Zurück
Wirtschaft

IT-Verhandlungen scheitern: Betriebsversammlungen in Österreich

3. Dezember 2025 um 16:42
Teilen:

Am 3. Dezember 2025 endete die dritte Verhandlungsrunde für die über 90.000 Beschäftigten der IT-Branche in Österreich erneut ohne Ergebnis. Trotz einer überdurchschnittlich guten Entwicklung der IT-Branche im Vergleich zur Gesamtwirtschaft, weigern sich die Arbeitgeber, die Ist-Gehälter anzuheben.

Am 3. Dezember 2025 endete die dritte Verhandlungsrunde für die über 90.000 Beschäftigten der IT-Branche in Österreich erneut ohne Ergebnis. Trotz einer überdurchschnittlich guten Entwicklung der IT-Branche im Vergleich zur Gesamtwirtschaft, weigern sich die Arbeitgeber, die Ist-Gehälter anzuheben. Stattdessen bieten sie lediglich eine Erhöhung der Mindestgehälter um 1,9 Prozent an. Diese Haltung stößt bei der Gewerkschaft GPA auf scharfe Kritik, und als Reaktion darauf werden nun Betriebsversammlungen in ganz Österreich organisiert.

Hintergründe der Verhandlungen

Die IT-Branche in Österreich hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Während viele Sektoren mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu kämpfen hatten, konnte die IT-Branche ein stabiles Wachstum verzeichnen. Diese positive Entwicklung wird jedoch nicht in den aktuellen Gehaltsverhandlungen reflektiert. Die Gewerkschaft GPA, vertreten durch Verhandlungsleiterin Sandra Steiner, kritisiert das Angebot der Arbeitgeber als unzureichend und nicht an die Realität angepasst.

Fachbegriffe erklärt

Ein entscheidender Begriff in diesen Verhandlungen ist das 'Ist-Gehalt'. Es bezeichnet das tatsächliche Gehalt, das ein Arbeitnehmer erhält, im Gegensatz zum 'Mindestgehalt', das den gesetzlich oder tariflich festgelegten untersten Gehaltsbetrag darstellt. Eine Erhöhung der Ist-Gehälter bedeutet, dass alle Beschäftigten von einer Gehaltserhöhung profitieren würden, während eine Erhöhung der Mindestgehälter nur die Gehälter der am niedrigsten bezahlten Beschäftigten betrifft.

Vergleich mit anderen Ländern

Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass ähnliche Verhandlungen auch in Deutschland und der Schweiz geführt werden. In Deutschland haben die IT-Beschäftigten kürzlich eine Gehaltserhöhung von 3 Prozent erwirkt, während in der Schweiz die Gehälter in der IT-Branche traditionell höher sind, was auf die starke Nachfrage und die hohe Lebenshaltungskosten zurückzuführen ist. Diese internationalen Vergleiche verdeutlichen, dass die österreichischen IT-Beschäftigten im europäischen Kontext unterdurchschnittlich bezahlt werden.

Auswirkungen auf die Beschäftigten

Die Auswirkungen der ergebnislosen Verhandlungen sind für die Beschäftigten erheblich. Viele fühlen sich in ihrer Arbeit nicht ausreichend wertgeschätzt, was zu einer sinkenden Motivation und einer erhöhten Fluktuation führen kann. Ein Beispiel ist ein IT-Techniker aus Wien, der anonym bleiben möchte: 'Ich habe das Gefühl, dass meine Arbeit nicht gewürdigt wird. Die Inflation frisst meine Gehaltserhöhung auf, und es bleibt kaum etwas übrig, um die steigenden Lebenshaltungskosten zu decken.' Solche Stimmen sind in der Branche keine Seltenheit.

Zahlen und Fakten

Die aktuelle Inflationsrate in Österreich beträgt 2,5 Prozent, was bedeutet, dass die angebotene Gehaltserhöhung von 1,9 Prozent nicht einmal die Inflation ausgleicht. Dies führt zu einem realen Einkommensverlust für die Beschäftigten. Laut einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO ist die IT-Branche in Österreich seit 2020 um durchschnittlich 4 Prozent pro Jahr gewachsen, was die Forderungen der Gewerkschaft nach einer angemessenen Gehaltserhöhung zusätzlich untermauert.

Zukunftsperspektive

Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 18. Dezember angesetzt. Bis dahin sollen die Betriebsversammlungen den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Die Gewerkschaft hofft, dass die Arbeitgeber bis dahin ein verbessertes Angebot vorlegen werden. Sollte dies nicht der Fall sein, könnten weitere Maßnahmen, wie Streiks, nicht ausgeschlossen werden. Die kommenden Wochen werden entscheidend dafür sein, ob eine Einigung erzielt werden kann, die den Beschäftigten eine faire Entlohnung sichert.

Insgesamt zeigt der aktuelle Konflikt, wie wichtig es ist, die Interessen der Beschäftigten ernst zu nehmen und ihnen eine Stimme zu geben. Die IT-Branche wird auch in Zukunft eine tragende Rolle in der österreichischen Wirtschaft spielen, und eine faire Entlohnung ist ein entscheidender Faktor, um qualifizierte Fachkräfte zu halten.

Bleiben Sie über die Entwicklungen informiert und besuchen Sie unsere Website für weitere Informationen zu den Verhandlungen und deren Auswirkungen auf die österreichische IT-Branche.

Schlagworte

#Betriebsversammlungen#Gewerkschaft GPA#Inflation#IST-Gehälter#IT-Verhandlungen#Mindestgehälter#Österreich

Weitere Meldungen

OTS
KV

Kollektivvertrag Chemie: 50.000 Beschäftigte fordern mehr Lohn

24. März 2026
Lesen
OTS
KV

Chemie-Kollektivvertragsverhandlungen: 50.000 Beschäftigte warten auf Lohnerhöhung

24. März 2026
Lesen
OTS
Wirtschaft

Österreich und Südkorea schmieden strategische Technologie-Allianz

24. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen