Zurück
OTS-MeldungÖsterreich/Bischofskonferenz/Pressekonferenz/Aviso/Kirche/Medien

Erzbischof Lackner stellt Ergebnisse der Bischofskonferenz vor

12. März 2026 um 11:33
Teilen:

Die österreichische Kirchenlandschaft steht vor wichtigen Weichenstellungen: Nach vier Tagen intensiver Beratungen der Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz im oststeirischen St. J...

Die österreichische Kirchenlandschaft steht vor wichtigen Weichenstellungen: Nach vier Tagen intensiver Beratungen der Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz im oststeirischen St. Johann bei Herberstein wird Salzburgs Erzbischof Franz Lackner am Freitag, den 13. März, die Ergebnisse präsentieren. Die um 10 Uhr angesetzte Pressekonferenz im Wiener "Club Stephansplatz 4" verspricht Einblicke in die aktuellen Herausforderungen und Zukunftspläne der katholischen Kirche in Österreich.

Vollversammlung der Bischofskonferenz: Zentrale Entscheidungsfindung

Die Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz ist das höchste Entscheidungsgremium der katholischen Kirche in Österreich. Alle zwei Mal pro Jahr treffen sich die Bischöfe aller neun Diözesen sowie die Weihbischöfe zu mehrtägigen Beratungen. Die Österreichische Bischofskonferenz wurde bereits 1849 gegründet und zählt damit zu den ältesten nationalen Bischofskonferenzen weltweit. Sie koordiniert die pastorale Arbeit, behandelt gesellschaftliche Fragen und vertritt die katholische Kirche gegenüber staatlichen Institutionen.

Franz Lackner, seit 2013 Erzbischof von Salzburg und seit 2020 Vorsitzender der Bischofskonferenz, steht einer Institution vor, die etwa 4,9 Millionen Katholiken in Österreich repräsentiert. Das entspricht rund 55 Prozent der österreichischen Bevölkerung, wobei dieser Anteil in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesunken ist. 1971 waren noch 87 Prozent der Österreicher katholisch.

Aktuelle Herausforderungen der katholischen Kirche

Die katholische Kirche in Österreich steht vor enormen Herausforderungen, die weit über die Grenzen des Landes hinausreichen. Der kontinuierliche Rückgang der Kirchenmitglieder, die Alterung der Gläubigen und der akute Priestermangel prägen die Diskussionen. Während 1960 noch über 4.000 Priester in Österreich tätig waren, sind es heute nur noch etwa 1.400, davon viele bereits im Pensionsalter.

Besonders dramatisch ist die Situation bei den Kirchenaustritten: 2023 verließen über 95.000 Menschen die katholische Kirche – ein neuer Rekordwert. Die Gründe sind vielfältig und reichen von den Missbrauchsskandalen über gesellschaftliche Liberalisierung bis hin zu grundsätzlicher Religionskritik. Diese Entwicklung hat auch massive finanzielle Auswirkungen, da die Kirchensteuer die wichtigste Einnahmequelle der Diözesen darstellt.

Vergleich mit anderen deutschsprachigen Ländern

Im Vergleich zu Deutschland zeigt sich die österreichische Kirche noch stabiler: Während in Deutschland der katholische Bevölkerungsanteil bereits unter 50 Prozent gefallen ist, hält sich Österreich noch knapp über der 50-Prozent-Marke. Die Schweiz verzeichnet mit etwa 35 Prozent Katholiken einen noch deutlicheren Rückgang. Dennoch sind die Trends in allen drei Ländern ähnlich: sinkende Mitgliederzahlen, weniger Priesterweihen und eine zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft.

Der Tagungsort St. Johann bei Herberstein

Die Wahl des Tagungsortes St. Johann bei Herberstein in der Oststeiermark ist nicht zufällig. Das Kloster der Augustiner-Chorherren, gegründet im 12. Jahrhundert, bietet den idealen Rahmen für intensive Beratungen abseits des Medienrummels. Die historischen Mauern haben bereits unzählige wichtige Kirchenversammlungen beherbergt. Die abgeschiedene Lage ermöglicht es den Bischöfen, sich vollständig auf die anstehenden Themen zu konzentrieren.

Traditionell nutzen die österreichischen Bischöfe diese Vollversammlungen auch für spirituelle Reflexion und Gebet. Der Tagesablauf ist strukturiert durch Gottesdienste, Arbeitsgruppen und Plenarsitzungen. Die mehrtägige Dauer erlaubt es, komplexe Themen ausführlich zu diskutieren und Kompromisse zu finden.

