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Kultur

Eisiger Wirbel: Unilever stoppt Eskimo-Umbenennung – Was steckt dahinter?

25. Juli 2025 um 09:38
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Der Name „Eskimo“ ist in Österreich seit Jahrzehnten ein Synonym für leckeres Eis. Doch nun steht die Traditionsmarke im Zentrum einer hitzigen Debatte. Am 25. Juli 2025 gab der Lebensmittelriese Unilever bekannt, dass die geplante Umbenennung der Eismarke auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Die

Der Name „Eskimo“ ist in Österreich seit Jahrzehnten ein Synonym für leckeres Eis. Doch nun steht die Traditionsmarke im Zentrum einer hitzigen Debatte. Am 25. Juli 2025 gab der Lebensmittelriese Unilever bekannt, dass die geplante Umbenennung der Eismarke auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Die Entscheidung sorgt für Aufruhr und wirft Fragen auf: Was steckt hinter diesem Schritt, und welche Auswirkungen hat er auf die österreichische Gesellschaft?

Eine lange Geschichte des Eisgenusses

Die Marke Eskimo wurde in Österreich schon in den 1920er Jahren bekannt und hat sich seitdem fest im Bewusstsein der Konsumenten verankert. Der Name ist eng mit Kindheitserinnerungen und dem Genuss von Speiseeis verbunden. Doch in den letzten Jahren geriet der Begriff „Eskimo“ zunehmend in die Kritik. Historisch betrachtet, wurde das Wort oft in einem kolonialen und rassistischen Kontext verwendet, um die indigenen Völker der Arktis zu bezeichnen.

Der internationale Druck wächst

Bereits 2020 begann Unilever, den Markennamen weltweit zu überprüfen. In Dänemark wurde die Marke 2021 bereits umbenannt, um den kulturellen Sensibilitäten Rechnung zu tragen. Doch in Österreich blieb der Name unverändert. Eine Sprecherin von Unilever erklärte gegenüber dem Online-Magazin campus a, dass die Marke eine starke emotionale Bindung bei den österreichischen Konsumenten habe, was die Entscheidung zur Umbenennung erschwere.

Die Kontroverse um den Namen

Die Diskussion um den Namen „Eskimo“ ist Teil einer größeren gesellschaftlichen Debatte über Sprache und ihre Macht, historische Ungerechtigkeiten zu perpetuieren. Hannes Fellner, Obmann der Wiener Sprachgesellschaft, betont: „Den Begriff Eskimo weiterhin öffentlich zu verwenden, bedeutet, sich gegen eine respektvolle Auseinandersetzung mit kolonialen und rassistischen Traditionen zu stellen.“

Die SPÖ äußert Verständnis für die Sensibilität der Thematik, verweist aber darauf, dass die Entscheidung letztlich bei den Unternehmen liege. „Wünschenswert wären Formulierungen, die niemanden abwerten oder ausschließen“, heißt es aus Parteikreisen.

Ein Blick über die Landesgrenzen

Ein Blick in andere Länder zeigt, dass Österreich mit dieser Diskussion nicht allein steht. In Deutschland beispielsweise wurde der Begriff „Zigeunersauce“ von vielen Herstellern in „Paprikasauce Ungarische Art“ umbenannt, um rassistischen Konnotationen entgegenzuwirken. In den USA wurde die Marke „Aunt Jemima“ wegen ihrer problematischen Darstellung afroamerikanischer Stereotype ebenfalls umbenannt.

Die Auswirkungen auf den Konsumenten

Für viele Österreicher ist der Name Eskimo untrennbar mit positiven Kindheitserinnerungen verbunden. Eine Umbenennung könnte daher auf emotionalen Widerstand stoßen. Dennoch gibt es auch Stimmen, die eine Veränderung begrüßen würden, um ein Zeichen gegen Rassismus und Kolonialismus zu setzen.

Ein fiktiver Experte für Markenkommunikation erklärt: „Marken sind mehr als nur Namen. Sie sind Identitätsstifter und Kulturbotschafter. Eine Umbenennung kann zwar kurzfristig zu Irritationen führen, langfristig aber das Image eines Unternehmens positiv beeinflussen.“

Statistiken und Zahlen

Unilever ist einer der größten Lebensmittelkonzerne der Welt, mit einem Umsatz von über 50 Milliarden Euro im Jahr 2024. Der europäische Markt macht dabei einen erheblichen Teil des Geschäfts aus, wobei Österreich einen wichtigen, wenn auch kleineren Marktanteil darstellt. Die Marke Eskimo trägt in Österreich maßgeblich zum Umsatz im Bereich Speiseeis bei.

Ein Blick in die Zukunft

Die Entscheidung von Unilever, die Umbenennung vorerst auf Eis zu legen, könnte auch strategische Gründe haben. Möglicherweise will der Konzern die öffentliche Meinung weiter beobachten oder plant eine umfassendere Markenstrategie. Ein langfristiger Verzicht auf die Umbenennung könnte jedoch auch das Risiko bergen, dass die Marke in Verruf gerät und jüngere, sensibilisierte Konsumenten verliert.

Politische Zusammenhänge

Die Debatte um den Namen „Eskimo“ ist auch politisch aufgeladen. In einer Zeit, in der Fragen der kulturellen Sensibilität und der politischen Korrektheit immer stärker in den Fokus rücken, müssen Unternehmen abwägen, wie sie auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren. Die österreichische Politik hält sich in dieser Frage größtenteils zurück, da Firmennamen in der Regel in den Verantwortungsbereich der Unternehmen fallen.

Fazit

Die Entscheidung von Unilever, die Umbenennung der Marke Eskimo vorerst auszusetzen, ist ein komplexes Thema, das weit über die Grenzen Österreichs hinausreicht. Es zeigt, wie eng Markenidentität und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verwoben sind. Ob die Marke Eskimo in Zukunft einen neuen Namen erhält, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass die Diskussion um die richtige Bezeichnung und die damit verbundenen Werte weitergehen wird.

Schlagworte

#Eskimo#Kolonialismus#Markenname#Österreich#Rassismus#Umbenennung#Unilever

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