Am 27. November 2025, während der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen in Österreich, richtet die FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen – einen dringenden Appell an die Öffentlichkeit. Die Organisation betont, dass fehlende oder unsichere Persönliche Assistenz die Abhängigkeit
Am 27. November 2025, während der 16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen in Österreich, richtet die FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen – einen dringenden Appell an die Öffentlichkeit. Die Organisation betont, dass fehlende oder unsichere Persönliche Assistenz die Abhängigkeit von Frauen mit Behinderungen verstärkt und das Risiko von Gewalt erhöht. In Österreich ist die Persönliche Assistenz ein zentrales Instrument für Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe und Gewaltschutz.
Persönliche Assistenz ist eine Dienstleistung, die Menschen mit Behinderungen unterstützt, selbstbestimmt zu leben. Sie umfasst Hilfe bei alltäglichen Aufgaben, wie der Körperpflege, dem Haushalt oder der Mobilität. In Österreich gibt es jedoch große Unterschiede in der Verfügbarkeit und Qualität dieser Assistenzleistungen, die oft von regionalen Gegebenheiten abhängen.
Die Idee der Persönlichen Assistenz stammt aus der Behindertenrechtsbewegung der 1970er Jahre. Ziel war es, Menschen mit Behinderungen ein unabhängiges Leben zu ermöglichen. In Österreich wurden erste Modelle in den 1990er Jahren eingeführt, doch bis heute fehlt eine einheitliche Regelung. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind erheblich, was zu Ungerechtigkeiten führt.
In Deutschland gibt es das sogenannte 'Persönliche Budget', das Menschen mit Behinderungen mehr Selbstbestimmung ermöglicht. Die Schweiz hat ein ähnliches Modell, das jedoch stark von der jeweiligen Kantonsregierung abhängt. Im Vergleich dazu ist Österreichs System fragmentierter, was die FmB kritisiert.
Frauen mit Behinderungen sind besonders gefährdet, Opfer von Gewalt zu werden. Ohne ausreichende Persönliche Assistenz sind sie oft gezwungen, in Abhängigkeit von Familienmitgliedern oder Institutionen zu leben, was ihre Verletzlichkeit erhöht. Ein verlässliches Assistenzsystem könnte ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen und das Risiko von Gewalt erheblich reduzieren.
Statistiken zeigen, dass in Österreich etwa 1,7 Millionen Menschen mit Behinderungen leben. Davon haben nur wenige Zugang zu einer ausreichenden Persönlichen Assistenz. Die FmB fordert daher eine österreichweit einheitliche Regelung und ausreichende Finanzierung.
Heidemarie Egger, Co-Vorsitzende von FmB, betont: „Zugang zu Persönlicher Assistenz darf nicht mehr von Glück und Zufall abhängig sein. Frauen* mit Behinderungen brauchen verlässliche, gut finanzierte und frei wählbare Assistenz – in allen Lebensbereichen.“ Julia Moser, ebenfalls Co-Vorsitzende, ergänzt: „Assistenzmodelle müssen die Lebensrealitäten von Frauen* mit Behinderungen mitdenken. Dazu gehören flexible Zeitkontingente, bundesweit einheitliche Kriterien und die Möglichkeit, Assistenzpersonen selbst auszuwählen.“
Die FmB fordert ein österreichweit einheitliches System der Persönlichen Assistenz, das unabhängig vom Wohnort funktioniert. Dies würde nicht nur die Lebensqualität von Frauen mit Behinderungen verbessern, sondern auch deren Sicherheit erhöhen. Ein solches System könnte als Vorbild für andere Länder dienen und die Position Österreichs als Vorreiter im Bereich der Inklusion stärken.
Die Forderungen der FmB sind klar: Österreich braucht ein verlässliches, flächendeckendes System der Persönlichen Assistenz, das allen Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Die Politik ist gefordert, diese Forderungen ernst zu nehmen und die notwendigen Schritte einzuleiten. Nur so kann ein effektiver Gewaltschutz für Frauen mit Behinderungen gewährleistet werden.
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