaktor

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Erhebung, die im Rahmen der "Fokusjahre" der Tourismusdestination Saalfelden-Leogang durchgeführt wurde, sind eindeutig: Für drei Viertel aller befragten Skifahrer (75,5 Prozent) spielt die Schneelage eine zentrale Rolle bei der Wahl ihres Skigebiets. Noch bedeutsamer: Mehr als die Hälfte (51,7 Prozent) würde bei unsicheren Schneebedingungen künftig gezielt Skigebiete mit höherer Schneesicherheit bevorzugen.

Diese Entwicklung stellt eine fundamentale Verschiebung im österreichischen Wintertourismus dar. Während früher primär Faktoren wie Preis, Pistenqualität oder Après-Ski-Angebote die Buchungsentscheidungen prägten, rückt nun die klimabedingte Schneesicherheit in den Vordergrund. Für Tourismusdestinationen in niedrigeren Lagen bedeutet dies eine existenzielle Herausforderung.

Auswirkungen auf verschiedene Höhenlagen

In Österreich zeigen sich bereits heute deutliche Unterschiede zwischen den Skigebieten verschiedener Höhenlagen. Während Gletscherskigebiete wie Hintertux, Kitzsteinhorn oder der Dachstein-Gletscher mit ihrer Höhenlage von über 2.500 Metern noch relativ schneesicher sind, kämpfen Skigebiete unter 1.500 Metern zunehmend mit kürzeren Saisonen und höheren Beschneiungskosten.

Die Schneegrenze steigt kontinuierlich: Lag sie in den 1960er Jahren noch bei etwa 1.200 Metern, befindet sie sich heute durchschnittlich bei 1.400 bis 1.500 Metern. Prognosen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gehen davon aus, dass sie bis 2050 auf 1.700 Meter ansteigen könnte.

Negative Wahrnehmung klimabedingter Veränderungen

Die Studie zeigt deutlich, wie stark die Klimaveränderungen das Skierlebnis beeinträchtigen: 72 Prozent der befragten Gäste nehmen klimabedingte Veränderungen negativ wahr. Besonders der Rückgang von Naturschnee wird als störend empfunden. Die Befragten nennen konkret kürzere Saisonen, schlechtere Schneequalität und eine verstärkte technische Beschneiung als Faktoren, die ihr Skierlebnis beeinflussen.

Der Begriff "Naturschnee" bezeichnet dabei Schnee, der durch natürliche Niederschläge entsteht, im Gegensatz zum "Kunstschnee" aus Schneekanonen. Technische Beschneiung erfordert jedoch spezielle Wetterbedingungen: Temperaturen müssen unter minus zwei Grad Celsius liegen, und die Luftfeuchtigkeit darf nicht zu hoch sein. Bei steigenden Temperaturen wird diese "Beschneiungsgrenze" immer häufiger überschritten.

Veränderte Landschaften prägen das Erlebnis

Neben der reinen Schneeproblematik berichten viele Skifahrer von veränderten Landschaftsbildern. Braune Flecken in weißen Hängen, sichtbare Beschneiungsanlagen und künstlich wirkende Schneedecken prägen zunehmend das Bild österreichischer Skigebiete. Diese "Industrialisierung" der Winterlandschaft wird von vielen Gästen als Verlust der ursprünglichen Bergromantik wahrgenommen.

Positive Resonanz für Klimaschutzmaßnahmen im Skigebiet

Überraschend positiv fällt die Bewertung von Klimaschutzmaßnahmen direkt im Skigebiet aus. Die Befragung zu Windkraftanlagen im Skigebiet zeigt eine bemerkenswerte Offenheit der Gäste: Ein Drittel (33,3 Prozent) empfindet Windräder sogar als positiven Einfluss auf ihr Skierlebnis, weitere 49,3 Prozent stehen dem Thema neutral gegenüber. Nur 17,5 Prozent würden Windkraftanlagen negativ wahrnehmen.

Dieses Ergebnis widerlegt gängige Befürchtungen der Tourismusbranche, dass sichtbare Klimaschutzmaßnahmen das Landschaftsbild und damit die Attraktivität von Skigebieten beeinträchtigen könnten. Stattdessen zeigt sich, dass umweltbewusste Gäste solche Maßnahmen sogar begrüßen.

Schneeunabhängige Angebote gewinnen an Bedeutung

Als Reaktion auf die klimabedingten Herausforderungen gewinnen schneeunabhängige Angebote zunehmend an Bedeutung. Viele österreichische Skigebiete entwickeln bereits heute alternative Winteraktivitäten: Winterwanderwege, Rodelbahnen mit Kunstschnee, Thermenangebote oder Adventmärkte. Diese Diversifikation wird für die Zukunftsfähigkeit vieler Destinationen entscheidend sein.

Wissenschaftliche Methodik und Repräsentativität

Die Gondelbefragung wurde am Wochenende des 28. Februar und 1. März 2026 von 15 ehrenamtlichen Helfern von Protect Our Winters durchgeführt. Die Erhebung erfolgte sowohl über gedruckte Fragebögen als auch digital via QR-Code. Mit einer durchschnittlichen Beantwortungszeit von zwölf Minuten eignete sich die Befragung ideal für die Durchführung während der Gondelfahrt.

