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Hebammenkongress 2026: Eisenstadt wird zum Zentrum der Geburtshilfe

8. April 2026 um 10:22
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Das Burgenland rückt im April 2026 in den Mittelpunkt der österreichischen Geburtshilfe: Vom 21. bis 23. April verwandelt sich das Kultur Kongress Zentrum Eisenstadt in einen Schauplatz für Innovat

Das Burgenland rückt im April 2026 in den Mittelpunkt der österreichischen Geburtshilfe: Vom 21. bis 23. April verwandelt sich das Kultur Kongress Zentrum Eisenstadt in einen Schauplatz für Innovationen, Diskussionen und zukunftsweisende Entwicklungen in der Hebammenarbeit. Rund 450 Hebammen und Fachexperten aus ganz Österreich werden erwartet – ein Ereignis, das weit über die Landesgrenzen hinaus Beachtung finden wird.

Nachhaltigkeit als Leitgedanke der modernen Geburtshilfe

Der Hebammenkongress 2026 steht unter dem visionären Motto „Zukunft gestalten" und setzt dabei einen besonderen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit. „Nachhaltigkeit neu denken. Die Welt achten." – diese Leitsätze prägen das gesamte Programm und spiegeln einen Paradigmenwechsel in der Hebammenarbeit wider. Der Kongress wird vom Österreichischen Hebammengremium Landesgeschäftsstelle Burgenland veranstaltet und positioniert sich als wichtiger Impulsgeber für die Zukunft der Geburtshilfe in Österreich.

Mag.a (FH) Beate Kayer, Leiterin des Kongressteams 2026 für das ÖHG Burgenland und Studiengangsleiterin an der Hochschule Burgenland, bringt die Philosophie des Kongresses auf den Punkt: „Hebammen stehen in ihren Tätigkeitsfeldern ständig an der Schwelle von Gegenwart und Zukunft. Genau diese Verantwortung soll sich am Hebammenkongress 2026 auch auf gesellschaftlicher Ebene widerspiegeln."

Was bedeutet Nachhaltigkeit in der Geburtshilfe?

Nachhaltigkeit in der Geburtshilfe umfasst weit mehr als umweltfreundliche Praktiken. Es geht um einen ganzheitlichen Ansatz, der ökologische, soziale und ökonomische Aspekte miteinander verknüpft. Nachhaltige Geburtshilfe bedeutet beispielsweise die Reduktion medizinischer Interventionen auf das notwendige Maß, die Verwendung umweltschonender Materialien bei Geburten, die Förderung des Stillens als natürlichste Form der Säuglingsernährung und die Stärkung der Eigenverantwortung werdender Eltern.

Im Kontext der Hebammenarbeit bedeutet Nachhaltigkeit auch die kontinuierliche Betreuung von Frauen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett durch eine vertraute Bezugsperson – ein Konzept, das international als „Continuity of Care" bekannt ist. Studien zeigen, dass diese Form der Betreuung nicht nur zu besseren gesundheitlichen Outcomes für Mutter und Kind führt, sondern auch kostengünstiger ist als die fragmentierte Betreuung durch wechselnde Fachkräfte.

Historische Entwicklung der Hebammenarbeit in Österreich

Die österreichische Hebammenlandschaft hat in den letzten Jahrzehnten einen grundlegenden Wandel durchlaufen. Während noch in den 1970er Jahren die meisten Geburten zu Hause oder in kleinen Geburtshäusern stattfanden, verlagerte sich die Geburtshilfe zunehmend in Krankenhäuser. Diese Medikalisierung der Geburt brachte zwar eine erhöhte Sicherheit mit sich, führte aber auch zu einem Verlust der natürlichen Geburtserfahrung.

In den 1990er Jahren begann ein Umdenken: Hebammen erkämpften sich wieder mehr Autonomie in ihrer Arbeit, Geburtshäuser entstanden als Alternative zu Krankenhaushäusern, und die Hausgeburt erlebte eine Renaissance. Heute arbeiten in Österreich rund 2.400 Hebammen, davon etwa 60 Prozent freiberuflich. Die Ausbildung wurde 2006 auf Fachhochschul-Niveau angehoben, was die Professionalisierung des Berufsstandes weiter vorantrieb.

Interprofessionalität als Schlüssel zur optimalen Versorgung

Ein zentrales Thema des Kongresses ist die Interprofessionalität in der Geburtshilfe – ein Fachbegriff, der die Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsberufe zum Wohl der Patientinnen beschreibt. In der modernen Geburtshilfe arbeiten Hebammen eng mit Gynäkologen, Anästhesisten, Neonatologen, Physiotherapeuten und anderen Fachkräften zusammen.

Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist besonders bei Risikogeburten essentiell, aber auch bei normalen Geburten von großer Bedeutung. Studien zeigen, dass eine gut funktionierende Interprofessionalität die Patientensicherheit erhöht, die Zufriedenheit der Frauen steigert und gleichzeitig die Arbeitsbelastung der einzelnen Berufsgruppen reduziert.

