Die jüngsten Umfrageergebnisse der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) zeichnen ein düsteres Bild der EU-Stimmung in Österreich. Laut der Umfrage, die zwischen dem 5. und 9. September 2025 durchgeführt wurde, sind nur noch 61 Prozent der Österreicher der Meinung, dass ihr Land Mit
Die jüngsten Umfrageergebnisse der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) zeichnen ein düsteres Bild der EU-Stimmung in Österreich. Laut der Umfrage, die zwischen dem 5. und 9. September 2025 durchgeführt wurde, sind nur noch 61 Prozent der Österreicher der Meinung, dass ihr Land Mitglied der Europäischen Union bleiben sollte. Diese Zahl steht im krassen Gegensatz zu den 76 Prozent, die noch vor einem Jahr, unmittelbar nach den Europawahlen, eine EU-Mitgliedschaft befürworteten.
Paul Schmidt, Generalsekretär der ÖGfE, führt die schwindende Zustimmung zur EU auf mehrere Faktoren zurück. Die angespannte geopolitische Lage, gepaart mit einer schwächelnden Wirtschaft und hartnäckig hohen Inflationsraten, trägt maßgeblich zur Verunsicherung der Bevölkerung bei. Die starke Präsenz europakritischer Stimmen verstärkt diesen Trend zusätzlich. „Die EU kämpft darum, sich im Konzert der Mächtigen zu behaupten, doch die Zuversicht der Österreicher ist begrenzt“, so Schmidt.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft in Österreich schon einmal deutlich höher war. Im Herbst 1999, in einer Phase positiver wirtschaftlicher Entwicklung und im Sommer 2002, nach der Einführung des Euro, erreichten die Zustimmungswerte mit 82 Prozent ihren Höhepunkt. Doch auch Zeiten der Krise sind nicht neu: Im Sommer 2008, nach dem irischen Nein zum Vertrag von Lissabon, und im Sommer 2015, als der Flüchtlingszustrom die EU überforderte, sank die Zustimmung auf 67 Prozent.
Ein weiteres Element der Verunsicherung ist die kürzlich geschlossene Zollvereinbarung zwischen den USA und der EU. Diese sieht vor, dass auf die meisten EU-Exportprodukte in die Vereinigten Staaten ein Zollsatz von 15 Prozent erhoben wird. In Österreich stößt dieses Abkommen auf wenig Gegenliebe: 54 Prozent der Befragten halten es für schlecht, da es die europäische Wirtschaft zu stark belaste. Nur 27 Prozent sehen darin einen positiven Schritt zur Vermeidung eines Handelskrieges.
Ein Wirtschaftsexperte, der anonym bleiben möchte, erklärt: „Die Belastung durch die Zölle könnte die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Exporteure erheblich beeinträchtigen. Langfristig könnte dies zu einem Rückgang der Produktionszahlen und damit zu einem Verlust von Arbeitsplätzen führen.“
Die Diskussion um das Freihandelsabkommen MERCOSUR mit Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Uruguay spaltet die österreichische Bevölkerung. Während 35 Prozent der Befragten das Abkommen befürworten, lehnen es 33 Prozent ab. Die restlichen 31 Prozent sind unentschlossen. „Das Thema Freihandel ist in Österreich traditionell umstritten und mit vielen Emotionen verbunden“, sagt Schmidt. Angesichts der geopolitischen Entwicklungen wäre es jedoch sinnvoll, die Debatte wieder auf die Tagesordnung zu setzen.
Schmidt betont die Notwendigkeit, die Diskussion über Freihandelsabkommen auf Fakten zu stützen, anstatt sie von Emotionen leiten zu lassen. „Bereits jetzt sind weltweit über 40 Handelsabkommen der EU mit über 70 Ländern in Kraft. Eine weitere Diversifizierung der Handelsbeziehungen wäre in Zeiten des zunehmenden Protektionismus sinnvoll und notwendig“, erklärt er.
Auch die Frage der europäischen Unterstützung für die Ukraine im Konflikt mit Russland zeigt ein gespaltenes Meinungsbild. 46 Prozent der Österreicher halten diese Unterstützung für wichtig, während 43 Prozent sie als eher unwichtig erachten. „Die innenpolitische Debatte spiegelt das ambivalente Meinungsbild wider“, sagt Schmidt. Während die österreichische Regierung die Unterstützung für die Ukraine befürwortet, fordert die stärkste Oppositionspartei eine Reduzierung dieser Hilfe.
In der Diskussion um die Unterstützung der Ukraine wird auch die militärische Neutralität Österreichs hinterfragt. „Es fehlt eine sicherheitspolitische Auseinandersetzung darüber, wie Österreich seine neutrale Rolle in Zeiten grundlegender geopolitischer Veränderungen weiterentwickeln sollte“, meint Schmidt. Mehr Mut und Offenheit seien hier gefragt.
Um die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft in Österreich wieder zu steigern, braucht es laut Schmidt eine stärkere Union, die in der Lage ist, Wohlstand und Sicherheit zu gewährleisten. „Die EU muss auf der Weltbühne ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen“, fordert er.
Ein politischer Analyst erklärt: „Die EU steht vor der Herausforderung, ihre Position in einer sich schnell verändernden Welt zu behaupten. Um dies zu erreichen, muss sie ihre internen Differenzen überwinden und geschlossen auftreten.“
Die Umfrageergebnisse der ÖGfE sind ein Weckruf für die europäische Politik. Sie zeigen, dass es dringenden Handlungsbedarf gibt, um das Vertrauen der Bürger in die EU zu stärken. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um die Weichen für eine positive Zukunft zu stellen.