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Kultur

Frieden lernen: Wie Österreichs Erwachsenenbildung den Zusammenhalt stärkt

25. September 2025 um 17:43
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In einer Welt, die von Konflikten und Spannungen geprägt ist, wird Bildung zu einem machtvollen Werkzeug, um Brücken zu bauen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Am 25. September 2025 versammelten sich rund 140 Teilnehmer im Europahaus Wien zur Jahrestagung der Konferenz der Erwachse

In einer Welt, die von Konflikten und Spannungen geprägt ist, wird Bildung zu einem machtvollen Werkzeug, um Brücken zu bauen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Am 25. September 2025 versammelten sich rund 140 Teilnehmer im Europahaus Wien zur Jahrestagung der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ), um genau dieses Potenzial der Bildung zu erkunden. Unter dem Leitmotiv „FRIEDEN lernen: Chancen und Herausforderungen für die Erwachsenenbildung“ wurde diskutiert, wie Bildung zu einer friedensfördernden Praxis in Zeiten globaler Krisen werden kann.

Bildung als Antwort auf Polarisierung

Bernd Wachter, Vorsitzender der KEBÖ, eröffnete die Tagung mit einem eindringlichen Appell. Er betonte, dass Bildung nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch als aktiver Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt verstanden werden sollte. „2024 konnten die 10 in der KEBÖ versammelten Verbände 2,5 Millionen Teilnehmer begrüßen und 171.000 Bildungsveranstaltungen durchführen. Das zeigt die beeindruckende Rolle der Erwachsenenbildung als wesentliche Säule unseres Bildungssystems“, erklärte Wachter.

In einer Videobotschaft hob Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner (BMFWF) die Aktualität des Themas hervor. Sie betonte, dass Frieden mehr als die Abwesenheit von Krieg sei. Vielmehr bedeute Frieden Respekt, Dialogfähigkeit und die Fähigkeit, Konflikte konstruktiv auszutragen. „Gerade in einer Zeit, in der Polarisierung, Hass und Desinformation unsere Gesellschaft belasten, wird klar: Wir brauchen Bildung, die stärkt, befähigt und schützt“, so Holzleitner.

Historische Entwicklung und neue Strukturen

Ein wichtiger Punkt der Tagung war die historische Entwicklung der KEBÖ und ihre kürzliche Gründung als Verein. Hubert Petrasch, Vorsitzender des Forums Katholischer Erwachsenenbildung, betonte die neuen rechtlichen und strategischen Möglichkeiten, die diese Struktur auf Bundesebene eröffnet. „Gerade angesichts zunehmender gesellschaftlicher Spaltung ist Friedensbildung so notwendig wie ein Bissen Brot“, erklärte Petrasch.

Europas politische Orientierungslosigkeit

Ein inhaltlicher Höhepunkt war die Keynote von Prof. Dr. Harald Welzer, Soziologe und Direktor der Stiftung FUTURZWEI. Welzer kritisierte das moralisch überhöhte, aber politisch handlungsarme Selbstbild Europas und plädierte für eine realistische, wertebasierte Friedenspolitik. Er forderte, dass Europa lernen müsse, sich als aktiver politischer Gestalter zu positionieren. „Freiheit und Demokratie sind nur im Frieden zu sichern – und Friedensfähigkeit bedeutet auch die Bereitschaft zum Dialog mit autoritären Regimen“, erklärte Welzer.

In einer anschließenden Podiumsdiskussion wurde die Rolle der Erwachsenenbildung in der Friedensarbeit weiter vertieft. Teilnehmer wie Terezija Stoisits, Nora Tödtling-Musenbichler und Markus Schlagnitweit diskutierten unter der Moderation von Magdalena Modler El-Abdaoui, wie Bildung als Instrument des Friedens genutzt werden kann.

Praxisbeispiele und Staffelübergabe

Am Nachmittag präsentierten Mitgliedsorganisationen der KEBÖ konkrete Projekte zur Friedensbildung. Martina Bauer, Bildungs- und Projektmanagerin im Forum, betonte, dass Friedensbildung nicht abstrakt, sondern im Alltag geschehe – in Kursen, Begegnungen und Gesprächen vor Ort.

Den Abschluss der Tagung bildete die Übergabe des KEBÖ-Vorsitzes an den Verband Österreichischer Volkshochschulen (VÖV). Generalsekretär John Evers bedankte sich bei seinem Vorgänger Bernd Wachter und betonte die Zukunftsaufgabe, die neue Struktur der KEBÖ in Partnerschaft mit der öffentlichen Hand fest zu etablieren. „Wir brauchen eine neue Kultur der Erwachsenenbildung, eine neue Strategie des lebensbegleitenden Lernens in Österreich“, erklärte Evers.

Die Rolle der KEBÖ in der Erwachsenenbildung

Die KEBÖ ist die Arbeitsplattform der im Erwachsenenbildungs-Förderungsgesetz von 1973 anerkannten Österreichischen Erwachsenenbildungsverbände. Die in der KEBÖ vertretenen zehn Bundes-Verbände sind autonom, nicht gewinnorientiert und leisten österreichweit kontinuierliche Bildungsarbeit. Der KEBÖ-Vorsitz wechselt alle zwei Jahre nach einem Rotationsprinzip zwischen den fünf größten teilnehmenden Verbänden.

Allein 2024 wurden 170.993 Veranstaltungen von der KEBÖ organisiert, wobei 5.078.280 Teilnahmen gezählt werden konnten. Diese beeindruckenden Zahlen verdeutlichen die bedeutende Rolle, die die Erwachsenenbildung in Österreich spielt.

Zukunftsausblick

Die Tagung hat deutlich gemacht, dass Bildung ein Schlüssel zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen ist. Die KEBÖ und ihre Mitgliedsorganisationen werden auch in Zukunft eine entscheidende Rolle dabei spielen, Bildung als Instrument des Friedens und des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu nutzen. Mit der neuen Struktur und den strategischen Partnerschaften ist die KEBÖ gut gerüstet, um den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen.

Insgesamt zeigt die Jahrestagung der KEBÖ, dass die Erwachsenenbildung in Österreich nicht nur ein wichtiger Bestandteil des Bildungssystems ist, sondern auch ein entscheidender Faktor für den gesellschaftlichen Frieden und Zusammenhalt. Durch den Austausch von Ideen und die Entwicklung neuer Strategien wird die KEBÖ weiterhin dazu beitragen, eine friedlichere und gerechtere Gesellschaft zu schaffen.

Schlagworte

#Bildungspolitik#Erwachsenenbildung#Frieden#KEBÖ#Konfliktlösung#Österreich#Zusammenhalt

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