Am 5. Februar 2026 wurde im österreichischen Bundesrat ein Thema diskutiert, das viele Bürgerinnen und Bürger betrifft: die Reform des Scheidungsrechts. Justizministerin Anna Sporrer stellte die Pläne für ein modernes und gerechtes Ehe- und Scheidungsrecht vor, das den Verlauf der Ehe stärker berück
Am 5. Februar 2026 wurde im österreichischen Bundesrat ein Thema diskutiert, das viele Bürgerinnen und Bürger betrifft: die Reform des Scheidungsrechts. Justizministerin Anna Sporrer stellte die Pläne für ein modernes und gerechtes Ehe- und Scheidungsrecht vor, das den Verlauf der Ehe stärker berücksichtigen soll. Diese Reform könnte weitreichende Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen in Österreich haben.
Im Zentrum der Diskussion steht die Frage, ob das Verschuldensprinzip, das bisher eine zentrale Rolle in Scheidungsverfahren spielt, noch zeitgemäß ist. Unter dem Verschuldensprinzip versteht man die Praxis, dass die Schuld an der Zerrüttung der Ehe Einfluss auf die Unterhaltsansprüche hat. Viele Bundesrätinnen und Bundesräte unterstützen eine Abkehr von diesem Prinzip, während die FPÖ den Reformbedarf in anderen Bereichen der Justiz sieht.
Das Verschuldensprinzip ist ein juristisches Konzept, das besagt, dass die Schuldfrage bei der Scheidung von Ehen eine Rolle spielt. Es beeinflusst, wer nach der Scheidung Unterhalt zahlen muss und wie viel. Kritiker argumentieren, dass dieses Prinzip oft zu langwierigen und schmerzhaften Gerichtsverfahren führt, die die betroffenen Familien belasten.
Ein weiterer wichtiger Begriff ist der nacheheliche Unterhalt. Dieser bezieht sich auf die finanzielle Unterstützung, die ein Ehepartner nach der Scheidung vom anderen erhalten kann. In Österreich wird derzeit diskutiert, ob dieser Unterhalt weniger von der Schuldfrage und mehr vom Verlauf der Ehe abhängig gemacht werden sollte.
Das österreichische Scheidungsrecht hat sich über die Jahrzehnte hinweg stark verändert. Ursprünglich war die Scheidung in Österreich nur unter sehr strengen Bedingungen möglich und stark von der katholischen Kirche beeinflusst. In den 1970er Jahren wurden die Gesetze liberaler, um den gesellschaftlichen Wandel widerzuspiegeln. Das Verschuldensprinzip blieb jedoch ein zentraler Bestandteil der rechtlichen Regelungen.
In den letzten Jahrzehnten wurde das Scheidungsrecht immer wieder reformiert, um den veränderten gesellschaftlichen Realitäten gerecht zu werden. Die heutige Diskussion um die Abschaffung des Verschuldensprinzips ist Teil eines breiteren Trends, der in vielen europäischen Ländern zu beobachten ist.
In Deutschland und der Schweiz sind ähnliche Diskussionen im Gange. Deutschland hat das Verschuldensprinzip bereits weitgehend abgeschafft und setzt auf eine einvernehmliche Regelung der Scheidung. In der Schweiz gibt es Modelle, bei denen Paare bereits getrennt leben können, bevor das Scheidungsverfahren abgeschlossen ist. Diese Ansätze könnten auch für Österreich Vorbilder sein.
Die geplante Reform des Scheidungsrechts könnte erhebliche Auswirkungen auf viele Österreicherinnen und Österreicher haben. Ein zentrales Ziel ist es, die finanzielle Absicherung von Personen zu verbessern, die während der Ehe zugunsten von Care-Arbeit auf eine eigene Karriere verzichtet haben. Diese betrifft häufig Frauen, die nach einer Scheidung oft vor finanziellen Herausforderungen stehen.
Ein weiteres Beispiel ist die Situation von Kindern, die von den Entscheidungen im Scheidungsverfahren direkt betroffen sind. Ein faires und modernes Unterhaltsrecht könnte dazu beitragen, das Risiko von Kinderarmut zu verringern.
Statistiken zeigen, dass in Österreich etwa 40% der Ehen geschieden werden. Die durchschnittliche Dauer einer Ehe bis zur Scheidung beträgt etwa 10 Jahre. Diese Zahlen verdeutlichen die Relevanz der Diskussion um ein modernes Scheidungsrecht.
Die Zukunft des österreichischen Scheidungsrechts ist noch ungewiss. Während die Arbeitsgruppe im Justizministerium ihre Arbeit aufgenommen hat, bleibt abzuwarten, welche konkreten Maßnahmen umgesetzt werden. Experten betonen die Notwendigkeit einer sorgfältigen Analyse und breiten Diskussion, um ein gerechtes und zukunftsfähiges Rechtssystem zu schaffen.
Einige Fachleute argumentieren, dass die Abschaffung des Verschuldensprinzips zu einer Entlastung der Gerichte führen könnte, da weniger Streitigkeiten über die Schuldfrage ausgetragen werden müssten. Andere betonen die Bedeutung von begleitenden Maßnahmen, wie etwa der Einführung von Beratungsangeboten für Ehepaare.
Die geplanten Änderungen im österreichischen Scheidungsrecht könnten einen bedeutenden Schritt in Richtung eines gerechteren Systems darstellen. Es bleibt abzuwarten, wie die Diskussionen im Bundesrat weitergehen und welche konkreten Reformen letztlich umgesetzt werden. Für viele Betroffene könnte dies eine Erleichterung und eine Verbesserung ihrer Lebenssituation bedeuten.
Interessierte Bürgerinnen und Bürger können die Sitzungen des Nationalrats und des Bundesrats über Livestreams verfolgen und sich so ein eigenes Bild von den Diskussionen machen. Die Entwicklungen im Scheidungsrecht bleiben spannend und werden sicherlich noch für viele Debatten sorgen.