Die Energiepreise in Österreich sind ein heiß diskutiertes Thema. Am 20. Oktober 2025 stellte der Handelsverband in einer Pressemitteilung klar, dass die Debatte um die steigenden Energiepreise sachlich geführt werden muss. Die Darstellung von Österreichs Energie, der Interessenvertretung der E-Wirt
Die Energiepreise in Österreich sind ein heiß diskutiertes Thema. Am 20. Oktober 2025 stellte der Handelsverband in einer Pressemitteilung klar, dass die Debatte um die steigenden Energiepreise sachlich geführt werden muss. Die Darstellung von Österreichs Energie, der Interessenvertretung der E-Wirtschaft, wird von ihnen zurückgewiesen. Doch was steckt hinter dieser Forderung und welche Auswirkungen hat sie auf die österreichische Bevölkerung?
Seit Beginn des Jahres 2025 sind die Energiepreise in Österreich ein dominierender Faktor für die Inflation. Laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) ist der Energiesektor der Hauptgrund für die Inflationsdifferenz im Vergleich zum Euroraum. Während die Energiepreise im Euroraum inflationsdämpfend wirken, treiben sie in Österreich die Inflation an.
Die Statistik Austria berichtet, dass sich die Strompreise im September 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 35,9 % erhöht haben. Dieser Anstieg hat die Inflation um 0,7 Prozentpunkte nach oben getrieben. Im Vergleich dazu sind die Lebensmittelpreise nur um 3,1 % gestiegen, was einen wesentlich geringeren Einfluss auf die Inflation hat.
Der Handelsverband macht mehrere Faktoren für die steigenden Energiepreise verantwortlich. Dazu gehört das Auslaufen staatlicher Unterstützungsmaßnahmen wie der Strompreisbremse und der Erhöhung der Netzentgelte. Auch die Großhandelspreise für Strom sind weiterhin doppelt so hoch wie Anfang 2021.
Ein weiterer Punkt, den der Handelsverband anspricht, ist die eingeschränkte Konkurrenz im Energiesektor. Die E-Control und die Bundeswettbewerbsbehörde haben den begrenzten Wettbewerb zwischen den Energieversorgern als Hauptursache für die hohen Preise identifiziert.
Die hohen Energiekosten belasten die gesamte Wertschöpfungskette in Österreich. Vom landwirtschaftlichen Erzeuger bis zum Einzelhandel sind alle Sektoren betroffen. Der Anteil der Energiekosten am Lebensmittelpreis wird oft unterschätzt. Tatsächlich machen die Energiekosten einen erheblichen Teil der Warenbeschaffung aus.
Die Auswirkungen auf die Kauflaune der Österreicher sind ebenfalls spürbar. Im August 2025 sank der reale Umsatz im Lebensmittelhandel um 2,5 %, während der Einzelhandel außerhalb des Lebensmittelsektors einen Rückgang von 2,0 % verzeichnete.
Angesichts dieser Herausforderungen fordert der Handelsverband eine Kostenbremse statt eines „Österreich-Aufschlags“ beim Strompreis. Österreich hat bereits die zweithöchsten Netzentgelte in Europa. Der Handelsverband drängt daher auf Entlastungen für Wirtschaft und Haushalte.
Eine konkrete Maßnahme, die vorgeschlagen wird, ist die Senkung der Elektrizitätsabgabe. Derzeit liegt diese bei 1,5 Cent pro kWh. Würde Österreich auf die EU-Mindestsätze von 0,1 Cent für Haushalte und 0,05 Cent für Unternehmen zurückgehen, könnten erhebliche Einsparungen erzielt werden. Laut einer Analyse von oecolution könnten Haushalte in den Jahren 2025 und 2026 um 250 bzw. 280 Millionen Euro entlastet werden, während Unternehmen sogar um 360 bzw. 410 Millionen Euro entlastet werden könnten.
Ein Blick auf andere europäische Länder zeigt, dass Österreich im internationalen Vergleich hohe Energiekosten hat. Während einige Länder ihre Energiepolitik angepasst haben, um die Belastung der Verbraucher zu verringern, bleibt Österreich im oberen Drittel der Preisrangliste.
Beispielsweise hat Deutschland in den letzten Jahren Maßnahmen ergriffen, um die Energiekosten zu senken und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Frankreich hingegen hat stark in erneuerbare Energien investiert, um die Energiepreise langfristig stabil zu halten.
Die kommenden Verhandlungen zum neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz werden entscheidend dafür sein, wie sich die Energiepreise in Österreich entwickeln. Der Handelsverband fordert, dass diese Verhandlungen genutzt werden, um die Belastungen für Wirtschaft und Haushalte zu reduzieren.
Experten erwarten, dass die Energiepreise auch in den nächsten Jahren ein zentrales Thema in der österreichischen Politik bleiben werden. Die Herausforderung wird darin bestehen, eine Balance zwischen wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und sozialer Gerechtigkeit zu finden.
Insgesamt bleibt abzuwarten, wie die österreichische Regierung auf die Forderungen des Handelsverbandes reagieren wird und welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Energiekosten für die Bürger zu senken.