Am 24. Januar 2026 sorgte ein Vorstoß der ÖVP Steiermark für Aufsehen: Der Vorschlag, den Arbeits- und Ausbildungstag für minderjährige Lehrlinge auf 10 Stunden auszuweiten, traf auf scharfe Kritik seitens der Gewerkschaftsjugend. Diese Pläne, die in der Kleinen Zeitung veröffentlicht wurden, werfen
Am 24. Januar 2026 sorgte ein Vorstoß der ÖVP Steiermark für Aufsehen: Der Vorschlag, den Arbeits- und Ausbildungstag für minderjährige Lehrlinge auf 10 Stunden auszuweiten, traf auf scharfe Kritik seitens der Gewerkschaftsjugend. Diese Pläne, die in der Kleinen Zeitung veröffentlicht wurden, werfen Fragen zur Zukunft der Lehrlingsausbildung in Österreich auf. Die Gewerkschaftsjugend, vertreten durch Matthias Hauer, Bundesjugendsekretär des ÖGB, argumentiert, dass Lehrlinge keine billigen Arbeitskräfte sind, sondern junge Menschen in Ausbildung, deren Bildung und Gesundheit nicht geopfert werden sollten.
Die Lehrlingsausbildung hat in Österreich eine lange Tradition und ist ein wesentlicher Bestandteil des dualen Bildungssystems. Seit den 1960er Jahren hat sich das Modell stetig weiterentwickelt, um den Anforderungen der modernen Arbeitswelt gerecht zu werden. Historisch gesehen, war die Lehrlingsausbildung ein Mittel, um jungen Menschen praxisnahe Fähigkeiten zu vermitteln und gleichzeitig den Fachkräftebedarf der Wirtschaft zu decken. In den letzten Jahrzehnten wurde die Ausbildung immer wieder reformiert, um die Qualität zu erhöhen und den Zugang zu erleichtern.
Der aktuelle Vorschlag der ÖVP Steiermark, den Arbeitstag für Lehrlinge auf 10 Stunden zu verlängern, steht in einem deutlichen Kontrast zu diesen Bemühungen. Kritiker befürchten, dass längere Arbeitszeiten die Qualität der Ausbildung beeinträchtigen und die Gesundheit der jungen Menschen gefährden könnten. Die Gewerkschaftsjugend betont, dass eine solche Maßnahme nicht nur die Attraktivität der Lehre mindern, sondern auch die ohnehin sinkenden Lehrlingszahlen weiter verschärfen könnte.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass Österreichs Nachbarländer unterschiedliche Ansätze in der Lehrlingsausbildung verfolgen. In Deutschland beispielsweise ist die duale Ausbildung ähnlich strukturiert, jedoch gibt es klare Regelungen, die die Arbeitszeit von Lehrlingen begrenzen, um eine ausgewogene Balance zwischen Ausbildung und Arbeit zu gewährleisten. In der Schweiz wird ebenfalls großer Wert auf die Qualität der Ausbildung gelegt, wobei flexible Arbeitszeiten in der Regel auf ältere Auszubildende beschränkt sind.
Diese internationalen Vergleiche verdeutlichen, dass eine Verlängerung der Arbeitszeiten für Lehrlinge in Österreich nicht nur unüblich wäre, sondern auch im Widerspruch zu bewährten Praktiken in vergleichbaren Ländern stünde.
Die geplante Ausweitung der Arbeitszeiten könnte gravierende Auswirkungen auf die betroffenen Lehrlinge haben. Zum einen besteht die Gefahr, dass die zusätzliche Belastung zu einem erhöhten Stresslevel und gesundheitlichen Problemen führt. Junge Menschen in der Ausbildung benötigen ausreichend Zeit für Erholung und Freizeitaktivitäten, um ihre körperliche und geistige Gesundheit zu erhalten.
Darüber hinaus könnte die Verlängerung der Arbeitszeiten die Motivation der Lehrlinge negativ beeinflussen. Wenn die Ausbildung überwiegend als Belastung empfunden wird, könnte dies zu einer höheren Abbruchquote führen. Dies wäre kontraproduktiv, insbesondere in Zeiten, in denen der Fachkräftemangel in vielen Branchen ein drängendes Problem darstellt.
Laut Statistiken der Wirtschaftskammer Österreich waren im Jahr 2025 rund 110.000 Lehrlinge in Österreich in Ausbildung. Die Zahl der Lehrlinge ist in den letzten Jahren jedoch kontinuierlich gesunken, was auf demografische Entwicklungen und die zunehmende Attraktivität akademischer Bildungswege zurückzuführen ist. Gleichzeitig steigt die Jugendarbeitslosigkeit, was den Druck auf die Politik erhöht, die Lehrlingsausbildung attraktiver zu gestalten.
Die Gewerkschaftsjugend weist darauf hin, dass anstatt die Arbeitszeiten zu verlängern, Maßnahmen ergriffen werden sollten, um die Ausbildung qualitativ zu verbessern. Dazu gehören die Umsetzung eines Aus- und Weiterbildungsfonds, ein Mindestlehrlingseinkommen von 1.000 Euro im ersten Lehrjahr und verpflichtende Kompetenzchecks zur Mitte der Lehrzeit.
Die Zukunft der Lehrlingsausbildung in Österreich hängt maßgeblich davon ab, wie gut es gelingt, die Ausbildung an die Bedürfnisse der modernen Arbeitswelt anzupassen, ohne die Belastung für die jungen Menschen zu erhöhen. Experten sind sich einig, dass Investitionen in die Qualität der Ausbildung und die Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen entscheidend sind, um den Fachkräftenachwuchs zu sichern.
Langfristig könnte die Einführung flexiblerer Ausbildungsmodelle, die sowohl den Bedürfnissen der Wirtschaft als auch der Auszubildenden gerecht werden, ein gangbarer Weg sein. Dies könnte beispielsweise durch die verstärkte Nutzung digitaler Lernplattformen und die Integration von Homeoffice-Elementen in die Ausbildung erreicht werden.
Die Diskussion um die Verlängerung der Arbeitszeiten für Lehrlinge in Österreich zeigt die Herausforderungen, vor denen das duale Ausbildungssystem steht. Während die Forderungen nach Flexibilisierung der Arbeitszeiten aus wirtschaftlicher Sicht verständlich sind, dürfen sie nicht zu Lasten der jungen Menschen gehen, die am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen. Die Gewerkschaftsjugend hat klare Forderungen formuliert, um die Qualität der Ausbildung zu sichern und die Attraktivität der Lehre zu erhöhen. Es bleibt abzuwarten, ob und wie diese Forderungen in der politischen Debatte berücksichtigt werden.
Für weiterführende Informationen zu diesem Thema empfehlen wir unsere Artikel zur Lehrlingsausbildung in Österreich, Fachkräftemangel in Österreich und Jugendarbeitslosigkeit in Österreich.