Am 2. Februar 2026 sorgte der Forschungsverband der österreichischen Baustoffindustrie (FBI) mit einer kritischen Stellungnahme für Aufsehen. Die Pläne des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, den Sanierungsbonus ausschließlich auf den Heizkesseltausch zu fokuss
Am 2. Februar 2026 sorgte der Forschungsverband der österreichischen Baustoffindustrie (FBI) mit einer kritischen Stellungnahme für Aufsehen. Die Pläne des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, den Sanierungsbonus ausschließlich auf den Heizkesseltausch zu fokussieren, stoßen auf heftige Kritik. In der aktuellen Ankündigung sind neue Registrierungen und Förderanträge nur noch für den Heizkesseltausch möglich, während der Fenstertausch und die thermisch-energetische Sanierung auf das Jahr 2027 verschoben werden. Diese Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen für Gebäudeeigentümer und die Bauwirtschaft in Österreich.
Der Begriff 'Heizkesseltausch' bezeichnet den Austausch alter Heizkessel durch moderne, effizientere Modelle. Diese Maßnahme soll die Energieeffizienz von Gebäuden verbessern und den CO₂-Ausstoß reduzieren. Allerdings argumentiert der FBI, dass eine solche Fokussierung zu kurz greift. Die thermisch-energetische Sanierung der Gebäudehülle, also die Verbesserung der Dämmung und der Austausch von Fenstern, sei ein entscheidender Schritt zur Reduktion des Energieverbrauchs. Diese Maßnahmen führen zu einer dauerhaften Senkung des Heizwärmebedarfs und sind laut FBI eine notwendige Voraussetzung für den effizienten Einsatz moderner Heizsysteme.
Historisch betrachtet, hat Österreich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich an der Verbesserung der Energieeffizienz im Gebäudesektor gearbeitet. Die Sanierungsoffensive, die in regelmäßigen Abständen aufgelegt wird, hat das Ziel, Gebäudeeigentümer zu Investitionen in energieeffiziente Maßnahmen zu motivieren. Diese Offensive umfasst eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten, die von der Dämmung über den Fenstertausch bis hin zum Heizkesseltausch reichen. In der Vergangenheit wurde jedoch immer wieder kritisiert, dass die Mittelverteilung unausgewogen sei und zu einem Überangebot an Förderungen für den Heizkesseltausch geführt habe, während für umfassendere Sanierungsmaßnahmen oft nicht genügend Budget bereitgestellt wurde.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass auch in Deutschland und der Schweiz ähnliche Diskussionen geführt werden. In Deutschland gibt es seit Jahren Förderprogramme, die sowohl den Heizkesseltausch als auch die thermische Sanierung unterstützen. Die deutsche Bundesregierung hat erkannt, dass eine Kombination aus beiden Maßnahmen notwendig ist, um die Klimaziele zu erreichen. In der Schweiz hingegen liegt der Fokus stärker auf der Sanierung der Gebäudehülle, da diese als besonders effektiv zur Reduktion des Energieverbrauchs gilt. Diese Beispiele zeigen, dass eine ausgewogene Förderpolitik entscheidend ist, um langfristige Erfolge zu erzielen.
Die aktuelle Entscheidung des Ministeriums hat konkrete Auswirkungen auf Gebäudeeigentümer und die Bauwirtschaft in Österreich. Viele Eigentümer, die bereits mit Sanierungsplänen gerechnet hatten, sehen sich nun gezwungen, ihre Investitionen zu verschieben. Dies führt zu Unsicherheit und kann dazu führen, dass geplante Projekte gestoppt werden. Für die Bauwirtschaft bedeutet dies eine potenzielle Unsicherheit in der Auftragslage, was sich negativ auf die Beschäftigungssituation auswirken könnte. Der FBI warnt davor, dass diese Unsicherheiten langfristig zu einem Rückgang der Investitionsbereitschaft führen könnten, was wiederum die Erreichung der Klimaziele gefährdet.
Eine vom FBI beauftragte Studie von em. o.Univ.-Prof. Dr. Friedrich Schneider von der JKU Linz zeigt, dass Investitionen in die thermische Sanierung besonders hohe gesamtwirtschaftliche Effekte haben. Fördermittel in diesem Bereich lösen ein Vielfaches an Wertschöpfung im Inland aus und sichern zehntausende Arbeitsplätze entlang der Bau- und Baustoffwertschöpfungskette. Zudem führen diese Investitionen zu höheren Steuer- und Abgabenrückflüssen, als der Staat an Förderung einsetzt. Diese Zahlen verdeutlichen die Bedeutung einer ausgewogenen Förderpolitik, die sowohl den Heizkesseltausch als auch die thermische Sanierung berücksichtigt.
In Zukunft wird es entscheidend sein, eine Förderpolitik zu etablieren, die sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt. Der FBI fordert eine ausgewogene Mittelverteilung zwischen Heiztechnik und thermischer Sanierung sowie eine klare Priorisierung von Maßnahmen mit hoher CO₂- und Wertschöpfungswirkung. Nur so kann eine nachhaltige und effiziente Energiewende im Gebäudesektor gelingen. Es bleibt abzuwarten, wie die österreichische Regierung auf die Kritik reagieren wird und ob es zu einer Anpassung der Fördermaßnahmen kommt. Klar ist jedoch, dass eine stabile und planbare Förderpolitik notwendig ist, um die Klimaziele zu erreichen und die Bauwirtschaft zu stärken.
Die Diskussion um die Neuausrichtung der Fördermaßnahmen zeigt, wie wichtig eine ausgewogene und langfristig angelegte Politik im Bereich der Gebäudesanierung ist. Der Forschungsverband der österreichischen Baustoffindustrie hat mit seiner Kritik einen wichtigen Impuls gesetzt, der hoffentlich zu einem Umdenken und einer Anpassung der Förderpolitik führen wird. Für Gebäudeeigentümer und die Bauwirtschaft bleibt zu hoffen, dass die Regierung auf die Kritik reagiert und eine Lösung findet, die sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Website des FBI.