Am 100. Geburtstag der Widerstandskämpferin Käthe Sasso versammelten sich gestern Abend in der Volkshochschule Favoriten prominente Politiker, Bildungsexperten und Historiker zu einem besonderen Anlass.
Am 100. Geburtstag der Widerstandskämpferin Käthe Sasso versammelten sich gestern Abend in der Volkshochschule Favoriten prominente Politiker, Bildungsexperten und Historiker zu einem besonderen Anlass: Das zweite Käthe-Sasso-Symposium widmete sich den Themen Rechtsextremismus, der Bewahrung demokratischer Werte und der Bedeutung von Zivilcourage. Was als Gedenken an eine prägende Persönlichkeit begann, entwickelte sich zu einer Mahnung vor aktuellen Gefahren für Demokratie und Zusammenhalt.
Wolfgang Markytan, SPÖ-Bundesbildungsgeschäftsführer, brachte bei der Eröffnung das Leitmotiv auf den Punkt: „Die Menschen zum Denken zu bringen, zum Sehen und Hören zu bringen, das ist unsere Aufgabe.“ Vizebürgermeisterin Kathrin Gaal eröffnete das Symposium mit einem Blick auf Favoriten als traditionsreichen Bezirk der Arbeiter:innenbewegung. Sie erinnerte an die Geschichte des Roten Wien und hob insbesondere Errungenschaften im Wohnbau hervor. Gleichzeitig warnte sie vor aktuellen demokratiepolitischen Herausforderungen wie wachsendem Antisemitismus und rechtsextremen Ideologien und würdigte Käthe Sasso als prägende Persönlichkeit der Erinnerungskultur.
Petra Bayr unterstrich die Aktualität der drei zentralen Themen des Symposiums: Erinnerungskultur, Zivilcourage und Demokratie. Sie betonte, wie wichtig es sei, die Erfahrungen von Zeitzeug:innen so zu vermitteln, dass sie für kommende Generationen verständlich und erlebbar bleiben, und sprach die Frage nach neuen Formen von Zivilcourage angesichts von Hass im digitalen Raum an.
In der Gesprächsrunde „Wer war Käthe Sasso?“ zeichneten Brigitte Fenko, ORF-Mitarbeiterin a.D. und langjährige Lebensfreundin von Käthe Sasso, sowie Dr.in Karin Moser, Medienhistorikerin und stellvertretende Direktorin der Wiener Bildungsakademie, ein Bild der Nachkriegszeit. Sie zeigten, wie die anfängliche Entnazifizierung rasch in den Hintergrund trat und der sogenannte Opfermythos zur Verdrängung beitrug. Überlebende wurden häufig marginalisiert und zum Schweigen gedrängt. Käthe Sasso blieb standhaft, berichtete öffentlich und setzte sich für Aufklärung ein.
Mag.a Nina Abrahamczik sowie Nikolaus Kunrath widmeten sich den „Herausforderungen der Erinnerungskultur“. Dabei wurde deutlich, dass Erinnerung kein statischer Zustand ist, sondern ein aktiver gesellschaftlicher Prozess. Besonders wichtig sei es, auch bisher wenig sichtbare Opfergruppen einzubeziehen und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse zu fördern.
Christa Bauer, MAS, Geschäftsführerin des Mauthausen Komitees Österreich, sowie Mag.a Marie Lercher betonten die zentrale Rolle von Zivilcourage als Vermächtnis der Überlebenden und als Auftrag für die Gegenwart. Bildungsarbeit, Engagement und persönliches Handeln seien entscheidend, um demokratische Werte zu sichern.
In einer Videobotschaft würdigte Salzburger Landeshauptfrau Mag.a Karoline Edtstadler Käthe Sasso als außergewöhnliche Persönlichkeit, hob deren Mut und Menschlichkeit hervor und unterstrich die Verantwortung, dieses Vermächtnis weiterzutragen.
In der abschließenden Gesprächsrunde diskutierten Dr. Herbert Lackner sowie Prof. Dr. Gerhard Schmid über aktuelle Gefährdungen der Demokratie. Schmid betonte, dass Demokratie kein Selbstläufer sei, sondern aktiv gestaltet werden müsse: „Demokratie muss ständig in Bewegung gehalten und aktiv verteidigt werden.“ Er warnte zudem vor einer Verbindung von wirtschaftlicher Macht und politischem Einfluss und forderte verstärkte Bildungsarbeit sowie einen breiten gesellschaftlichen Schulterschluss.
Das Symposium machte deutlich: Erinnerung, Zivilcourage und Demokratie sind untrennbar miteinander verbunden. In einer Zeit wachsender Herausforderungen braucht es Engagement, Bildung und Zusammenhalt. Käthe Sasso bleibt dabei eine zentrale Orientierung – als Mahnerin, als Vorbild und als Auftrag für kommende Generationen.
Abschließend wurde zum weiteren Austausch eingeladen.
Ein besonderer Dank gilt den Mitwirkenden und Partnerorganisationen – darunter die SPÖ-Bildung, die Wiener SPÖ-Bildung, das Karl-Renner-Institut und die Wiener Bildungsakademie – und allen Unterstützer:innen hinter den Kulissen sowie Kurt Brazda, der seinen Film im Auftrag des WIFAR umgesetzt hat: https://www.film.at/erschlagt-mich-ich-verrate-nichts-kaethe-s