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Grüne erreichen Durchbruch bei Geothermie-Gesetz in Österreich

8. April 2026 um 15:22
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Ein bedeutender Schritt für Österreichs Energiezukunft ist gelungen: Nach monatelangen politischen Verhandlungen hat der Wirtschaftsausschuss des Nationalrats einstimmig einen Antrag der Grünen bes...

Ein bedeutender Schritt für Österreichs Energiezukunft ist gelungen: Nach monatelangen politischen Verhandlungen hat der Wirtschaftsausschuss des Nationalrats einstimmig einen Antrag der Grünen beschlossen, der den Weg für eine umfassende Reform des Geothermie-Rechts ebnet. Die Entscheidung vom heutigen Tag könnte die Weichen für eine nachhaltige Wärmewende stellen und Österreich dabei helfen, die Abhängigkeit von teuren Energie-Importen zu reduzieren.

Geothermie als Schlüssel zur Energieunabhängigkeit

Geothermie bezeichnet die Nutzung der natürlichen Erdwärme, die in verschiedenen Tiefen unter der Erdoberfläche gespeichert ist. Diese Energieform entsteht durch den radioaktiven Zerfall von Elementen im Erdkern sowie durch die ursprüngliche Wärme aus der Entstehungszeit der Erde. In oberflächennahen Bereichen bis etwa 400 Meter Tiefe herrschen konstante Temperaturen zwischen 8 und 12 Grad Celsius, während in größeren Tiefen deutlich höhere Temperaturen erreicht werden können. Mit entsprechender Technik lässt sich diese Wärme über Wärmepumpen oder direkte Systeme für Heizzwecke nutzen. Der große Vorteil: Geothermie steht rund um die Uhr zur Verfügung, unabhängig von Wetter oder Tageszeit, und verursacht praktisch keine CO2-Emissionen im Betrieb.

Lukas Hammer, Energiesprecher der Grünen, betont die Dringlichkeit der Reform: "Nach wie vor erschweren rechtliche Hürden in Österreich, klimafreundliche Wärme aus der Tiefe zu gewinnen. Das macht uns abhängig von teuren Öl- und Gasimporten." Diese Abhängigkeit hat sich besonders in den vergangenen Jahren als problematisch erwiesen, als die Energiepreise dramatisch anstiegen und österreichische Haushalte sowie Unternehmen unter enormem finanziellen Druck standen.

Rechtliche Hindernisse bremsen Geothermie-Ausbau

Das österreichische Rechtssystem behandelt Geothermie-Projekte derzeit unter verschiedenen, teilweise widersprüchlichen Regelwerken. Das Bergrecht, Wasserrecht und Baurecht greifen oft unkoordiniert ineinander, was Genehmigungsverfahren kompliziert und langwierig macht. Während oberflächennahe Geothermie meist unter das Wasserrecht fällt, unterliegen tiefere Bohrungen dem Bergrecht. Diese Rechtszersplitterung führt dazu, dass potenzielle Investoren vor hohen Planungsunsicherheiten und langwierigen Behördenwegen zurückschrecken.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern hinkt Österreich beim Geothermie-Ausbau deutlich hinterher. Deutschland beispielsweise hat bereits über 40 Geothermie-Kraftwerke in Betrieb und plant weitere Großprojekte. Die Schweiz betreibt erfolgreich mehrere Anlagen in Basel und Genf, während Island seinen gesamten Wärmebedarf nahezu vollständig über Geothermie deckt. In Österreich dagegen sind bisher nur wenige kleinere Projekte realisiert worden, obwohl das geologische Potenzial durchaus vorhanden wäre.

Österreichs ungenutztes Potenzial

Geologische Untersuchungen zeigen, dass Österreich über beträchtliche Geothermie-Ressourcen verfügt, insbesondere im Wiener Becken, im Molassebecken in Oberösterreich und in Teilen der Steiermark. Experten schätzen, dass durch konsequente Nutzung der Geothermie bis zu 15 Prozent des österreichischen Wärmebedarfs gedeckt werden könnten. Zum Vergleich: Derzeit stammen noch immer rund 60 Prozent der Raumwärme aus fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas, die größtenteils importiert werden müssen.

Politischer Durchbruch nach langem Ringen

Der heute im Wirtschaftsausschuss beschlossene Antrag ist das Ergebnis monatelanger politischer Arbeit. Hammer erklärt: "Es reicht nicht, dass sich die Regierung im Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz Ausbauziele für Geothermie setzt. Es braucht auch die notwendigen rechtlichen Anpassungen, damit Österreich die vorhandene Erdwärme auch endlich nutzt."

Besonders bemerkenswert ist die Einstimmigkeit des Beschlusses, die zeigt, dass das Thema Geothermie parteiübergreifend als wichtig erkannt wird. Dies war nicht immer so: Ein ähnlicher Antrag der Grünen wurde bereits Ende 2023 von der Regierung abgelehnt. "Leider hat die Regierung unnötig viel Zeit verspielt", kritisiert Hammer diese Verzögerung. Die zwischenzeitlich weiter gestiegenen Energiepreise und die anhaltende geopolitische Unsicherheit haben jedoch offenbar zu einem Umdenken geführt.

