Am 18. November 2025 wurde in Wien ein bedeutendes Gesetz für die Zukunft der Energieversorgung in Österreich vorgestellt. Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) zielt darauf ab, die Energieversorgung sicherer, nachhaltiger und kostengünstiger zu gestalten. Jürgen Streitner von der Wirtschaftskam
Am 18. November 2025 wurde in Wien ein bedeutendes Gesetz für die Zukunft der Energieversorgung in Österreich vorgestellt. Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) zielt darauf ab, die Energieversorgung sicherer, nachhaltiger und kostengünstiger zu gestalten. Jürgen Streitner von der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hebt die Bedeutung dieses Gesetzes für die Entlastung der Netznutzer:innen hervor. Die Regierungsvorlage enthält wesentliche Maßnahmen zur Stärkung der Versorgungssicherheit und zur Erhöhung der Transparenz im Energiesektor.
Das Gesetz sieht die Einführung einer Bagatellgrenze bei Einspeisetarifen und eine Spitzenkappung vor. Diese Maßnahmen sollen die finanzielle Last auf eine breitere Basis verteilen und den Netzausbaubedarf gezielt steuern. Streitner betont, dass die Streckung der Abschreibungsfristen und die Auflösung des Sonderkontos zwischen 2027 und 2029 die Netzentgelte langfristig senken und die wirtschaftliche Planbarkeit für Betriebe erhöhen werden. Diese Änderungen sind entscheidend, um wettbewerbsfähige Strompreise zu gewährleisten.
Die Neuregelung der Netzreserve, die bereits von der EU genehmigt wurde, ist ein weiterer wesentlicher Beitrag zur Sicherstellung der Energieversorgung. Netzreserve bezeichnet die Kapazität, die bereitgehalten wird, um im Falle von Engpässen die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die WKÖ begrüßt auch die verstärkte Betonung von Transparenz, da ausreichende Informationen Unternehmen und Konsument:innen ermöglichen, zur Systemeffizienz beizutragen und Energiekosten zu senken.
Die Energiepolitik in Österreich hat sich über die Jahre stark gewandelt. In den 1970er Jahren lag der Fokus auf der Nutzung fossiler Brennstoffe und der Kernenergie. Nach der Volksabstimmung 1978, die gegen die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Zwentendorf entschied, begann Österreich, verstärkt auf erneuerbare Energien zu setzen. Die Liberalisierung des Strommarktes in den 1990er Jahren führte zu einer Öffnung des Marktes und einer stärkeren Einbindung von Privatanbietern. Seitdem hat Österreich kontinuierlich an der Verbesserung der Energieeffizienz und der Förderung erneuerbarer Energien gearbeitet. Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz verfolgt Österreich einen ähnlichen Ansatz zur Förderung erneuerbarer Energien. Deutschland hat mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einen wichtigen Rahmen geschaffen, der als Vorbild für viele europäische Länder dient. Die Schweiz hat mit ihrer Energiestrategie 2050 ebenfalls ambitionierte Ziele zur Reduktion fossiler Energieträger und zur Förderung erneuerbarer Energien gesetzt. Österreichs ElWG reiht sich in diese Bemühungen ein und zeigt, dass der Alpenstaat gewillt ist, eine Vorreiterrolle in der nachhaltigen Energiepolitik einzunehmen.
Für die Bürger:innen bedeutet das neue Gesetz eine potenzielle Senkung der Stromkosten. Durch die Maßnahmen zur Entlastung der Stromverbraucher:innen, wie die Streckung der Abschreibungsfristen, werden die Netzentgelte langfristig gesenkt. Für Unternehmen bedeutet dies mehr wirtschaftliche Planbarkeit und die Möglichkeit, durch effizientere Energienutzung Kosten zu sparen. Ein Beispiel ist ein mittelständisches Unternehmen in Wien, das durch die neuen Regelungen seine Energiekosten um bis zu 15 % senken könnte. Dies könnte zu einer besseren Wettbewerbsfähigkeit führen und Arbeitsplätze sichern.
Statistiken zeigen, dass in Österreich der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Im Jahr 2024 lag dieser Anteil bei über 75 %. Die Maßnahmen des ElWG könnten diesen Anteil weiter erhöhen und gleichzeitig die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringern. Die geplante Auflösung des Sonderkontos zwischen 2027 und 2029 wird voraussichtlich zu einer Einsparung von mehreren Millionen Euro führen, die direkt den Verbraucher:innen zugutekommen könnten.
Die Zukunft des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes sieht vielversprechend aus. Mit der Umsetzung der geplanten Maßnahmen könnte Österreich seine Klimaziele schneller erreichen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit erhöhen. Die Betonung von Transparenz und die Einbindung der Bürger:innen und Unternehmen in den Prozess der Energiewende sind entscheidend, um die Akzeptanz und die Effizienz der Maßnahmen zu steigern. Experten prognostizieren, dass Österreich bis 2030 seinen Strombedarf zu 100 % aus erneuerbaren Energien decken könnte, wenn die aktuellen Trends anhalten und die Maßnahmen des ElWG konsequent umgesetzt werden.
Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz stellt einen wichtigen Schritt in Richtung einer nachhaltigen und sicheren Energiezukunft für Österreich dar. Die Maßnahmen zur Entlastung der Stromverbraucher:innen und zur Erhöhung der Transparenz sind wesentliche Bestandteile dieses Gesetzes. Es bleibt zu hoffen, dass die Umsetzung der geplanten Regelungen zügig erfolgt und die gewünschten Effekte erzielt werden. Die Bürger:innen und Unternehmen sind aufgerufen, sich aktiv an der Energiewende zu beteiligen und die Chancen zu nutzen, die sich aus dem neuen Gesetz ergeben. Weitere Informationen und aktuelle Entwicklungen können auf der Website der Wirtschaftskammer Österreich nachgelesen werden.