Österreich steht vor einer großen Herausforderung: Die Harmonisierung der Standards in der Kinder- und Jugendhilfe (KJH) lässt weiter auf sich warten. Der Dachverband Österreichischer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen (DÖJ) hat die Bundesregierung erneut an ihre Zusage erinnert, einheitliche Qual
Österreich steht vor einer großen Herausforderung: Die Harmonisierung der Standards in der Kinder- und Jugendhilfe (KJH) lässt weiter auf sich warten. Der Dachverband Österreichischer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen (DÖJ) hat die Bundesregierung erneut an ihre Zusage erinnert, einheitliche Qualitätsstandards einzuführen. Die Ungleichheiten in der Jugendhilfe zwischen den Bundesländern sind frappierend und werfen ein düsteres Licht auf die aktuelle Situation.
Ein Blick auf die aktuelle Statistik von 2024 zeigt, wie unterschiedlich Kinder und Jugendliche je nach Bundesland unterstützt werden. In Kärnten beispielsweise werden fast dreimal so viele Kinder ambulant betreut (4,4%) wie in Oberösterreich (1,7%). In Wien sind doppelt so viele Kinder fremduntergebracht (1,2%) im Vergleich zu Oberösterreich (0,6%). Diese Zahlen offenbaren die gravierenden Unterschiede und die Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung.
Der jüngste Bericht des Rechnungshofs kritisiert ebenfalls die massiven Unterschiede zwischen den Ländern und fordert österreichweit gültige Regelungen. Dieser Bericht unterstreicht die Forderungen des DÖJ und zeigt auf, dass die Harmonisierung der Standards nicht nur eine Forderung der Jugendhilfe selbst ist, sondern auch von unabhängiger Seite als notwendig erachtet wird.
Die Kinder- und Jugendhilfe in Österreich ist seit Langem unter Druck. Präventive Angebote wurden in den letzten Jahren immer weiter gekürzt, und die Hilfen setzen oft zu spät ein. Diese Entwicklungen führen dazu, dass die KJH nicht mehr nachhaltig agieren kann. Der DÖJ warnt eindringlich: „Wer in der Jugendhilfe spart, zahlt bald doppelt!“
Im Regierungsprogramm wurde die Prüfung einer zusätzlichen Bundesfinanzierung für die KJH angekündigt, doch bisher ist nichts geschehen. Diese Untätigkeit führt zu wachsender Frustration bei den Betroffenen und den Verantwortlichen der Jugendhilfe. Der DÖJ fordert nun Taten statt Worte und betont, dass Kinderrechte kein Zukunftsprojekt sind, sondern heute umgesetzt werden müssen.
Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind nicht nur in den Statistiken sichtbar, sondern auch in der Realität der Betroffenen. In Vorarlberg werden Pflegefamilien fast doppelt so oft für die Fremdunterbringung herangezogen wie im Burgenland. Junge Menschen, die mit 18 Jahren aus der KJH entlassen werden, erhalten in Kärnten intensive Begleitung, während sie in anderen Bundesländern weitgehend allein gelassen werden.
Der DÖJ-Obmann Herowitsch-Trinkl fordert dringend die Harmonisierung der KJH-Standards. Solange diese nur auf dem Papier existieren, profitieren die Kinder und Jugendlichen nicht davon. Die Politik muss den Startschuss für Veränderungen geben, und das im Dialog mit Fachkräften und ihrem Dachverband.
Die nächsten Schritte sind entscheidend: Nächste Woche ist ein Gespräch zur KJH im Bundeskanzleramt vorgesehen. Hier wird sich zeigen, ob die Politik bereit ist, die notwendigen Schritte einzuleiten. Die Harmonisierung der Standards könnte nicht nur die Qualität der Betreuung verbessern, sondern auch die Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche in ganz Österreich erhöhen.
Die aktuelle Situation in der Kinder- und Jugendhilfe ist ein Weckruf für die Politik. Die Ungleichheiten zwischen den Bundesländern sind nicht länger hinnehmbar. Ein einheitlicher Standard könnte nicht nur die Effizienz der Hilfsmaßnahmen verbessern, sondern auch das Vertrauen in die Jugendhilfe stärken.
Der DÖJ bekräftigt seine Bereitschaft, Expertise und Erfahrung aktiv einzubringen. Entscheidend ist jedoch, dass die Politik den Startschuss gibt: „Kinderrechte sind kein Zukunftsprojekt – sie müssen heute umgesetzt werden.“