Es ist ein Anblick, der das Herz eines jeden Tierfreundes schwer macht: Jedes Jahr im Herbst werden in Österreich zahllose Fohlen von ihren Müttern getrennt und auf den Märkten versteigert. Die kleinen Haflinger- und Norikerfohlen, die den Sommer in unbeschwerter Freiheit auf den Almen verbracht hab
Es ist ein Anblick, der das Herz eines jeden Tierfreundes schwer macht: Jedes Jahr im Herbst werden in Österreich zahllose Fohlen von ihren Müttern getrennt und auf den Märkten versteigert. Die kleinen Haflinger- und Norikerfohlen, die den Sommer in unbeschwerter Freiheit auf den Almen verbracht haben, stehen nun vor einem ungewissen Schicksal. Während einige von ihnen das Glück haben, von Tierschützern wie dem Verein Animal Spirit freigekauft zu werden, endet der Weg für viele andere in einem Mastbetrieb oder Schlachthof, oft im Ausland.
Die Fohlenmärkte, die traditionell im September und Oktober in verschiedenen Bundesländern wie Tirol, Salzburg, Oberösterreich und Kärnten stattfinden, sind ein fester Bestandteil des landwirtschaftlichen Kalenders. Doch was für die einen eine wirtschaftliche Notwendigkeit darstellt, ist für die anderen ein verheerendes Schicksal. Der Verein Animal Spirit, der seit 22 Jahren aktiv Fohlen freikauft, hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen jungen Tieren ein besseres Leben zu ermöglichen. Doch die Herausforderung ist enorm. „Jedes Jahr müssen wir mitansehen, wie die Fohlen versteigert werden. Es ist schrecklich. Was kann man da tun?“, fragte ein besorgter Urlauber in Mauterndorf, Salzburg, und sprach damit wohl vielen aus der Seele.
Die Zucht von Haflingern und Norikern ist in Österreich tief verwurzelt und hat eine lange Tradition. Die Empfehlung der Zuchtverbände, die Stuten nicht „leer stehen“ zu lassen, führt jedoch zu einer Überproduktion von Fohlen. Diese Überproduktion wird durch diverse EU- und AMA-Subventionen sowie Prämien für sogenannte „Elitefohlen“ finanziell unterstützt. Dadurch wird die Weiterzucht rentabel, aber die Kehrseite der Medaille ist die Notwendigkeit, die überschüssigen Fohlen zu verkaufen. Das führt dazu, dass viele Fohlen als „Schlachtvieh“ enden, ein Schicksal, das der Verein Animal Spirit seit Jahren zu verhindern sucht.
Dr. Franz-Joseph Plank, Obmann von Animal Spirit, erklärt: „Bereits seit 22 Jahren kaufen wir auf den verschiedenen Auktionen Fohlen frei, bewahren sie so vor einem traurigen Schicksal und vermitteln sie an ausgesuchte Privatplätze. Bei ca. 1.250 ist uns das in dieser Zeit schon gelungen, allein im letzten Jahr waren es 73 - ein neuer Rekord!“ Der Freikauf der Fohlen ist jedoch nur der erste Schritt. Es bedarf monatelanger Vorbereitung, um für die freigekauften Fohlen geeignete Lebensplätze in Österreich und Deutschland zu finden, die Transporte zu organisieren und die notwendigen Papiere zu beschaffen.
Die wirtschaftliche Seite der Fohlenmärkte ist komplex. Die Zucht von Pferden ist nicht nur ein kulturelles Erbe, sondern auch ein Geschäft, das durch staatliche Subventionen und Prämien für besonders „wertvolle“ Fohlen gefördert wird. Diese finanzielle Unterstützung macht die Zucht für Landwirte attraktiv, führt jedoch auch zu einer Überproduktion, die die Märkte überschwemmt und die Preise drückt. Ein Fohlen ist mittlerweile kaum mehr unter 1000 Euro zu bekommen, was die Freikäufe durch Tierschutzorganisationen wie Animal Spirit zu einer teuren Angelegenheit macht.
Animal Spirit fordert von der Politik, dass Pferde nicht mehr als „Nutztiere“ oder „Fleischlieferanten“ betrachtet werden. Ein Verbot der Tötung zur Fleischgewinnung, wie es für Hunde und Katzen seit Jahrzehnten selbstverständlich ist, soll auch für Pferde durchgesetzt werden. Diese Forderungen stoßen jedoch auf Widerstand, da sie tief in die wirtschaftlichen Interessen der Landwirtschaft eingreifen würden.
Die Zukunft der Fohlenmärkte hängt von vielen Faktoren ab. Eine Möglichkeit, das Leid der Fohlen zu lindern, besteht darin, die Nachfrage nach Fohlenfleisch zu reduzieren und alternative Einkommensquellen für die Landwirte zu schaffen. Bildung und Aufklärung könnten helfen, das Bewusstsein für das Schicksal der Fohlen zu schärfen und die Nachfrage nach ethisch vertretbaren Alternativen zu steigern.
Jeder Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Pferdezucht könnte dazu beitragen, das Leid der Fohlen zu verringern und eine Zukunft zu schaffen, in der diese Tiere nicht mehr als „Schlachtvieh“ enden müssen. Die Arbeit von Organisationen wie Animal Spirit zeigt, dass es Hoffnung gibt – und dass jeder Einzelne etwas tun kann, um zu helfen.