Am heutigen 25. November 2025 steht Europa vor einer entscheidenden Weichenstellung. In Brüssel laufen die Verhandlungen über eine neue Verordnung zur Produktion und Vermarktung von Pflanzenvermehrungsmaterial auf Hochtouren. Eine breite Allianz aus Saatgut-Initiativen, Umweltorganisationen, Landwir
Am heutigen 25. November 2025 steht Europa vor einer entscheidenden Weichenstellung. In Brüssel laufen die Verhandlungen über eine neue Verordnung zur Produktion und Vermarktung von Pflanzenvermehrungsmaterial auf Hochtouren. Eine breite Allianz aus Saatgut-Initiativen, Umweltorganisationen, Landwirt:innen und Züchter:innen warnt vor gravierenden Folgen, sollte das neue EU-Saatgutrecht keine wesentlichen Verbesserungen für die Agrobiodiversität und die Rechte der Landwirt:innen vorsehen.
Das aktuelle Sortenzulassungssystem ist von strengen Uniformitätsvorschriften geprägt, die es erschweren, vielfältige lokale Sorten zu vermarkten. Der Vorschlag der dänischen Ratspräsidentschaft beschränkt die Vermarktungsmöglichkeiten neuer Sorten auf Obst und Gemüse, während andere Kulturen wie Getreide und Ölpflanzen außen vor bleiben sollen. Diese Einschränkungen könnten die landwirtschaftliche Vielfalt und damit die Ernährungssouveränität Europas gefährden.
Historisch gesehen hat die EU stets versucht, einheitliche Standards für die Landwirtschaft zu schaffen. Doch die aktuelle Debatte zeigt, dass diese Standards oft zu starr sind und die Vielfalt der europäischen Landwirtschaft nicht ausreichend berücksichtigen. Im Vergleich zu Ländern wie Deutschland und der Schweiz, die teilweise flexiblere Regelungen haben, könnte Österreich bei einer strikten Umsetzung des neuen Saatgutrechts Nachteile erleiden.
In Deutschland gibt es beispielsweise Initiativen, die sich für die Erhaltung und Förderung von Kultursorten einsetzen. Auch die Schweiz hat in der Vergangenheit gezeigt, dass ein flexiblerer Umgang mit Saatgutrechten möglich ist, um die Vielfalt zu schützen.
Die Auswirkungen auf die österreichische Landwirtschaft wären erheblich. Heimische Saatgutproduzent:innen könnten ihre Arbeit nicht mehr in gewohntem Umfang fortsetzen. Landwirt:innen wären gezwungen, auf ein eingeschränktes Sortiment an Saatgut zurückzugreifen, was die Anpassung an klimatische Veränderungen erschwert. Konsument:innen müssten auf regionale Spezialitäten verzichten, die bisher für ihre Qualität und Vielfalt geschätzt wurden.
Laut einer von ARCHE NOAH initiierten Petition haben über 200.000 Menschen ihre Unterschrift gegen die aktuelle Ratsposition gegeben. Diese breite Unterstützung zeigt, wie wichtig das Thema für die Bevölkerung ist. Die Petition fordert, dass die Weitergabe von Vermehrungsmaterial zum Zweck der Erhaltung der Vielfalt weiterhin erlaubt bleibt.
Magdalena Prieler, Saatgutrechts-Expertin von ARCHE NOAH, warnt vor einem Innovationsverbot, das durch die neuen Regelungen entstehen könnte. Sie fordert, dass die Politik die Tragweite eines neuen Saatgutrechts erkennt und sich nicht den Vorgaben der Agrochemie-Konzerne unterwirft.
Die Zukunft der europäischen Landwirtschaft hängt maßgeblich von den Entscheidungen der kommenden Tage ab. Sollte der Rat der Landwirtschaftsminister:innen seinen Kurs nicht korrigieren, droht ein Verlust der Agrobiodiversität und eine Schwächung der Ernährungssouveränität. Ein Umdenken könnte jedoch die Möglichkeit eröffnen, ein flexibles und zukunftsfähiges Saatgutsystem zu etablieren, das sowohl den Herausforderungen der Klimakrise als auch den Bedürfnissen der Landwirt:innen gerecht wird.
Die nächsten Tage sind entscheidend für die Zukunft der europäischen Landwirtschaft. Es liegt an den Entscheidungsträger:innen, die Weichen für eine nachhaltige und vielfältige Agrarwirtschaft zu stellen. Die breite Unterstützung aus der Bevölkerung und von Fachorganisationen zeigt, dass die Zeit für eine Kurskorrektur gekommen ist. Weitere Informationen und die Liste der unterzeichnenden Organisationen finden Sie unter www.arche-noah.at/jointletteronprm.