Eine hitzige Debatte entfacht sich inmitten der sonst so beschaulichen Straßen Wiens: Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat mit einer aufsehenerregenden Aktion vor dem Landwirtschaftsministerium für Aufruhr gesorgt. Der Grund? Millionen an Steuergeldern fließen in eine Haltungsform, die von der br
Eine hitzige Debatte entfacht sich inmitten der sonst so beschaulichen Straßen Wiens: Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat mit einer aufsehenerregenden Aktion vor dem Landwirtschaftsministerium für Aufruhr gesorgt. Der Grund? Millionen an Steuergeldern fließen in eine Haltungsform, die von der breiten Bevölkerung abgelehnt wird. Doch was steckt wirklich hinter den Schlagzeilen?
Der Vollspaltenboden ist eine Art von Bodenbelag, der vor allem in der Schweinehaltung genutzt wird. Er besteht aus Betonplatten mit Spalten, durch die der Kot und Urin der Tiere direkt abfließen kann. Diese Art der Haltung ermöglicht eine einfache Reinigung, wird jedoch wegen fehlender Einstreu wie Stroh kritisiert, was die Tiere daran hindert, natürliches Verhalten wie Wühlen und Nestbau auszuleben.
Die Debatte um den Vollspaltenboden ist nicht neu. Bereits seit Jahrzehnten wird darüber gestritten, ob diese Haltungsform mit dem Tierschutz vereinbar ist. Kritiker argumentieren, dass die Tiere auf diesen Böden keine Möglichkeit haben, ihrem natürlichen Verhalten nachzugehen, was zu Stress und gesundheitlichen Problemen führen kann.
Laut einer Anfrage der Grünen-Partei an Landwirtschaftsminister Totschnig wurden im Jahr 2023 über 2 Millionen Euro an Steuergeldern für die Förderung des Vollspaltenbodens ausgegeben. Diese Gelder sollten ursprünglich für Tierwohlstandards verwendet werden, doch eine Änderung der Regularien ermöglicht es nun, diese Mittel auch für den umstrittenen Bodenbelag zu nutzen.
Diese Offenlegung sorgte für Empörung, besonders da 92 % der österreichischen Bevölkerung laut einer Umfrage gegen die Finanzierung dieser Haltungsform mit Steuergeldern sind. Olga Voglauer von den Grünen brachte daraufhin einen Antrag ein, der Investitionsförderungen künftig nur noch für tierwohlgerechte Haltungsformen erlauben sollte. Doch dieser Antrag wurde von der FPÖ und der Regierungskoalition abgelehnt.
Am 26. Juni 2025 versammelten sich Aktivisten des VGT vor dem Landwirtschaftsministerium, um gegen die Finanzierung des Vollspaltenbodens zu protestieren. Mit Plakaten wie „Keinen Cent für Tierquälerei!“ machten sie auf ihre Forderungen aufmerksam. „Wie lange wird die Bevölkerung noch mit diesem Firlefanz-Vollspaltenboden betrogen?“, fragte ein Sprecher des VGT.
Die Aktion zielte darauf ab, das öffentliche Bewusstsein für die Problematik zu schärfen und Druck auf die Politik auszuüben, die Förderpraktiken zu überdenken. Der Einsatz von Steuergeldern für eine Haltungsform, die von der Mehrheit der Bürger abgelehnt wird, stößt auf breite Kritik.
Das Tierschutzgesetz in Österreich, insbesondere § 18 (2a), regelt die Haltungsbedingungen für Nutztiere. Kritiker argumentieren, dass die derzeitigen Bestimmungen nicht weit genug gehen, um das Wohl der Tiere zu gewährleisten. Die Forderung nach einer Reform des Gesetzes wird daher immer lauter.
Ein Experte für Tierschutz erklärt: „Die rechtlichen Rahmenbedingungen hinken den gesellschaftlichen Erwartungen hinterher. Es ist an der Zeit, dass die Politik auf die Forderungen der Bürger eingeht und die gesetzlichen Grundlagen anpasst.“
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass andere Länder bereits Schritte unternommen haben, um die Haltungsbedingungen für Nutztiere zu verbessern. In Schweden beispielsweise sind Vollspaltenböden seit Jahren verboten, und die Tierwohlstandards setzen Maßstäbe in Europa.
Auch in Deutschland gibt es Bestrebungen, die Haltungsbedingungen zu verbessern. Dort hat die Bundesregierung angekündigt, die Förderung tierwohlgerechter Haltungsformen zu intensivieren und die Nutzung von Vollspaltenböden zu reduzieren.
Für die österreichischen Bürger bedeutet die aktuelle Situation eine Belastung ihrer Steuergelder für eine Praxis, die sie mehrheitlich ablehnen. Viele fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, da ihre Wünsche und Forderungen ignoriert werden.
Ein Bürger äußert sich dazu: „Es ist frustrierend zu sehen, wie unsere Steuergelder für etwas verwendet werden, das wir nicht unterstützen. Wir möchten, dass unser Geld in nachhaltige und tierfreundliche Projekte fließt.“
Die Debatte um den Vollspaltenboden wird wohl weitergehen. Doch es gibt Hoffnung, dass der öffentliche Druck und der gesellschaftliche Wandel zu einer Neuausrichtung der Förderpolitik führen könnten. Experten sind sich einig, dass ein Umdenken in der Landwirtschaftspolitik notwendig ist, um den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden.
„Die Zukunft der Schweinehaltung muss neu diskutiert werden“, fordert ein Tierhaltungsexperte. „Es braucht innovative Ansätze und den Mut, alte Strukturen zu überdenken, um das Wohl der Tiere in den Mittelpunkt zu stellen.“
Ob die Politik diesen Weg einschlagen wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass die Bürger nicht bereit sind, ihre Forderungen aufzugeben, und weiterhin für eine tierfreundliche Zukunft kämpfen werden.