Erzbischof Franz Lackner als Vorsitzender

Franz Lackner, geboren 1956 in Graz, prägt seit seiner Wahl zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz im Jahr 2020 maßgeblich die Ausrichtung der österreichischen Kirche. Der studierte Theologe und Philosoph war zuvor Provinzial der österreichischen Franziskaner und bringt damit Erfahrungen aus der Ordensleitung mit. Seine Amtszeit als Vorsitzender dauert fünf Jahre und kann einmal verlängert werden.

Lackner gilt als reformorientiert und dialogbereit, was sich in verschiedenen Initiativen zur Kirchenerneuerung zeigt. Er befürwortet eine stärkere Einbindung der Laien und setzt sich für eine offenere Kommunikation ein. Gleichzeitig muss er zwischen den verschiedenen Flügeln innerhalb der Bischofskonferenz vermitteln, die von konservativ bis progressiv reichen.

Die Rolle der Medienarbeit

Die anstehende Pressekonferenz im "Club Stephansplatz 4" unterstreicht die Bedeutung professioneller Medienarbeit für die moderne Kirche. Der direkt am Wiener Stephansdom gelegene Veranstaltungsort ist symbolisch gewählt und bietet gleichzeitig praktische Vorteile für Journalisten aus ganz Österreich. Die katholische Nachrichtenagentur Kathpress koordiniert als Veranstalter die Medienberichterstattung und sorgt für eine breite Streuung der Botschaften.

In Zeiten sinkender Kirchenbindung wird die Kommunikation mit der Öffentlichkeit immer wichtiger. Die Kirche muss ihre Positionen zu gesellschaftlichen Fragen erklären und gleichzeitig für Verständnis für ihre Situation werben. Pressekonferenzen nach Vollversammlungen sind daher zentrale Termine im Kirchenjahr.

Mögliche Themen der Vollversammlung

Obwohl der konkrete Inhalt der Beratungen erst bei der Pressekonferenz bekannt gegeben wird, lassen sich aus aktuellen Entwicklungen mögliche Schwerpunkte ableiten. Die Pastoral der Zukunft steht dabei im Mittelpunkt: Wie kann die Kirche mit weniger Priestern und weniger Gläubigen ihre Aufgaben erfüllen? Pfarrzusammenlegungen, neue Formen der Gemeindearbeit und die verstärkte Einbindung von Laien sind dabei zentrale Bausteine.

Auch die Missbrauchsaufarbeitung bleibt ein Dauerthema. Die unabhängige Opferschutzkommission arbeitet kontinuierlich an der Aufklärung von Fällen, und die Bischofskonferenz muss regelmäßig über Fortschritte und neue Maßnahmen entscheiden. Präventionskonzepte, Entschädigungsregelungen und strukturelle Reformen sind dabei wiederkehrende Punkte auf der Agenda.

Gesellschaftliche Relevanz kirchlicher Entscheidungen

Die Beschlüsse der Bischofskonferenz haben direkte Auswirkungen auf das Leben vieler Österreicher. Als größte Religionsgemeinschaft des Landes betreibt die katholische Kirche ein weitverzweigtes Netzwerk von Bildungseinrichtungen, Sozialeinrichtungen und Kulturinstitutionen. Von Kindergärten über Krankenhäuser bis hin zu Altenheimen – kirchliche Träger sind in vielen Lebensbereichen präsent.

Besonders im ländlichen Raum sind katholische Pfarren oft die letzten verbliebenen Gemeinschaftszentren. Kirchenschließungen oder Pfarrzusammenlegungen haben daher weit über die Gläubigen hinausgehende gesellschaftliche Auswirkungen. Die demografische Entwicklung verstärkt diese Problematik zusätzlich.

Finanzielle Dimensionen

Die österreichische katholische Kirche verfügt über ein Jahresbudget von mehreren hundert Millionen Euro. Die Kirchensteuer, die etwa ein Prozent des Einkommens beträgt, macht den Großteil der Einnahmen aus. Sinkende Mitgliederzahlen bedeuten daher nicht nur weniger Gläubige, sondern auch weniger finanzielle Mittel für kirchliche Aktivitäten.

