EBÖ-Präsident Leitl sieht wichtigen Schritt zurück ins gemeinsame Europa
Die Rückkehr Großbritanniens ins Erasmus-Programm 2027 wird als bedeutsamer Schritt der Annäherung an Europa gewertet. 12 britische Jugendliche werden symbolisch nach Österreich eingeladen.
Nach dem Brexit und jahrelanger Distanz zu europäischen Programmen kehrt Großbritannien 2027 in das renommierte Erasmus-Programm zurück. Diese Entscheidung wird von Christoph Leitl, Präsident der Europäischen Bewegung Österreich (EBÖ), als bedeutsamer Schritt in Richtung Europa begrüßt.
"Das ist wieder ein Schritt zurück nach Europa - insbesondere in dem für Europas Zukunft so wichtigen Jugendsektor", betont Leitl. Das Erasmus-Programm, das seit Jahrzehnten jungen Europäern Studien- und Ausbildungsaufenthalte in anderen EU-Ländern ermöglicht, sei weit mehr als nur ein Bildungsprogramm. "Erasmus stärkt Bildung und Mobilität junger Menschen und ist damit eine wertvolle Investition in unsere Zukunft und in ein starkes, gemeinsames Europa!"
Die Bedeutung des Programms für die europäische Integration kann kaum überschätzt werden. Seit seiner Einführung 1987 haben Millionen von Studierenden durch Erasmus internationale Erfahrungen gesammelt, Sprachen gelernt und grenzüberschreitende Freundschaften geschlossen. Nach dem Brexit war Großbritannien aus dem Programm ausgeschieden, was eine schmerzliche Lücke im europäischen Bildungsraum hinterließ.
Leitl sieht im Jugendaustausch das Fundament dessen, was Europa im Kern zusammenhält: "Begegnung, gegenseitiges Verständnis und das Erleben eines gemeinsamen europäischen Raums – über Grenzen, Sprachen und Lebenswelten hinweg." Diese persönlichen Verbindungen seien es, die Europa zu mehr als nur einem politischen oder wirtschaftlichen Konstrukt machten.
"Wenn junge Menschen miteinander lernen, arbeiten und Zeit verbringen, entstehen Netzwerke und Vertrauen, die lange über einzelne Programme hinauswirken", erklärt der EBÖ-Präsident. Die Rückkehr Großbritanniens zu Erasmus eröffne daher neue Chancen für eine Generation, die Europa wieder selbstverständlicher als gemeinsames Projekt erleben könne.
Um die Bedeutung dieser Entwicklung zu unterstreichen, setzt Leitl gemeinsam mit dem European Youth Forum Neumarkt (EYFON) ein symbolisches Zeichen. Zwölf junge Menschen aus Großbritannien werden für eine Woche kostenlos auf die Europaburg in Neumarkt in der Steiermark eingeladen. Dort sollen sie mit Jugendlichen aus anderen europäischen Ländern zusammentreffen und gemeinsam die Zukunft Europas diskutieren.
"Jungen Menschen steht die Welt offen – sie müssen ihre Chancen nur nützen. Die gemeinsamen Tage auf der Europaburg in Neumarkt sollen die Jugendlichen darin bestärken!", so Leitl über die Initiative. Diese Geste verdeutlicht, dass die Annäherung zwischen Großbritannien und der EU nicht nur auf politischer Ebene stattfindet, sondern auch von der Zivilgesellschaft aktiv gefördert wird.
Die Europaburg in Neumarkt in der Steiermark hat als Veranstaltungsort eine besondere Bedeutung. Seit Jahrzehnten dient sie als Ort gelebter europäischer Begegnung und Bildungsarbeit. Mit EYFON, einer der Mitgliedsorganisationen der EBÖ, besteht dort ein aktives Jugendforum, das europäische Dialog- und Austauschformate vor Ort stärkt und Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern zusammenbringt.
Die Rückkehr zu Erasmus ist nur ein Baustein einer breiteren Entwicklung der schrittweisen Wiederannäherung zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU. Leitl verweist auf weitere Bereiche der Zusammenarbeit: "In der Sicherheitsfrage arbeitet Großbritannien schon mit Europa zusammen, ebenso im Bereich der Forschung und Wissenschaft - nun kommt ab dem nächsten Jahr auch noch die Jugend dazu."
Diese pragmatische Herangehensweise zeigt, dass trotz des politischen Bruchs durch den Brexit die Notwendigkeit einer engen Kooperation in vielen Lebensbereichen erkannt wird. Sicherheitspolitische Herausforderungen, wissenschaftliche Forschung und nun auch die Bildung junger Menschen erfordern grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
"Das sind wichtige Bereiche, wo wir gemeinsam stärker sind, denen hoffentlich noch viele folgen", hofft Leitl auf eine weitere Vertiefung der Beziehungen. Seine Botschaft ist klar: "Großbritannien ist und bleibt ein wichtiger Teil Europas. Eine enge Kooperation ist in unserem beidseitigen Interesse."
Mit einem persönlichen Appell an die britischen Freunde schließt Leitl seine Ausführungen: "One day the lost son will return!" Diese biblische Metaphor verdeutlicht die Hoffnung, dass die Entfremdung zwischen Großbritannien und Europa nur temporärer Natur sein möge.
Die Europäische Bewegung Österreich positioniert sich mit solchen Initiativen als wichtiger Akteur in der europäischen Zivilgesellschaft. Als überparteilicher Zusammenschluss von Verbänden, Vereinen, Institutionen und sonstigen Einrichtungen mit pro-europäischer Ausrichtung setzt sich die EBÖ für die Förderung des Europagedankens ein.
Als nationale Sektion von European Movement International mit Sitz in Brüssel ist die EBÖ Teil des größten pro-europäischen zivilgesellschaftlichen Netzwerkes in Europa. Diese Vernetzung ermöglicht es, Initiativen wie die Einladung britischer Jugendlicher zu koordinieren und damit konkrete Beiträge zur europäischen Verständigung zu leisten.
Die Rückkehr Großbritanniens zu Erasmus 2027 markiert möglicherweise einen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU. Für Tausende von jungen Briten eröffnen sich damit wieder Möglichkeiten, in anderen europäischen Ländern zu studieren, Praktika zu absolvieren oder an Jugendaustauschprogrammen teilzunehmen.
Gleichzeitig werden europäische Studierende wieder verstärkt die Möglichkeit haben, an renommierten britischen Universitäten zu studieren. Diese gegenseitigen Begegnungen sind von unschätzbarem Wert für die Entwicklung einer europäischen Identität, die über nationale Grenzen hinausreicht.
Die Initiative der EBÖ zeigt, dass die Zivilgesellschaft eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der europäischen Zukunft spielt. Durch konkrete Projekte und symbolische Gesten können Brücken gebaut werden, die über politische Verwerfungen hinweg Bestand haben und den Weg für eine engere Zusammenarbeit ebnen.