Europa steht an einem kritischen Wendepunkt: Während China und die USA den weltweiten Wettbewerb um Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz und Halbleiter dominieren, droht der alte Kontinent den Anschluss zu verlieren.
Europa steht an einem kritischen Wendepunkt: Während China und die USA den weltweiten Wettbewerb um Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz und Halbleiter dominieren, droht der alte Kontinent den Anschluss zu verlieren. Diese Einschätzung lieferte Jake Sullivan, der ehemalige nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, am Donnerstag bei seinem Besuch im Wiener Haus der Industrie.
„Wir befinden uns in einer Phase intensiven strategischen Wettbewerbs, in der sich entscheidet, wer bei Schlüsseltechnologien wie künstlicher Intelligenz und Halbleitern die Führung übernimmt, und damit auch die Regeln der internationalen Ordnung prägt. Dieser Wettbewerb ist nicht ausschließlich militärisch, sondern vor allem wirtschaftlich und technologisch. Gleichzeitig geht es nicht um eine reine Nullsummenlogik: Die Herausforderung besteht darin, Wettbewerb zu managen, ohne in offene Konfrontation abzugleiten. Genau deshalb sind starke Allianzen heute entscheidender denn je. Für Europa bedeutet das, seine eigene technologische und wirtschaftliche Basis gezielt zu stärken und als aktiver Partner in dieser neuen Phase geopolitischer Konkurrenz aufzutreten.“, sagte Sullivan laut Veranstaltungsbericht.
F. Peter Mitterbauer, IV-Vizepräsident, sagte: „Europa hat Sicherheit über lange Zeit zu eng gefasst und primär wirtschaftlich interpretiert. Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen zeigen jedoch deutlich, dass wirtschaftliche, technologische und militärische Resilienz zusammengedacht werden müssen. Gleichzeitig sehen wir eine zunehmende Fragmentierung globaler Märkte und eine stärkere Politisierung von Handel und Investitionen. Europa muss seine Rolle in der Welt neu definieren mit einer aktiven Außenwirtschaftspolitik, die wirtschaftliche Stärke, Versorgungssicherheit und geopolitische Interessen gleichermaßen berücksichtigt. Dazu gehört auch der gezielte Schutz strategisch relevanter Technologien und Infrastrukturen.“
Oberbank Vorstandsdirektor Martin Seiter: „Die Oberbank hat heute das Ergebnis 2025 präsentiert. Im Firmenkreditgeschäft sind wir doppelt so stark gewachsen wie der österreichische Gesamtmarkt und wir sind auch sehr stark ins heurige Jahr gestartet. Die Kreditnachfrage ist grundsätzlich ein verlässlicher Indikator für das Wirtschaftswachstum, das darf uns aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Unternehmen vorwiegend in (Energie-)Effizienz und Automatisierung investieren, große Kapazitätsausweitungen fehlen seit Jahren. Im Lichte der aktuellen geopolitischen Verwerfungen ist Sicherheit das Top-Thema. Die Verteidigungsbudgets steigen stark. Damit auch unsere heimische Wirtschaft von diesen Ausgaben profitiert, braucht es klare Rahmenbedingungen und Rechtssicherheit für Unternehmen genauso wie für uns finanzierende Banken.“
Jake Sullivan war der 28. Assistent des Präsidenten für nationale Sicherheitsangelegenheiten (nationaler Sicherheitsberater) und bekleidete dieses Amt während der gesamten vierjährigen Amtszeit der Biden-Regierung. In der Obama-Regierung war er als stellvertretender Assistent des Präsidenten und nationaler Sicherheitsberater des damaligen Vizepräsidenten Biden, als Direktor des Stabs für Politikplanung im US-Außenministerium sowie als stellvertretender Stabschef von Außenministerin Hillary Clinton tätig. Während der Wiener Verhandlungen zum iranischen Atomabkommen 2015 spielte Sullivan eine führende Rolle in den Vorgesprächen und auf dem Weg zum Abschluss des Abkommens. Im Zuge der Wiener Verhandlungen ab 2021 koordinierte er als Nationaler Sicherheitsberater die strategische Ausrichtung der US-Politik.
In den Jahren zwischen der Obama- und der Biden-Regierung war Sullivan Senior Fellow bei der Carnegie Endowment for International Peace, wo er eine Reihe von Artikeln über die Zukunft der amerikanischen nationalen Sicherheit und Wirtschaftspolitik verfasste. Er war an der Konzeption und Gestaltung eines überparteilichen Projekts zu einem neuen Ansatz in der internationalen Wirtschaftspolitik beteiligt, das als „Außenpolitik für die Mittelschicht“ bekannt ist. Außerdem hatte er Lehraufträge an der Yale Law School, am Dartmouth College und an der University of New Hampshire inne. Und er war als leitender politischer Berater in Joe Bidens Präsidentschaftskampagne 2020 tätig.
Mit dem IV-Veranstaltungsformat „Impulse vom Schwarzenbergplatz“ wird ein Rahmen zur Diskussion zukunftsrelevanter Themen geschaffen. Eingeladen werden hochkarätige Persönlichkeiten aus aller Welt, um Impulse zu geben und Austausch zu schaffen. Den Auftakt machte Anders Fogh Rasmussen, ehemaliger Premierminister und NATO-Generalsekretär, gefolgt von der ehemaligen finnischen Premierministerin Sanna Marin.
Fotos (Copyright: IV) der Veranstaltung finden Sie HIER.