In Wien steht der 22. November im Kalender als ein Tag, der auf eine schmerzhafte Realität hinweist: den Wiener Equal Pay Day. An diesem Datum arbeiten Frauen statistisch gesehen für den Rest des Jahres „gratis“, da der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern immer noch 11 Prozent beträgt.
In Wien steht der 22. November im Kalender als ein Tag, der auf eine schmerzhafte Realität hinweist: den Wiener Equal Pay Day. An diesem Datum arbeiten Frauen statistisch gesehen für den Rest des Jahres „gratis“, da der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern immer noch 11 Prozent beträgt. Dies ist eine alarmierende Tatsache, die zeigt, dass trotz geringfügiger Verbesserungen von 0,16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, die Gleichstellung der Geschlechter im Einkommensbereich noch lange nicht erreicht ist.
Der Begriff „Gender Pay Gap“ beschreibt den Unterschied im durchschnittlichen Bruttoverdienst von Männern und Frauen. In Österreich liegt dieser Unterschied bei ganzjährig vollzeitbeschäftigten Personen bei 11 Prozent. Dies bedeutet, dass Frauen für die gleiche Arbeitsleistung weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Der Gender Pay Gap ist ein Indikator für die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern im Arbeitsmarkt.
Die Diskussion um den Gender Pay Gap ist nicht neu. Bereits in den 1970er Jahren begannen Frauenrechtsbewegungen weltweit, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit zu fordern. In Österreich wurde das Gleichbehandlungsgesetz 1979 eingeführt, um Diskriminierungen am Arbeitsplatz zu verhindern. Dennoch hat sich der Gender Pay Gap nur langsam verringert. Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz, wo der Gender Pay Gap ebenfalls ein Thema ist, schneidet Österreich im europäischen Vergleich mittelmäßig ab. Während in Deutschland der Unterschied bei etwa 18 Prozent liegt, ist er in der Schweiz mit rund 19 Prozent noch höher.
Der Gender Pay Gap hat weitreichende Auswirkungen auf das Leben von Frauen. Er beeinflusst nicht nur das aktuelle Einkommen, sondern auch die zukünftige Rentenberechnung, was zu einer erhöhten Altersarmut bei Frauen führt. Ein Beispiel: Eine Frau, die 40 Jahre lang arbeitet und im Durchschnitt 11 Prozent weniger verdient, hat nicht nur ein geringeres Einkommen während ihrer Erwerbstätigkeit, sondern auch eine deutlich niedrigere Pension. Diese finanzielle Benachteiligung verstärkt sich durch die häufigere Teilzeitarbeit von Frauen, die oft aufgrund von Betreuungspflichten oder unbezahlter Care-Arbeit gewählt wird.
Laut dem Einkommenstransparenz-Bericht der Stadt Wien gibt es bei den rund 33.000 Bediensteten der Stadt immer noch deutlichen Handlungsbedarf. Die Stadt Wien könnte als größte Arbeitgeberin eine Vorbildfunktion einnehmen, um den Gender Pay Gap zu bekämpfen. Der Bericht zeigt, dass trotz bestehender Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung noch viel zu tun bleibt. Frauen verdienen monatlich durchschnittlich 11 Prozent weniger als Männer, was sich auf das gesamte Arbeitsleben hochrechnet und zu erheblichen finanziellen Nachteilen führt.
Judith Pühringer, Parteivorsitzende der Grünen Wien, betont die Notwendigkeit umfassender Lohntransparenz und den Ausbau der Kinderbetreuung. Diese Maßnahmen könnten Frauen entlasten und den Gender Pay Gap verringern. Julia Malle, Grüne Frauensprecherin, ergänzt, dass die tatsächlichen Einkommensunterschiede noch größer sind, da Teilzeitarbeit und unbezahlte Care-Arbeit nicht in die Berechnung einfließen. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit muss zur Selbstverständlichkeit werden“, fordern Pühringer und Malle.
Die Zukunftsperspektiven sind gemischt. Einerseits gibt es politische Bestrebungen, den Gender Pay Gap zu schließen. Andererseits zeigen die minimalen Fortschritte, dass es noch ein weiter Weg ist. Die Stadt Wien könnte durch gezielte Maßnahmen eine Vorreiterrolle einnehmen. Experten sind sich einig, dass nur durch strukturelle Veränderungen, wie die Einführung von Lohntransparenz und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, der Gender Pay Gap nachhaltig geschlossen werden kann.
Der Wiener Equal Pay Day erinnert uns daran, dass es noch viel zu tun gibt, um die Einkommensgleichheit zwischen Männern und Frauen zu erreichen. Die Stadt Wien hat das Potenzial, als Vorbild für andere Regionen zu dienen, indem sie aktiv gegen den Gender Pay Gap vorgeht. Für eine gerechtere Zukunft ist es entscheidend, dass alle Beteiligten – Politik, Unternehmen und Gesellschaft – zusammenarbeiten, um faire Löhne für alle zu gewährleisten. Wie könnte Ihrer Meinung nach der Gender Pay Gap effektiv geschlossen werden?
Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Grünen Wien.