Insgesamt nahmen 536 Personen an der Umfrage teil, was bei einer durchschnittlichen Tagesbesucherzahl von etwa 3.000 bis 4.000 Skifahrern in Leogang eine solide Stichprobe darstellt. Die Studie wurde in Kooperation mit Univ.-Prof. Robert Steiger von der Universität Innsbruck konzipiert, einem renommierten Experten für Klimawandel und Tourismus.

Einordnung in internationale Forschung

Die Ergebnisse decken sich mit internationalen Studien zum Klimawandel im Wintertourismus. Untersuchungen aus der Schweiz und Deutschland zeigen ähnliche Trends: Gäste werden zunehmend klimasensibel und passen ihr Buchungsverhalten entsprechend an. In der Schweiz führte dies bereits zu ersten Skigebiets-Schließungen in niedrigen Lagen, während deutsche Mittelgebirge verstärkt auf alternative Winterangebote setzen.

Wirtschaftliche Auswirkungen auf den österreichischen Wintertourismus

Der österreichische Wintertourismus erwirtschaftet jährlich etwa 11,3 Milliarden Euro und beschäftigt direkt und indirekt rund 120.000 Menschen. Die klimabedingten Veränderungen bedrohen diesen wichtigen Wirtschaftszweig erheblich. Besonders betroffen sind Regionen in Ostösterreich und niedrig gelegene Skigebiete in Tirol, Salzburg und der Steiermark.

Gleichzeitig entstehen neue Gewinner: Hochgelegene Skigebiete in Tirol, Vorarlberg und Salzburg profitieren von der zunehmenden Konzentration auf schneesichere Destinationen. Diese Verschiebung verstärkt regionale Disparitäten und zwingt betroffene Gebiete zu kostspieligen Anpassungsmaßnahmen oder kompletten Strategiewechseln.

Investitionen in Beschneiungsanlagen explodieren

Die Kosten für technische Beschneiung steigen exponentiell: Eine moderne Beschneiungsanlage kostet zwischen 100.000 und 150.000 Euro pro Hektar Pistenfläche. Zusätzlich entstehen jährliche Betriebskosten von 3.000 bis 5.000 Euro pro Hektar. Bei steigenden Energiepreisen und häufigeren Perioden mit ungünstigen Beschneiungsbedingungen wird diese Investition zunehmend unwirtschaftlich.

Strategische Anpassungen der Tourismusbranche

Die Befragungsergebnisse fließen direkt in die strategische Tourismusentwicklung ein. POW Austria beteiligt sich aktiv an der Entwicklung der "Vision T" für den österreichischen Tourismus. Diese nationale Tourismusstrategie soll den Sektor klimafit und nachhaltig gestalten.

Die "Vision T" umfasst konkrete Maßnahmen zur CO2-Reduktion, zum Ausbau erneuerbarer Energien in Tourismusbetrieben und zur Entwicklung klimaresilienter Angebote. Bis 2030 soll der österreichische Tourismus klimaneutral werden – ein ambitioniertes Ziel, das massive Investitionen und Strukturveränderungen erfordert.

Regionale Unterschiede in der Anpassungsstrategie

Während Tirol und Vorarlberg primär auf den Ausbau hochgelegener Skigebiete und Gletschertourismus setzen, entwickeln östliche Bundesländer verstärkt alternative Winterkonzepte. Niederösterreich und die Steiermark investieren beispielsweise in Thermentourismus, Wellnessangebote und kulturelle Winterveranstaltungen.

Internationale Vergleiche und Wettbewerbsposition

Im Vergleich zu anderen Alpenländern steht Österreich vor ähnlichen Herausforderungen. Die Schweiz reagiert bereits mit gezielten Skigebietszusammenschlüssen und Investitionen in höhere Lagen. Frankreich setzt verstärkt auf Gletscherskigebiete in den französischen Alpen, während Italien besonders in Südtirol von seiner günstigen geografischen Lage profitiert.

Deutschland als wichtigster Quellmarkt für österreichische Skigebiete zeigt ebenfalls veränderte Reisegewohnheiten: Deutsche Wintersportler buchen zunehmend kurzfristig und flexible, um auf aktuelle Schneeverhältnisse reagieren zu können. Dies erschwert die Planungssicherheit für österreichische Tourismusbetriebe erheblich.

Zukunftsperspektiven und Prognosen

Die Studienergebnisse werden am 15. April 2026 bei der öffentlichen Veranstaltung "Tourismus im Wandel: Was bringt Klimaschutz wirklich?" in Saalfelden präsentiert. Diese Veranstaltung markiert den Beginn einer intensiveren Auseinandersetzung mit den klimabedingten Herausforderungen im österreichischen Wintertourismus.

Experten prognostizieren eine weitere Verschärfung der Situation: Bis 2050 könnten 30 bis 50 Prozent der heute betriebenen österreichischen Skigebiete ihre Rentabilität verlieren. Gleichzeitig entstehen neue Chancen für innovative Tourismuskonzepte, nachhaltige Mobilität und ganzjährige Bergtourismus-Angebote.

Die Transformation des österreichischen Wintertourismus hat bereits begonnen. Skigebiete, die frühzeitig in Klimaschutzmaßnahmen und alternative Angebote investieren, werden langfristig erfolgreicher sein. Die Gondelbefragung in Saalfelden-Leogang zeigt dabei deutlich: Gäste sind bereit für diesen Wandel – sie erwarten ihn sogar. Entscheidend wird sein, wie schnell und konsequent die Tourismusbranche diese Signale aufgreift und in nachhaltige Strategien umsetzt.

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