Evidenzbasierte Praxis in der Hebammenarbeit

Evidenzbasierte Praxis ist ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses und bezeichnet die Anwendung wissenschaftlich fundierter Methoden in der Hebammenarbeit. Dieser Ansatz kombiniert die beste verfügbare wissenschaftliche Evidenz mit der klinischen Expertise der Hebamme und den Wünschen und Werten der betreuten Frau.

Ein Beispiel für evidenzbasierte Praxis ist die Verwendung von Gebärpositionen: Während früher die Rückenlage als Standard galt, zeigen aktuelle Studien, dass aufrechte Gebärpositionen den Geburtsverlauf verkürzen, die Schmerzwahrnehmung reduzieren und das Risiko für Geburtsverletzungen verringern können. Moderne Kreißsäle sind daher mit Gebärhocker, Gebärwanne und anderen Hilfsmitteln ausgestattet, die verschiedene Gebärpositionen ermöglichen.

Gesellschaftliche Herausforderungen in der Hebammenarbeit

Der Kongress widmet sich auch gesellschaftlichen Fragen wie Armut, Flucht und sozialer Gerechtigkeit. Diese Themen sind für Hebammen von großer Relevanz, da sie häufig mit Frauen arbeiten, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden. Geflüchtete Frauen beispielsweise haben oft keinen Zugang zu adäquater Schwangerenvorsorge, sprechen die Landessprache nicht und sind mit dem Gesundheitssystem nicht vertraut.

Armut während der Schwangerschaft kann zu Mangelernährung, erhöhtem Stress und unzureichender Vorsorge führen. Hebammen sind oft die ersten Ansprechpartnerinnen für diese Frauen und spielen eine wichtige Rolle bei der Vermittlung zu anderen Unterstützungsangeboten. Der Kongress will Strategien entwickeln, wie die Hebammenarbeit zu mehr sozialer Gerechtigkeit beitragen kann.

Selbstbestimmung versus Medikalisierung

Ein zentraler Diskussionspunkt ist das Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung der Frauen und der zunehmenden Medikalisierung der Geburt. Während medizinische Fortschritte die Sicherheit von Mutter und Kind erhöht haben, führen sie teilweise auch zu unnötigen Interventionen. Die Kaiserschnittrate in Österreich liegt bei etwa 30 Prozent, deutlich über der von der WHO empfohlenen Rate von 10-15 Prozent.

Hebammen spielen eine wichtige Rolle dabei, Frauen über ihre Optionen zu informieren und sie dabei zu unterstützen, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen. Dies erfordert eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Hebamme und Frau sowie eine umfassende Aufklärung über Nutzen und Risiken verschiedener Interventionen.

Das Burgenland als Gastgeber

Die Wahl des Burgenlandes als Austragungsort ist kein Zufall. Das östlichste Bundesland Österreichs hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Standort für Gesundheitsbildung entwickelt. Die Fachhochschule Burgenland bietet seit 2006 den Bachelorstudiengang Hebamme an und ist eine von nur vier Ausbildungsstätten für Hebammen in Österreich.

Eisenstadt, die Landeshauptstadt des Burgenlandes, bietet mit dem Kultur Kongress Zentrum moderne Infrastruktur für Großveranstaltungen. Das Zentrum verfügt über einen Hauptsaal mit 1.200 Plätzen sowie mehrere Seminarräume für parallele Workshops. Die Nähe zur Fachhochschule Burgenland ermöglicht es, den Pre-Kongress direkt am Campus abzuhalten, was den Austausch zwischen Studierenden und erfahrenen Hebammen fördert.

Regionale Besonderheiten und kultureller Rahmen

Das Burgenland zeichnet sich durch eine besondere Mischung aus österreichischer und pannonischer Kultur aus. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Hebammenarbeit wider, da viele Hebammen mit Familien unterschiedlicher kultureller Hintergründe arbeiten. Der Kongress nutzt diese Vielfalt als Bereicherung und will interkulturelle Kompetenzen in der Hebammenarbeit stärken.

Die Abendveranstaltung verbindet fachlichen Austausch mit regionaler Kultur: Marcus Wieschhoff, Studiengangsleiter des Masterstudiengangs Wine & Food Marketing an der Hochschule Burgenland, wird regionale Weinkultur mit wissenschaftlichem Zukunftsdenken verknüpfen. Diese Kombination aus Fachlichkeit und Genuss ist charakteristisch für die burgenländische Gastfreundschaft.

Praktische Auswirkungen für schwangere Frauen

Die Ergebnisse und Diskussionen des Kongresses werden direkten Einfluss auf die Betreuung schwangerer Frauen in ganz Österreich haben. Wenn Hebammen neue evidenzbasierte Methoden erlernen, profitieren davon alle Frauen, die von diesen Hebammen betreut werden. Ein Beispiel ist die Anwendung von Akupunktur während der Geburt: Studien zeigen, dass Akupunktur Wehenschmerzen lindern und die Geburtsdauer verkürzen kann. Hebammen, die diese Methode erlernen, können sie ihren Klientinnen anbieten und so zu einer natürlicheren Geburtserfahrung beitragen.