Konkrete Auswirkungen für österreichische Bürger

Die geplante Rechtsreform könnte für österreichische Haushalte spürbare Verbesserungen bringen. Geothermie-Heizungen sind zwar in der Anschaffung teurer als herkömmliche Gas- oder Ölheizungen, bieten aber langfristig deutlich niedrigere Betriebskosten. Eine durchschnittliche Geothermie-Anlage für ein Einfamilienhaus amortisiert sich meist binnen 10 bis 15 Jahren, danach profitieren Hausbesitzer von stabilen, niedrigen Heizkosten.

Für Gemeinden eröffnen sich neue Möglichkeiten für kommunale Fernwärmenetze. Größere Geothermie-Projekte können ganze Ortschaften mit klimafreundlicher Wärme versorgen und dabei lokale Wertschöpfung schaffen. Arbeitsplätze entstehen nicht nur beim Bau der Anlagen, sondern auch in der langfristigen Wartung und im Betrieb der Systeme.

Wirtschaftliche Chancen für Unternehmen

Österreichische Unternehmen könnten von einer vereinfachten Rechtslage erheblich profitieren. Energieintensive Betriebe, die bisher hohe Summen für fossile Brennstoffe ausgeben müssen, könnten durch Geothermie ihre Energiekosten deutlich reduzieren und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Gleichzeitig entstehen neue Geschäftsfelder für Planungsbüros, Bohrunternehmen und Anlagenbauer.

Die heimische Wirtschaft könnte sich als Technologieführer in der Geothermie-Branche positionieren und Expertise für den Export entwickeln. Österreichische Unternehmen haben bereits in anderen Bereichen der erneuerbaren Energien, wie der Wasserkraft, international Erfolge erzielt. Bei der Geothermie besteht die Chance, von Anfang an dabei zu sein und Marktanteile zu gewinnen.

Nächste Schritte und Herausforderungen

Mit dem einstimmigen Beschluss im Wirtschaftsausschuss ist ein wichtiger Meilenstein erreicht, aber der Weg ist noch nicht zu Ende. Nun muss die Bundesregierung einen konkreten Gesetzesentwurf ausarbeiten, der die rechtlichen Hindernisse beseitigt und klare Rahmenbedingungen für Geothermie-Projekte schafft.

Hammer mahnt zur Eile: "Jetzt liegt der Ball bei der Regierung, die einen Entwurf vorlegen muss. Bei der Umsetzung braucht es mehr Tempo, damit die Wärmewende gelingt und die Heizkosten der Menschen dauerhaft sinken." Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass zwischen politischen Beschlüssen und ihrer praktischen Umsetzung oft erhebliche Zeitverzögerungen auftreten.

Technische und finanzielle Hürden

Neben den rechtlichen Aspekten müssen auch technische und finanzielle Herausforderungen bewältigt werden. Tiefe Geothermie-Bohrungen sind kostspielig und mit gewissen geologischen Risiken verbunden. Nicht überall sind die Untergrundverhältnisse für Geothermie geeignet, weshalb sorgfältige Voruntersuchungen erforderlich sind.

Förderprogramme und Finanzierungshilfen werden entscheidend dafür sein, ob private Haushalte und Unternehmen tatsächlich auf Geothermie umsteigen. Andere Länder haben gezeigt, dass gezielte Anreize den Markt deutlich ankurbeln können.

Internationale Vorbilder und Zukunftsperspektiven

Ein Blick über die Grenzen zeigt das Potenzial der Geothermie deutlich auf. In Island deckt Erdwärme rund 90 Prozent des Heizbedarfs und einen erheblichen Teil der Stromerzeugung. Deutschland hat in den vergangenen zehn Jahren den Geothermie-Ausbau massiv vorangetrieben und dabei wertvolle Erfahrungen gesammelt, von denen Österreich lernen kann.

Besonders interessant ist das Beispiel der Schweiz, wo trotz ähnlicher geologischer Bedingungen wie in Österreich bereits mehrere erfolgreiche Großprojekte realisiert wurden. Das Fernwärmenetz in Basel wird teilweise über Geothermie gespeist, und weitere Projekte sind in Planung.

Für Österreich ergeben sich damit konkrete Zukunftsperspektiven: Bis 2030 könnte bei entsprechendem politischen Willen und vereinfachten Genehmigungsverfahren ein signifikanter Anteil der Raumwärme über Geothermie bereitgestellt werden. Dies würde nicht nur die Klimabilanz verbessern, sondern auch die Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren und langfristig für stabile, günstige Heizkosten sorgen.

Fazit: Wegweisende Entscheidung für Österreichs Energiezukunft

Der einstimmige Beschluss im Wirtschaftsausschuss markiert einen Wendepunkt für die österreichische Energiepolitik. Nach Jahren des Stillstands bei der Geothermie-Nutzung könnte nun endlich Bewegung in diesen wichtigen Bereich der erneuerbaren Energien kommen. Die Vorteile liegen auf der Hand: klimafreundliche Wärme, reduzierte Importabhängigkeit und langfristig günstigere Heizkosten für Verbraucher.

Entscheidend wird nun sein, ob die Bundesregierung den politischen Rückenwind nutzt und zügig einen praxistauglichen Gesetzesentwurf vorlegt. Die Zeit drängt, denn jedes Jahr der Verzögerung bedeutet weitere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und verpasste Chancen beim Klimaschutz. Österreich hat das Potenzial, zu einem Vorreiter bei der Geothermie-Nutzung zu werden – nun gilt es, dieses Potenzial auch zu nutzen.

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