Brückl warnt vor "ideologischer Abrissbirne" gegen das österreichische Schulsystem
Der freiheitliche Bildungssprecher Hermann Brückl übte heftige Kritik an Minister Wiederkehrs Bildungsreformen und warnt vor Qualitätsverlust.
In einer heftigen Debatte im österreichischen Nationalrat hat der freiheitliche Bildungssprecher Hermann Brückl die aktuellen Bildungsreformen von Minister Martin Wiederkehr (NEOS) scharf angegriffen. Im Rahmen einer Aktuellen Stunde warf Brückl der Regierung vor, mit "pinkem Etikettenschwindel" die Qualität des österreichischen Bildungssystems zu gefährden.
Bereits den Titel der parlamentarischen Debatte bezeichnete Brückl als "massiven Etikettenschwindel". Hinter vermeintlich positiv klingenden Begriffen wie "zukunftsfit" und "mutig" verberge sich lediglich eine "rein ideologisch motivierte pinke PR-Show", so der FPÖ-Politiker. Diese solle über den "bildungspolitischen Trümmerhaufen" hinwegtäuschen, den die aktuelle Regierung hinterlasse.
"Minister Wiederkehr setzt die ideologische Abrissbirne an das Fundament unserer Bildung an", kritisierte Brückl in seiner Rede. "Was uns hier als Modernisierung verkauft wird, ist ein frontaler Angriff auf die Bildungsqualität und ein Experiment auf dem Rücken unserer Kinder."
Besonders scharf kritisierte der freiheitliche Bildungssprecher die Art und Weise, wie die aktuellen Lehrplanreformen durchgeführt werden. Wiederkehr beschließe diese "im stillen Kämmerchen" ohne ausreichende Einbindung wichtiger Stakeholder wie Universitäten, Gymnasien und Wirtschaftsvertretern.
"Diese Praxisferne ist das Kernproblem", betonte Brückl. "Wer die Mahnungen der Lehrer, die Sorgen der Eltern und die Meinung von Experten so konsequent ignoriert, entzieht unserem Bildungssystem die Lebensgrundlage und gefährdet den Standort Österreich."
Einen besonderen Kritikpunkt sieht Brückl in den Plänen, bewährte Fächer wie Latein aus dem Lehrplan zu streichen. Diese Vorgehensweise bezeichnete er als "konterproduktiv und fahrlässig". Latein sei keineswegs ein "verstaubtes Relikt", sondern vielmehr "das Betriebssystem der europäischen Geistesgeschichte".
"Es ist die Basis für Logik, Systemdenken und analytische Tiefe", argumentierte der FPÖ-Politiker. "Wer glaubt, man könne KI-Kompetenz vermitteln, während man die Grundlagen des Denkens streicht, der will keine mündigen Denker, sondern oberflächliche Konsumenten. Das ist eine intellektuelle Entwaffnung der nächsten Generation!"
Massiven Widerstand kündigte Brückl gegen die diskutierten Pläne für eine sechsjährige Volksschule an. Diese Reform sieht er als "Trojanisches Pferd für die Einheits- und Gesamtschule". Das Ziel sei es, die Differenzierung im österreichischen Bildungssystem abzuschaffen und "die Leistung nach unten zu nivellieren".
"Das ist ein Kniefall vor der Mittelmäßigkeit und ein Schlag ins Gesicht für jedes begabte Kind in diesem Land", so Brückls deutliche Worte. Die FPÖ sieht in diesen Plänen eine Gefährdung des differenzierten österreichischen Bildungssystems, das unterschiedliche Begabungen und Neigungen berücksichtigt.
Als zentrales Problem im österreichischen Bildungssystem identifizierte Brückl die mangelnden Deutschkenntnisse vieler Schüler. Hier forderte er eine klare Prioritätensetzung: "Wenn Sie mutig wären, Herr Minister, würden Sie das Problem dort anpacken, wo es brennt: bei der Sprache! Unsere Forderung lautet: Erst Deutsch, dann Schule!"
Solange Kinder im Unterricht säßen, "die kein Wort verstehen", sei jede Debatte über moderne Unterrichtsmittel wie Tablets "reiner Hohn". Brückl warf der Regierung vor, sich in "Symboldebatten" zu verlieren, während die wirklichen Probleme ungelöst blieben.
Der FPÖ-Bildungssprecher listete eine Reihe von Problemen auf, die seiner Ansicht nach in österreichischen Schulen weiterhin bestehen: massive Sprachdefizite, ungelöste Integrationsfragen, zunehmende Disziplinprobleme und mangelnde Qualität bei Schulabgängern. Diese Herausforderungen würden durch die aktuellen Reformpläne nicht angegangen.
Stattdessen konzentriere sich die Regierung auf oberflächliche Maßnahmen und moderne Begrifflichkeiten, ohne die strukturellen Probleme des österreichischen Bildungssystems zu lösen.
Abschließend appellierte Brückl an eine Rückkehr zu bewährten pädagogischen Prinzipien. Schulen müssten wieder als "Orte begriffen werden, an denen Leistung, Fleiß und Disziplin wertgeschätzt werden". Diese Werte seien "die Motoren für sozialen Aufstieg" und dürften nicht aufgegeben werden.
In einer direkten Ansprache an Minister Wiederkehr zitierte Brückl ein lateinisches Sprichwort: "Errare humanum est, perseverare diabolicum – Irren ist menschlich, aber im Irrtum zu verharren, ist teuflisch!" Der Minister habe in Wien bereits bewiesen, dass sein bildungspolitischer Weg "in die Sackgasse führt".
Die schärfste Kritik richtete Brückl gegen die Pläne, die in Wien erprobten Bildungsreformen auf ganz Österreich auszuweiten. Dies sei "verantwortungslos gegenüber der nächsten Generation", so der FPÖ-Politiker.
Die Debatte im Nationalrat verdeutlicht die tiefen Gräben zwischen den politischen Lagern in der österreichischen Bildungspolitik. Während die NEOS auf Modernisierung und digitale Transformation setzen, fordert die FPÖ eine Rückbesinnung auf traditionelle Bildungswerte und die Lösung grundlegender Probleme wie Sprachdefizite.
Die parlamentarische Auseinandersetzung zeigt, dass die Bildungspolitik auch weiterhin eines der umstrittensten Themen in der österreichischen Politik bleiben wird. Die unterschiedlichen Vorstellungen über die Zukunft des Bildungssystems spiegeln dabei auch verschiedene gesellschaftspolitische Ansätze wider.