Auch die Diskussionen über Nachhaltigkeit werden konkrete Auswirkungen haben: Viele Geburtskliniken überdenken bereits ihren Umgang mit Einwegmaterialien, führen nachhaltige Alternativen ein und reduzieren ihren ökologischen Fußabdruck. Für werdende Eltern bedeutet dies eine umweltfreundlichere Geburtserfahrung und oft auch kostengünstigere Alternativen.

Vernetzung und Wissenstransfer

Ein wichtiger Aspekt des Kongresses ist die Vernetzung der Hebammen untereinander. Freiberufliche Hebammen arbeiten oft isoliert und haben wenig Gelegenheit zum fachlichen Austausch. Der Kongress bietet die Möglichkeit, Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsam Lösungen für berufliche Herausforderungen zu entwickeln.

Dieser Wissenstransfer ist besonders wichtig in ländlichen Gebieten, wo Hebammen oft die einzigen Geburtshilfeexpertinnen vor Ort sind. Durch die Vernetzung können auch abgelegene Regionen von neuesten Entwicklungen in der Hebammenarbeit profitieren.

Zukunftsperspektiven der Hebammenarbeit

Der Kongress will nicht nur aktuelle Entwicklungen diskutieren, sondern auch die Zukunft der Hebammenarbeit gestalten. Demografische Veränderungen, wie die sinkende Geburtenrate in Österreich, stellen die Geburtshilfe vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig steigt das Durchschnittsalter von Erstgebärenden, was zu mehr Risikogeburten führt und eine intensivere Betreuung erfordert.

Digitale Technologien werden auch in der Hebammenarbeit eine größere Rolle spielen: Telemedizin ermöglicht es bereits heute, Schwangere in abgelegenen Gebieten zu betreuen, Apps helfen bei der Dokumentation von Schwangerschaftsverläufen, und Wearables können kontinuierlich Vitalparameter überwachen. Der Kongress will Hebammen dabei unterstützen, diese Technologien sinnvoll in ihre Arbeit zu integrieren, ohne dabei den persönlichen Kontakt zu vernachlässigen.

Ein weiterer Zukunftstrend ist die Präzisionsmedizin in der Geburtshilfe: Durch genetische Tests und Biomarker können Risiken für Schwangerschaftskomplikationen früher erkannt und individuell angepasste Betreuungskonzepte entwickelt werden. Hebammen werden eine wichtige Rolle dabei spielen, diese komplexen Informationen für Frauen verständlich zu machen und sie bei Entscheidungen zu unterstützen.

Internationale Vergleiche und Best Practices

Österreich kann sich bei der Weiterentwicklung der Hebammenarbeit an internationalen Vorbildern orientieren. In den Niederlanden beispielsweise finden noch immer etwa 30 Prozent aller Geburten zu Hause statt, und die Hebammenbetreuung ist vollständig in das Gesundheitssystem integriert. Das Vereinigte Königreich hat mit dem „Better Births"-Programm die kontinuierliche Hebammenbetreuung als Standard eingeführt und dadurch bessere Outcomes bei gleichzeitig niedrigeren Kosten erreicht.

In Deutschland wurde die Hebammenausbildung bereits vollständig auf Hochschulniveau angehoben, während Österreich noch ein duales System aus Fachhochschul- und Schulausbildung hat. Diese internationalen Erfahrungen fließen in die Diskussionen des Kongresses ein und können Impulse für Reformen in Österreich geben.

Der Weg zu einer nachhaltigen Geburtshilfe

Das Motto „Birth the change you want to see" fasst die Philosophie des Kongresses zusammen: Hebammen sind nicht nur Begleiterinnen bei Geburten, sondern auch Gestalterinnen der Zukunft. Jede Geburt ist ein Neuanfang, eine Chance, die Welt ein wenig besser zu machen. Diese Verantwortung ernst zu nehmen, bedeutet, sich für nachhaltige Praktiken einzusetzen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und evidenzbasierte Methoden anzuwenden.

Der Hebammenkongress 2026 in Eisenstadt wird zeigen, wie diese Vision in die Praxis umgesetzt werden kann. Mit 450 erwarteten Teilnehmern ist er eine der größten Hebammenveranstaltungen des Jahres und wird wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der österreichischen Geburtshilfe setzen. Die Kombination aus fachlicher Exzellenz, regionaler Identität und zukunftsorientiertem Denken macht ihn zu einem besonderen Ereignis in der österreichischen Gesundheitslandschaft.

Für weitere Informationen zum Kongress steht die Website www.hebammenkongress2026.at zur Verfügung. Die Anmeldung für den Kongress ist bereits möglich, und angesichts der begrenzten Kapazitäten wird eine frühzeitige Registrierung empfohlen.

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