Gleichzeitig muss die Kirche hohe Kosten für den Erhalt historischer Gebäude tragen. Allein die Renovierung von Kirchen und Klöstern verschlingt jährlich Millionensummen. Die Bischofskonferenz muss daher regelmäßig schwierige Entscheidungen über Prioritäten und Sparmaßnahmen treffen.

Internationale Vernetzung und päpstliche Vorgaben

Die österreichische Bischofskonferenz agiert nicht isoliert, sondern ist Teil der weltweiten katholischen Kirche unter der Führung von Papst Franziskus. Die päpstlichen Enzykliken und Apostolischen Schreiben geben die Richtung vor, die auf nationaler Ebene umgesetzt werden muss. Der aktuelle Papst betont besonders die Themen Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Kirchenreform.

Auf europäischer Ebene arbeiten die Bischofskonferenzen in der COMECE (Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft) zusammen. Hier werden gemeinsame Positionen zu EU-Politik erarbeitet und kirchliche Interessen vertreten. Die österreichischen Bischöfe bringen dabei ihre spezifischen Erfahrungen und Perspektiven ein.

Zukunftsperspektiven für die katholische Kirche in Österreich

Die kommenden Jahre werden entscheidend für die Zukunft der katholischen Kirche in Österreich sein. Experten prognostizieren einen weiteren Rückgang der Mitgliederzahlen auf unter 50 Prozent bis 2030. Gleichzeitig wird die Zahl der verfügbaren Priester weiter sinken, was fundamentale Änderungen in der Seelsorge zur Folge haben wird.

Neue Formen des Gemeindelebens müssen entwickelt werden: Großpfarren mit mehreren Kirchen, hauptamtliche Laien in der Seelsorge und verstärkte ehrenamtliche Mitarbeit sind bereits heute Realität und werden sich weiter ausbreiten. Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten der Verkündigung und des Austauschs, kann aber die persönliche Begegnung nicht vollständig ersetzen.

Integration und Migration

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Integration katholischer Migranten aus anderen Ländern. Besonders Katholiken aus Polen, Kroatien und den Philippinen bringen neue Impulse in die österreichischen Gemeinden. Gleichzeitig entstehen durch unterschiedliche Frömmigkeitstraditionen auch neue Herausforderungen für die Pastoral.

Die Kirche muss auch auf die religiöse Vielfalt in Österreich reagieren. Der Islam ist zur zweitgrößten Religionsgemeinschaft geworden, und auch andere christliche Konfessionen gewinnen an Bedeutung. Ökumenische Zusammenarbeit und interreligiöser Dialog werden daher immer wichtiger.

Die Bedeutung transparenter Kommunikation

Die anstehende Pressekonferenz von Erzbischof Lackner steht exemplarisch für den Wandel in der kirchlichen Kommunikation. Während früher viele Entscheidungen intern getroffen und nur spärlich nach außen kommuniziert wurden, setzt die moderne Kirche auf Transparenz und Dialog. Dies ist nicht nur eine Reaktion auf gesellschaftliche Erwartungen, sondern auch eine Chance, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Professionelle Medienarbeit wird dabei immer wichtiger. Die Zusammenarbeit mit der katholischen Nachrichtenagentur Kathpress ermöglicht es, kirchliche Botschaften authentisch und zeitgemäß zu vermitteln. Soziale Medien, Podcasts und digitale Formate ergänzen die traditionelle Pressearbeit und erreichen neue Zielgruppen.

Die Ergebnisse der Vollversammlung werden nicht nur für Katholiken relevant sein, sondern für alle, die sich für die gesellschaftliche Entwicklung Österreichs interessieren. Die katholische Kirche bleibt trotz aller Herausforderungen ein wichtiger gesellschaftlicher Akteur, dessen Entscheidungen weit über den kirchlichen Bereich hinauswirken. Die Pressekonferenz am Freitag wird zeigen, wie sich die österreichischen Bischöfe den aktuellen Herausforderungen stellen und welche Weichen sie für die Zukunft stellen wollen.

Weitere Meldungen

OTS
FPÖ

FPÖ kritisiert ORF wegen Volkskultur-Darstellung

12. März 2026
Lesen
OTS
ORF

Peter Klien nimmt SPÖ-Parteitag und Bildungsreformen aufs Korn

12. März 2026
Lesen
OTS
Österreich

Österreichs Bischöfe fokussieren auf verfolgte Christen weltweit

9. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen