Österreichischer Energiekonzern investiert eine Milliarde Euro jährlich in Energiewende
EVN verzeichnet im ersten Quartal 2025/26 Umsatzwachstum von 3,3% und bestätigt Jahresprognose trotz niedriger Wind- und Wasserkraft-Erträge.
Der niederösterreichische Energiekonzern EVN AG hat seine Geschäftszahlen für das erste Quartal 2025/26 vorgelegt und zeigt sich trotz herausfordernder Marktbedingungen auf Kurs. Mit einem Umsatzanstieg von 3,3 Prozent auf 830,7 Millionen Euro übertraf das Unternehmen die Erwartungen, obwohl Wind- und Wasserkrafterträge unter dem langjährigen Durchschnitt lagen.
Das Umsatzplus ist hauptsächlich auf regulatorische Preisanpassungen in den Verteilnetzbetrieben in Niederösterreich und Bulgarien zurückzuführen. Gleichzeitig musste EVN jedoch preis- und volumenbedingte Rückgänge bei den Erlösen aus erneuerbarer Stromerzeugung verkraften. Ein weiterer Dämpfer war das Auslaufen des Vertrags zur Bereitstellung von Reservekapazität aus dem Kraftwerk Theiss, der vom Übertragungsnetzbetreiber APG nicht verlängert wurde.
"Die Geschäftsentwicklung im ersten Quartal verlief erwartungsgemäß", kommentierte das Unternehmen die Zahlen. Trotz kälterer Witterung in Österreich lagen die Erzeugungskoeffizienten für Wind und Wasser deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt und dem Vorjahresniveau.
Das EBITDA sank um 2,2 Prozent auf 247,4 Millionen Euro, während das EBIT um 7,8 Prozent auf 153,2 Millionen Euro zurückging. Hauptgrund hierfür waren gestiegene planmäßige Abschreibungen um 8,4 Prozent auf 94,2 Millionen Euro, bedingt durch das hohe Investitionsvolumen des Unternehmens.
Positiv entwickelte sich hingegen das Konzernergebnis, das um 9,8 Prozent auf 126,9 Millionen Euro zulegte. Dies ist unter anderem auf ein verbessertes Finanzergebnis und niedrigere Steueraufwendungen zurückzuführen. Im Vorjahresvergleichszeitraum war das Finanzergebnis durch einen Fremdwährungseffekt im Zusammenhang mit einer Entkonsolidierung negativ beeinflusst worden.
EVN setzt konsequent auf die Transformation des Energiesystems und investiert im Rahmen der Strategie 2030 durchschnittlich eine Milliarde Euro pro Jahr. Rund vier Fünftel dieser Investitionen fließen nach Niederösterreich und konzentrieren sich auf Netzinfrastruktur, erneuerbare Energieerzeugung, Großbatteriespeicher, E-Ladeinfrastruktur und Trinkwasserversorgung.
Die Nettoverschuldung stieg zum 31. Dezember 2025 auf 1.326,5 Millionen Euro, was saisonal durch höhere Forderungen aus dem Energiegeschäft bedingt ist. EVN legt großen Wert auf ein exzellentes Kreditrating und arbeitet mit zwei internationalen Ratingagenturen zusammen, um Ratings im soliden A-Bereich zu erhalten.
Trotz unterdurchschnittlicher Wind- und Wasserverhältnisse setzte EVN den Ausbau der erneuerbaren Energien erfolgreich fort. Die installierte Kapazität für erneuerbare Stromerzeugung stieg um 42 MW, während die Batteriespeicherkapazität auf 12 MW ausgebaut wurde. Zum Stichtag verfügte EVN über insgesamt 1.022 MW installierte Kapazität für erneuerbare Stromerzeugung.
"Eine gut gefüllte Projektpipeline gewährleistet die Erreichung der Ausbauziele für Windkraft (770 MW), Photovoltaik (300 MWp) und Batteriespeicher (300 MW) bis 2030", betonte das Unternehmen. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Gesamterzeugung lag bei 80,8 Prozent, gegenüber 79,7 Prozent im Vorjahr.
Mit dem Geschäftsjahr 2025/26 wurde das Umweltgeschäft nicht mehr als separates Segment ausgewiesen. EVN Wasser, zuständig für die Trinkwasserversorgung in Niederösterreich, wurde dem Netz-Segment zugeordnet. In Reisenberg im Industrieviertel wird planmäßig die bereits achte natürliche Filteranlage errichtet, deren Inbetriebnahme für Sommer 2026 geplant ist.
Der im Juni 2025 unterzeichnete Vertrag mit STRABAG über den Verkauf des internationalen Projektgeschäfts soll bis Ende März 2026 vollzogen werden. Diese strategische Entscheidung ermöglicht EVN, sich noch stärker auf die Kernmärkte zu konzentrieren.
Trotz der herausfordernden Marktbedingungen bestätigte EVN die Prognose für das Geschäftsjahr 2025/26. Das Unternehmen erwartet EBITDA und Konzernergebnis etwa auf Vorjahresniveau, wobei das Konzernergebnis zwischen 430 und 480 Millionen Euro liegen soll. Diese Prognose basiert auf der Annahme eines stabilen regulatorischen und energiepolitischen Umfelds.
Das Marktumfeld für Energieunternehmen bleibt komplex. In Österreich lag der temperaturbedingte Energiebedarf im ersten Quartal deutlich über dem langjährigen Durchschnitt, während die durchschnittlichen Spot-Großhandelspreise für Grundlaststrom leicht unter dem Vorjahresniveau lagen. Die Stromabsatzvolumen werden weiterhin durch starken Wettbewerb und zunehmende Eigenversorgung der Kunden mit Photovoltaik- und Batteriespeichersystemen negativ beeinflusst.
EVN zeigt sich dennoch optimistisch und sieht in der konsequenten Umsetzung der Energiewende-Strategie eine klare Wachstumsperspektive. Das ambitionierte Investitionsprogramm soll nicht nur zur Transformation des Energiesystems beitragen, sondern auch als stabiler Wirtschaftsfaktor für die Energiezukunft Österreichs fungieren.