Am 14. Mai 2026 verwandelt sich das Belvedere 21 in Wien in einen bunten Schauplatz der Vielfalt: Anlässlich des Eurovision Song Contest veranstaltet das renommierte Kunstmuseum ein außergewöhnlich...
Am 14. Mai 2026 verwandelt sich das Belvedere 21 in Wien in einen bunten Schauplatz der Vielfalt: Anlässlich des Eurovision Song Contest veranstaltet das renommierte Kunstmuseum ein außergewöhnliches Public Viewing mit umfangreichem queeren Programm. Von 16 Uhr bis nach Mitternacht erwartet Besucher*innen bei freiem Eintritt eine einzigartige Mischung aus Kunst, Musik und Eurovision-Fieber. Das Event markiert gleichzeitig den Auftakt zur diesjährigen Ausgabe von "Queering the Belvedere", einer Programmreihe, die seit 2021 für Vielfalt und Toleranz eintritt.
Das Belvedere 21 schlägt mit diesem Event eine Brücke zwischen hochkarätiger Kunst und populärer Kultur. Während das zweite Halbfinale des Eurovision Song Contest auf großer Leinwand übertragen wird, können Besucher*innen gleichzeitig die aktuellen Ausstellungen von Sandra Mujinga, Sue Williams und Friedl Kubelka / vom Gröller kostenfrei besichtigen. Diese Kombination ist in der österreichischen Museumslandschaft einzigartig und zeigt, wie traditionelle Kulturinstitutionen neue Zielgruppen ansprechen können.
Sandra Mujinga, eine der gefeierten Künstlerinnen der Gegenwart, zeigt im Belvedere 21 Werke, die sich mit Identität und Transformation auseinandersetzen – Themen, die auch beim Eurovision Song Contest eine zentrale Rolle spielen. Die amerikanische Künstlerin Sue Williams ist bekannt für ihre kraftvollen, oft provokanten Gemälde, die gesellschaftliche Normen hinterfragen. Friedl Kubelka / vom Gröller, eine Pionierin der österreichischen Avantgarde-Fotografie, ergänzt das Ausstellungsprogramm mit ihren experimentellen Arbeiten aus sechs Jahrzehnten künstlerischen Schaffens.
Ein besonderer Höhepunkt des Abends ist der Vortrag des Historikers Dean Vuletic, der die politische Dimension des Eurovision Song Contest und dessen Bedeutung für die queere Community beleuchtet. Vuletic, ein anerkannter Experte für die Geschichte des Musikwettbewerbs, wird um 18 Uhr aufzeigen, wie der ESC seit seiner Gründung 1956 nicht nur musikalische, sondern auch gesellschaftliche Grenzen überschritten hat.
Der Eurovision Song Contest hat sich über die Jahrzehnte von einem einfachen Musikwettbewerb zu einem kulturellen Phänomen entwickelt, das weit über die Grenzen Europas ausstrahlt. Besonders für die LGBTIQ+-Community ist der ESC zu einem Symbol für Selbstausdruck und Akzeptanz geworden. Künstler*innen wie Conchita Wurst, die 2014 für Österreich siegte, oder Dana International, die 1998 für Israel gewann, haben den Wettbewerb genutzt, um Botschaften der Toleranz und Vielfalt zu verbreiten.
In Österreich hat der Eurovision Song Contest eine besondere Tradition. Das Land nimmt seit 1957 fast ununterbrochen teil und konnte bisher zweimal gewinnen: 1966 mit Udo Jürgens und "Merci, Chérie" sowie 2014 mit Conchita Wurst und "Rise Like a Phoenix". Der Sieg von Conchita Wurst war dabei nicht nur ein musikalischer Triumph, sondern auch ein wichtiges Signal für die Rechte von LGBTIQ+-Personen in Europa.
Ein zentraler Bestandteil des Abends ist der Auftritt von Bernadette La Hengst mit dem "Chor der schönen Aussichten". Dieser besondere Chor wurde im März 2026 im Rahmen des Community-Outreach-Programms des Belvedere 21 gegründet und versteht sich als offenes Format für alle singbegeisterten Menschen, unabhängig von musikalischer Vorerfahrung oder Können.
Bernadette La Hengst, eine renommierte deutsche Musikerin und Performance-Künstlerin, hat sich über die Jahre einen Namen als Grenzgängerin zwischen verschiedenen Kunstformen gemacht. Ihre Arbeit verbindet Musik, Theater und gesellschaftspolitisches Engagement. Mit dem Chor der schönen Aussichten präsentiert sie um 19 Uhr erstmals öffentlich einen gemeinschaftlich entwickelten Song. Bereits ab 15 Uhr können Interessierte an einer offenen Chorprobe teilnehmen und selbst Teil der Performance werden.
Das Konzept des Community-Chors spiegelt die demokratischen Ideale des Eurovision Song Contest wider, bei dem es nicht nur um professionelle Perfektion, sondern auch um Teilhabe und Gemeinschaftsgefühl geht. Solche partizipativen Kunstprojekte werden in österreichischen Museen immer beliebter, da sie neue Wege der Kulturvermittlung eröffnen und Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammenbringen.
Das Herzstück des Abends beginnt um 21 Uhr mit dem kommentierten Public Viewing des zweiten Eurovision-Halbfinales. MC Denice Bourbon, eine bekannte Größe der österreichischen Drag-Szene, wird das Geschehen auf der Bühne mit ihrem charakteristischen Humor und ihrer fundierten Kenntnis der ESC-Geschichte begleiten.
