Dieringer warnt vor "Abtreibungstourismus" durch EU-Fördermittel
Die freiheitliche EU-Abgeordnete Elisabeth Dieringer übt scharfe Kritik an der EU-Kommissionsmitteilung "My Voice, My Choice".
Die Europäische Union sorgt mit ihrer jüngsten Kommissionsmitteilung zu "My Voice, My Choice" für politische Kontroversen. Die freiheitliche Europaabgeordnete Elisabeth Dieringer übt scharfe Kritik an dem Vorhaben und warnt vor weitreichenden Konsequenzen für die nationale Souveränität der Mitgliedsstaaten.
Die Kommissionsmitteilung zu "My Voice, My Choice" sieht vor, dass Mitgliedsstaaten den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) nutzen können, um den Zugang zu "legal verfügbaren" Gesundheitsleistungen zu verbessern. Dies schließt explizit auch Abtreibungsleistungen mit ein. Ein neues EU-Finanzinstrument sei dafür "nicht notwendig", heißt es in der offiziellen Mitteilung.
Die Initiative zielt darauf ab, einen Mechanismus zu schaffen, der Frauen Abtreibungen im Ausland ermöglicht oder finanziell absichert, wenn der Zugang im Heimatstaat eingeschränkt ist. Diese Regelung soll grenzüberschreitende Mobilität in Gesundheitsfragen fördern.
Elisabeth Dieringer sieht in diesem Vorhaben einen direkten Eingriff in nationale Kompetenzen. "Was hier als Frauenpolitik verkauft wird, ist in Wahrheit der nächste Griff Brüssels nach nationalen Zuständigkeiten und ein direkter Anreiz für Abtreibungstourismus", kritisiert die freiheitliche Europaabgeordnete.
Besonders die Finanzierungsmethode über bestehende EU-Fonds stößt auf Widerstand. "Das ist genau die Brüsseler Methode: Kein Gesetz, keine offene Grundsatzdebatte, aber dafür Milliarden-Fördertöpfe als Hebel für Ideologie. Der ESF+ ist kein Selbstbedienungsladen für linke Kulturkämpfe", so Dieringer in ihrer Stellungnahme.
Die FPÖ-Politikerin wirft der EU-Kommission vor, ein System des "Rechtsshopping" zu etablieren. "Das ist EU-weit organisiertes Rechtsshopping: Wer nationale Regeln nicht akzeptiert, soll sie künftig mit EU-Geld umgehen können. Das untergräbt demokratische Entscheidungen in den Mitgliedsstaaten", argumentiert Dieringer.
Diese Kritik bezieht sich auf die Befürchtung, dass Bürgerinnen systematisch die liberalsten Gesetze innerhalb der EU nutzen könnten, unabhängig von den Regelungen in ihren Heimatländern.
Die EU-Kommission verweist selbst darauf, dass Gesundheitspolitik und bioethische Entscheidungen nach Artikel 168 Absatz 7 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) in der Zuständigkeit der Mitgliedsstaaten liegen. Ein Finanzmechanismus dürfe nicht die nationalen Ordnungen oder ethischen Entscheidungen unterlaufen.
Dieringer sieht genau in diesem Punkt einen Widerspruch: "Genau dieses Unterlaufen passiert aber, wenn Brüssel Abtreibung als 'normale Gesundheitsdienstleistung' in Förderlogiken einbaut und damit politischen Druck erzeugt." Sie warnt vor einer schleichenden Ausweitung: "Heute ESF+, morgen die nächste 'Empfehlung', übermorgen die nächste Konditionalität."
Befürworter der Initiative argumentieren mit dem Slogan, dass diese Maßnahme "Leben retten" werde. Dieringer bezeichnet diese Wortwahl als "zynisch" und fordert stattdessen andere Prioritäten in der Frauenpolitik.
"Statt echte Hilfe für Frauen in Not auszubauen – Beratung, Unterstützung, Schutz, soziale Absicherung – wird ein moralisch aufgeladenes Lobbyprojekt durchgepeitscht. Das hat mit echter Frauenpolitik nichts zu tun", kritisiert die EU-Abgeordnete.
Die FPÖ-Politikerin plädiert für eine andere Schwerpunktsetzung in der EU-Politik: "Wer Solidarität ernst meint, investiert in Schwangerenhilfe, Familienförderung, Schutz vor Gewalt, medizinische Versorgung – und nicht in ein System, das Abtreibung über Grenzen hinweg politisch und finanziell attraktiv macht."
Diese Position reflektiert die grundsätzliche Haltung der FPÖ zu familienpolitischen Fragen und deren Finanzierung auf europäischer Ebene.
Die Debatte um "My Voice, My Choice" verdeutlicht fundamentale Spannungen zwischen europäischer Integration und nationaler Souveränität in ethisch sensiblen Bereichen. Während Befürworter eine harmonisierte Herangehensweise an Gesundheitsdienste befürworten, sehen Kritiker darin einen unzulässigen Eingriff in nationale Kompetenzen.
Die unterschiedlichen rechtlichen Regelungen zu Abtreibungen in den EU-Mitgliedsstaaten spiegeln historisch gewachsene kulturelle und religiöse Traditionen wider. Von sehr liberalen Gesetzen bis hin zu restriktiven Bestimmungen reicht das Spektrum der nationalen Regelungen.
Elisabeth Dieringer kündigte bereits an, dass die FPÖ sich gegen entsprechende EU-Initiativen stellen werde: "Die FPÖ wird jeder EU-Umwidmung von Steuergeld für diese Agenda entschieden entgegentreten."
Diese Positionierung fügt sich in die generelle EU-kritische Linie der Freiheitlichen Partei ein, die regelmäßig eine Stärkung nationaler Kompetenzen gegenüber europäischen Institutionen fordert.
Die Initiative "My Voice, My Choice" wird auch in der österreichischen Gesellschaft unterschiedlich bewertet. Während Frauenrechtsorganisationen oft eine Harmonisierung der Zugangsmöglichkeiten befürworten, warnen konservative Gruppen vor einer Aushöhlung nationaler Wertvorstellungen.
Die Finanzierung über EU-Mittel fügt der Debatte eine zusätzliche Dimension hinzu, da sie Fragen der demokratischen Legitimation und der angemessenen Verwendung von Steuergeldern aufwirft. Die Diskussion zeigt, wie komplex die Abwägung zwischen individuellen Rechten, nationaler Souveränität und europäischer Solidarität in ethisch kontroversen Bereichen ist.
Die weitere Entwicklung der Initiative wird zeigen, wie die EU mit derartigen Spannungsfeldern umgeht und ob Kompromisslösungen gefunden werden können, die sowohl die Vielfalt nationaler Ansätze respektieren als auch europäische Werte fördern.