Am 12. Dezember 2025 fand in Wien die 47. Sitzung des Finanzmarktstabilitätsgremiums (FMSG) statt. Diese Sitzung war von großer Bedeutung für die österreichische Finanzlandschaft, da sie wichtige Entscheidungen und Empfehlungen für die kommenden Jahre enthielt. Besonders im Fokus standen der Antizyk
Am 12. Dezember 2025 fand in Wien die 47. Sitzung des Finanzmarktstabilitätsgremiums (FMSG) statt. Diese Sitzung war von großer Bedeutung für die österreichische Finanzlandschaft, da sie wichtige Entscheidungen und Empfehlungen für die kommenden Jahre enthielt. Besonders im Fokus standen der Antizyklische Kapitalpuffer und der sektorale Systemrisikopuffer für Gewerbeimmobilienkredite. Diese Instrumente sind entscheidend, um die Stabilität des Finanzmarktes in Österreich zu gewährleisten.
Der Antizyklische Kapitalpuffer (AZKP) ist ein Instrument, das von der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) genutzt wird, um die Kapitalanforderungen der Banken in Zeiten wirtschaftlicher Überhitzung zu erhöhen. Dies soll verhindern, dass die Banken in wirtschaftlich schwierigen Zeiten in Schwierigkeiten geraten. Aktuell empfiehlt das FMSG, diesen Puffer bei 0% der inländischen risikogewichteten Aktiva zu belassen. Dies bedeutet, dass die wirtschaftlichen Bedingungen in Österreich derzeit als stabil angesehen werden.
Der AZKP ist ein wichtiger Bestandteil der makroprudenziellen Politik, die darauf abzielt, systemische Risiken im Finanzsektor zu minimieren. Systemische Risiken sind Risiken, die das gesamte Finanzsystem betreffen können und nicht nur einzelne Institutionen. Das FMSG hat festgestellt, dass nur zwei der sechzehn Indikatoren auf erhöhte finanzzyklische Risiken hinweisen. Die Kredit-BIP-Lücke, ein wichtiger Indikator für finanzielle Ungleichgewichte, bleibt ebenfalls unter den kritischen Schwellenwerten.
Ein weiteres zentrales Thema der Sitzung war der sektorale Systemrisikopuffer für Gewerbeimmobilienkredite. Dieser Puffer soll die Resilienz des Bankensektors gegenüber Risiken aus Gewerbeimmobilienfinanzierungen stärken. Das FMSG empfiehlt, diesen Puffer auf 3,5% festzulegen und ihn in zwei Stufen anzuheben: zunächst auf 2% am 1. Juli 2026 und dann auf 3,5% ein Jahr später.
Die Entscheidung basiert auf der Einschätzung, dass sich die Systemrisiken aufgrund des verschlechterten wirtschaftlichen Umfelds erhöht haben. Die Eigenkapitalunterlegung von Gewerbeimmobilienkrediten hat sich durch die jüngste Novelle der EU-Verordnung zu den Eigenmittelanforderungen (CRR III) kaum verändert, was die Notwendigkeit eines stärkeren Puffers unterstreicht.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz verfolgt Österreich eine ähnliche Strategie zur Stabilisierung des Finanzmarktes. In Deutschland werden ähnliche Puffer eingesetzt, um die Bankenlandschaft zu stabilisieren, während die Schweiz bekannt für ihre strengen Eigenkapitalanforderungen ist. Diese internationalen Vergleiche zeigen, dass Österreich im Einklang mit den Best Practices anderer europäischer Länder steht.
Die Entscheidungen des FMSG haben direkte Auswirkungen auf die Kreditkosten und die Kreditvergabe in Österreich. Ein erhöhter Systemrisikopuffer könnte zu höheren Kreditkosten führen, was sich auf die Investitionstätigkeit von Unternehmen auswirken könnte. Allerdings zeigt das Impact-Assessment der OeNB, dass die Auswirkungen auf die Realwirtschaft gering sein werden. Dies ist eine beruhigende Nachricht für Unternehmer und Investoren, die sich um die Stabilität ihrer Finanzierungen sorgen.
Das Arbeitsprogramm des FMSG für 2026 sieht vor, sich weiterhin intensiv mit den systemischen Risiken aus Wohn- und Gewerbeimmobilienfinanzierungen zu beschäftigen. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf den Risiken bei Nichtbanken-Finanzintermediären liegen. Diese Maßnahmen sind entscheidend, um die finanzielle Stabilität in Österreich zu sichern und das Vertrauen in den Finanzsektor zu stärken.
Die Entscheidungen des FMSG werden langfristige Auswirkungen auf die Stabilität des österreichischen Finanzmarktes haben. Mit der schrittweisen Erhöhung des sektoralen Systemrisikopuffers wird erwartet, dass der Bankensektor widerstandsfähiger gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen wird. Dies ist besonders wichtig in einer Zeit, in der die globale Wirtschaft von Unsicherheiten geprägt ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die 47. Sitzung des FMSG wichtige Weichen für die Zukunft des österreichischen Finanzmarktes gestellt hat. Die Empfehlungen zum Antizyklischen Kapitalpuffer und zum sektoralen Systemrisikopuffer sind entscheidend, um die Stabilität und Resilienz des Finanzsektors zu gewährleisten. In den kommenden Jahren wird es darauf ankommen, diese Maßnahmen konsequent umzusetzen und die Entwicklungen im Finanzsektor genau zu beobachten.
Für weiterführende Informationen und detaillierte Analysen zu den aktuellen Entwicklungen im österreichischen Finanzmarkt besuchen Sie bitte die Website der OeNB.