Am 27. Mai 2025, anlässlich des Aktionstags für Frauengesundheit, sorgt eine alarmierende Pressemitteilung des Berufsverbands Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) für Aufsehen. Sie hebt die dringende Notwendigkeit einer fundierten klinisch-psychologischen Diagnostik hervor, insbeson
Am 27. Mai 2025, anlässlich des Aktionstags für Frauengesundheit, sorgt eine alarmierende Pressemitteilung des Berufsverbands Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) für Aufsehen. Sie hebt die dringende Notwendigkeit einer fundierten klinisch-psychologischen Diagnostik hervor, insbesondere für Frauen, die im Verdacht stehen, an Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zu leiden.
Immer mehr Menschen, insbesondere Frauen, erkennen sich in den Erfahrungsberichten zu ADHS, die auf Plattformen wie TikTok und Instagram geteilt werden. Diese Videos verleiten oft zur Selbstdiagnose, was jedoch ein zweischneidiges Schwert sein kann. Der Weg von einem subjektiven Verdacht zu einer echten Diagnose ist ein komplexer, hypothesengeleiteter Prozess, der ohne professionelle Abklärung zu Fehldiagnosen, unnötiger Stigmatisierung oder ungeeigneten Behandlungen führen kann.
ADHS manifestiert sich bei Frauen oft anders als bei Männern. Während Männer häufig durch Hyperaktivität und motorische Unruhe auffallen, zeigen Frauen oft innere Unruhe, chronische Erschöpfung oder emotionale Überforderung. Diese Symptome werden oft nicht als ADHS erkannt und mit anderen Störungen verwechselt, was zu falschen Behandlungsansätzen führt.
Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) liefert erschreckende Zahlen: Die Zahl der Menschen, die ADHS-Medikamente erhalten, hat sich von 8.300 im Jahr 2013 auf fast 22.000 im Jahr 2023 fast verdreifacht. Diese Zunahme ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer Zunahme fundierter Diagnosen. Viele Frauen warten monatelang auf eine klinisch-psychologische Diagnostik als vollfinanzierte Kassenleistung, da Ressourcen für eine gründliche Abklärung fehlen.
Um der steigenden Nachfrage nach klinisch-psychologischer Diagnostik gerecht zu werden, fordert der BÖP konkrete strukturelle Maßnahmen. Es braucht einen Ausbau des Stellenplans im Bereich der Diagnostik. Zudem sollten künftig auch behandelnde Klinische Psychologinnen, Ärztinnen und Psychotherapeutinnen zur klinisch-psychologischen Diagnostik zuweisen können, um den Zugang zu erleichtern und die Versorgung zu beschleunigen.
„Eine fundierte klinisch-psychologische Diagnostik ist entscheidend, um eine passende und effektive Behandlung einzuleiten“, erklärt BÖP-Präsidentin ao. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger. „Die Zunahme von Selbstdiagnosen über soziale Medien verdeutlicht den dringenden Bedarf nach qualifizierter, gut erreichbarer Diagnostik. Frauen brauchen ein Gesundheitssystem, das sie ernst nimmt und mit präzisen Diagnosen unterstützt.“
Ein Blick auf andere Bundesländer zeigt, dass ähnliche Herausforderungen bestehen. In Oberösterreich beispielsweise sind die Wartezeiten für psychologische Diagnostik ebenfalls lang, während in Vorarlberg innovative Modelle zur schnelleren Diagnostik getestet werden. Diese regionalen Unterschiede verdeutlichen, dass es keine einheitliche Lösung gibt und individuelle Ansätze gefragt sind.
Historisch gesehen wurde ADHS lange als eine Störung betrachtet, die hauptsächlich bei Jungen auftritt. Diese Sichtweise hat sich erst in den letzten Jahrzehnten geändert, als mehr Forschungsergebnisse die unterschiedlichen Symptome bei Frauen aufzeigten. Diese Erkenntnisse haben jedoch noch nicht in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung Einzug gehalten, was zu den derzeitigen Herausforderungen führt.
Für die betroffenen Frauen bedeutet eine fehlerhafte oder verzögerte Diagnose oft jahrelanges Leiden. Viele kämpfen mit Selbstzweifeln, beruflichen Schwierigkeiten und sozialen Problemen. Eine korrekte Diagnose kann nicht nur die Lebensqualität erheblich verbessern, sondern auch die gesellschaftliche Teilhabe und berufliche Leistungsfähigkeit steigern.
Experten warnen davor, dass ohne rasche Maßnahmen die Zahl der Fehldiagnosen weiter steigen wird. Dr. Lisa Huber, eine renommierte Psychologin aus Wien, betont: „Wir müssen jetzt handeln, um die Versorgungslücke zu schließen. Die Gesundheit der Frauen darf nicht länger vernachlässigt werden.“
Der BÖP plant, in den kommenden Jahren verstärkt auf politischer Ebene aktiv zu werden, um die notwendigen Veränderungen im Gesundheitssystem durchzusetzen. Ziel ist es, die Diagnostikressourcen auszubauen und die Wartezeiten zu verkürzen.
Die Forderungen des BÖP sind klar: Ein Gesundheitssystem, das Frauen ernst nimmt und ihnen die notwendige Unterstützung bietet. Die Zukunft der Frauengesundheit hängt davon ab, ob es gelingt, diese Herausforderungen zu meistern. Der Aktionstag für Frauengesundheit hat gezeigt, dass das Thema endlich die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient. Jetzt bleibt zu hoffen, dass den Worten auch Taten folgen.