Am 25. November 2025 veröffentlichten die Helvetia Versicherungen eine alarmierende Studie zur Erbschaftsplanung in Österreich. Die Ergebnisse sind überraschend: 80 % der Österreicher:innen haben kein Testament, obwohl viele hohe Vermögenswerte besitzen. Diese Tatsache birgt das Potenzial für famili
Am 25. November 2025 veröffentlichten die Helvetia Versicherungen eine alarmierende Studie zur Erbschaftsplanung in Österreich. Die Ergebnisse sind überraschend: 80 % der Österreicher:innen haben kein Testament, obwohl viele hohe Vermögenswerte besitzen. Diese Tatsache birgt das Potenzial für familiäre Konflikte und langwierige Verlassenschaftsverfahren.
Erbschaften sind ein emotionales Thema, das oft zu Spannungen innerhalb von Familien führt. Laut der Studie von Ipsos im Auftrag von Helvetia haben mehr als ein Drittel der Österreicher:innen bereits geerbt. Von diesen Erben haben 42 % mehr als 50.000 Euro erhalten. Doch diese finanziellen Vorteile kommen nicht ohne Herausforderungen. 73 % der Befragten glauben, dass Erbschaften Familien eher spalten als verbinden, und 26 % haben Angst vor solchen Spaltungen.
Obwohl 82 % der Österreicher:innen ihr Erbe individuell regeln möchten, haben nur 2 von 10 ein Testament verfasst. Ein Testament ist ein juristisches Dokument, das festlegt, wie das Vermögen einer Person nach ihrem Tod verteilt werden soll. Ohne ein solches Dokument tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft, die nicht immer den Wünschen des Verstorbenen entspricht.
Die Erbschaftsregelungen in Österreich haben sich über die Jahre entwickelt, um den sich ändernden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen gerecht zu werden. Ursprünglich waren Erbschaften stark durch patriarchalische Strukturen geprägt, bei denen männliche Nachkommen bevorzugt wurden. Mit der Einführung des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuchs (ABGB) im Jahr 1811 wurden erstmals umfassende Regelungen getroffen, die bis heute Bestand haben. Diese Gesetze wurden mehrfach reformiert, um den modernen Anforderungen gerecht zu werden, wie z.B. die Einführung der Pflichtteilsansprüche, die sicherstellen, dass bestimmte Angehörige nicht völlig enterbt werden können.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz zeigt sich ein ähnliches Bild. In Deutschland haben etwa 30 % der Bevölkerung ein Testament, während es in der Schweiz etwa 40 % sind. Diese Unterschiede könnten auf kulturelle und rechtliche Unterschiede zurückzuführen sein. In der Schweiz ist die Erbschaftssteuer beispielsweise kantonal geregelt, was zu unterschiedlichen Regelungen und Anreizen führt, ein Testament zu erstellen.
Die fehlende Testamentskultur in Österreich hat konkrete Auswirkungen auf die Bürger. Ein Beispiel ist die potenzielle Spaltung der Familie, wenn keine klaren Erbregelungen getroffen wurden. Dies kann langwierige und kostspielige rechtliche Auseinandersetzungen nach sich ziehen. Thomas Neusiedler, CEO bei Helvetia, empfiehlt, die Erbsituation zu Lebzeiten klar zu regeln, um mögliche Streitpunkte zu vermeiden.
Ein weiteres Problem ist die unsichere Aufbewahrung von Wertgegenständen. Fast ein Drittel der Österreicher:innen bewahrt Wertgegenstände ungesichert zuhause auf, was sie im Falle eines Einbruchs gefährdet. Helvetia hat kürzlich die Versicherungssummen erhöht, um diesem Risiko entgegenzuwirken.
Die Studie zeigt, dass 61 % der Österreicher:innen Vermögenswerte zum Vererben haben. Dabei handelt es sich oft um beträchtliche Summen: 53 % planen, ein Vermögen von über 100.000 Euro weiterzugeben, hauptsächlich in Form von Immobilien (67 %), gefolgt von Bargeld (38 %), Schmuck oder Münzen (31 %) und Sparbüchern (30 %). Unternehmensanteile spielen mit 3 % eine untergeordnete Rolle.
Experten wie Thomas Neusiedler und Alexander Zeh vom Ipsos Institut betonen die Wichtigkeit der rechtzeitigen Vorsorge. Eine klare Erbregelung kann nicht nur Streit vermeiden, sondern auch das Verlassenschaftsverfahren erheblich verkürzen. In Zukunft könnte die Digitalisierung der Erbschaftsplanung, etwa durch Online-Testamente, eine größere Rolle spielen. Diese könnten es den Bürgern erleichtern, ihre Vermögensverhältnisse transparent und rechtssicher zu regeln.
Die Ergebnisse der Studie sind ein Weckruf für die österreichische Bevölkerung. Es ist entscheidend, sich frühzeitig mit dem Thema Erbschaft auseinanderzusetzen und klare Regelungen zu treffen. Nur so können familiäre Konflikte vermieden und der eigene Wille respektiert werden. Interessierte finden weiterführende Informationen und Beratungsmöglichkeiten auf der Website von Helvetia.