Denice Bourbon hat sich in Wien als eine der wichtigsten Vertreter*innen der Drag-Kultur etabliert und verkörpert die Verbindung zwischen Kunst und Entertainment, die auch den Eurovision Song Contest ausmacht. Ihre Moderation verspricht sowohl informativ als auch unterhaltsam zu werden, da sie die Darbietungen der verschiedenen Länder in den Kontext der queeren Kultur einordnen wird.
Der Eurovision-Abend markiert den Auftakt zur diesjährigen Ausgabe von "Queering the Belvedere", einer Programmreihe, die das Belvedere seit 2021 veranstaltet. Diese Initiative setzt bewusst ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Respekt vor Unterschiedlichkeit in der österreichischen Museumslandschaft und darüber hinaus.
Das Konzept des "Queering" – auf Deutsch etwa "Hinterfragen von Normen" – stammt aus der Genderforschung und beschreibt den Prozess, etablierte Kategorien und Erwartungen zu durchbrechen. Im Museumskontext bedeutet dies, traditionelle Sichtweisen auf Kunst und Geschichte zu erweitern und neue Perspektiven zu eröffnen. Das Belvedere nutzt diese Herangehensweise, um seine Sammlung und seine Programme für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen.
Von Mai bis Ende Juni 2026 wird an allen drei Standorten des Belvedere – dem Oberen und Unteren Belvedere sowie dem Belvedere 21 – die Regenbogenfahne gehisst. Diese sichtbare Solidaritätsgeste unterstreicht das Engagement der Institution für die Rechte von LGBTIQ+-Personen und macht das Museum zu einem sicheren Raum für alle Besucher*innen.
Im Juni folgen weitere Programmpunkte der Reihe "Queering the Belvedere". Am 8. und 16. Juni bieten der Kunsthistoriker Kero Fichter und die Kunstvermittlerin Francesca Liva spezielle Touren zu Wien um 1900 und zu den Avantgarden der 1920er- bis 1970er-Jahre an. Diese Führungen beleuchten queere Lebenswelten und künstlerische Positionen in der österreichischen Kunst- und Kulturgeschichte.
Am 11. Juni präsentiert das Belvedere 21 in Kooperation mit sixpackfilm ein Filmprogramm mit Werken von Emil Huppenkothen, Marie Luise Lehner, Tibor Koehne, Rom Sheratzky und Jan Soldat. Diese zeitgenössischen Filmkünstler*innen setzen sich in ihren Arbeiten mit Fragen von Identität, Sexualität und gesellschaftlichen Normen auseinander.
Den Abschluss bilden eine "Free Friday Night" am 12. Juni im Oberen Belvedere und ein "Collective Radical Crafting"-Workshop am 18. Juni im Belvedere 21. Letzterer verbindet handwerkliche Techniken mit politischem Aktivismus und lädt zur gemeinsamen Gestaltung ein.
Die Initiative "Queering the Belvedere" ist Teil einer größeren Bewegung in der österreichischen Kulturlandschaft, die sich für mehr Diversität und Inklusion einsetzt. Das Belvedere, als eines der wichtigsten Kunstmuseen Österreichs, nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein und zeigt, wie traditionelle Kulturinstitutionen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen können.
In einer Zeit, in der LGBTIQ+-Rechte in verschiedenen europäischen Ländern unter Druck stehen, senden solche kulturellen Initiativen wichtige Signale. Sie machen deutlich, dass Vielfalt und Toleranz nicht nur abstrakte Werte sind, sondern gelebte Realität in der österreichischen Gesellschaft. Das kostenlose Angebot ermöglicht es Menschen aller sozialen Schichten, an diesen wichtigen Diskursen teilzuhaben.
Die Verbindung mit dem Eurovision Song Contest ist dabei besonders geschickt gewählt, da dieser Wettbewerb bereits eine große queere Fanbase hat und als Plattform für Selbstausdruck und Toleranz gilt. Durch die Kombination mit hochkarätiger Kunst und wissenschaftlichen Vorträgen wird der populäre Appeal des ESC genutzt, um tiefergehende kulturelle und gesellschaftliche Fragen zu diskutieren.
Das gesamte Programm am 14. Mai 2026 ist bei freiem Eintritt zugänglich, was das Event für alle gesellschaftlichen Schichten öffnet. Kostenlose Tickets können über die Website des Belvedere unter www.belvedere.at/programm reserviert werden. Das Belvedere 21 befindet sich in der Arsenalstraße 1 im 3. Wiener Gemeindebezirk und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar.
Für Besucher*innen, die früh kommen möchten, beginnt das Programm bereits um 15 Uhr mit der offenen Chorprobe. Wer sich für die Geschichte des Hauses interessiert, kann an den geführten Rundgängen um 16.30, 17.30 oder 20 Uhr teilnehmen, die sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache angeboten werden.
Die Veranstaltung zeigt eindrucksvoll, wie sich die österreichische Museumslandschaft weiterentwickelt und neue Formate erprobt, um relevante gesellschaftliche Themen zu adressieren. Das Belvedere 21 positioniert sich damit als progressiver Kulturort, der Tradition und Innovation erfolgreich verbindet und wichtige Impulse für den gesellschaftlichen Diskurs setzt.