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Politik

Ein Blick hinter die Kulissen: So erlebten Besucher den Tag der offenen Tür im Parlament

26. Oktober 2025 um 15:38
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Ein goldener Herbsttag legt sich über Wien, als sich die Tore des Parlaments am 26. Oktober 2025 für die Öffentlichkeit öffnen. Der Nationalfeiertag wird zum besonderen Anlass, um das Herz der österreichischen Demokratie hautnah zu erleben. An einem Tag, an dem die Zeitumstellung den Besuchern eine

Ein goldener Herbsttag legt sich über Wien, als sich die Tore des Parlaments am 26. Oktober 2025 für die Öffentlichkeit öffnen. Der Nationalfeiertag wird zum besonderen Anlass, um das Herz der österreichischen Demokratie hautnah zu erleben. An einem Tag, an dem die Zeitumstellung den Besuchern eine zusätzliche Stunde schenkt, strömen Neugierige in das Hohe Haus, um die Geschichte zu spüren und Politik zu erleben.

Ein offenes Haus für alle

"Der Nationalfeiertag ist der Tag, an dem wir zeigen, dass das Parlament ein offenes Haus ist", erklärt eine Demokratiebildnerin, die Besucher durch die historischen Hallen führt. Die Möglichkeit, direkt mit Abgeordneten ins Gespräch zu kommen und Räume zu betreten, die sonst verschlossen sind, macht diesen Tag zu einem besonderen Erlebnis. Ein weiterer Demokratiebildner betont: "Demokratie ist nichts Selbstverständliches. Sie ist erarbeitet worden, Schritt für Schritt."

Hinter den Kulissen: Sicherheitsvorkehrungen und Barrierefreiheit

Bevor die ersten Gäste eintreffen, herrscht im Hohen Haus bereits geschäftiges Treiben. Sprengstoffsuchhunde durchstreifen die Gänge, während Sicherheitskräfte jeden Winkel prüfen. Assistenzen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen stehen bereit, ebenso Führungen in Österreichischer Gebärdensprache. Die Tour ist weitestgehend barrierefrei und führt eine Stunde lang quer durchs Parlament. Die Führungen sind zweisprachig, auf Deutsch und Englisch.

Der Sicherheitscheck verläuft rasch. Los geht es schon vor dem Gebäude, mit Blick auf die Pallas Athene, bevor die Gruppe ins Innere des Hauses eintritt. "Viele Gäste sind heute besonders geduldig und interessiert - sie wollen wirklich wissen, wie das Parlament funktioniert", berichtet die Demokratiebildnerin.

Ein Streifzug durch die Geschichte

Die Tour führt vom Jetzt im Zentrum für Besucher, der sogenannten "Agora", zurück in die 1950er-Jahre und weiter in die Geschichte. Im dritten Stock öffnet sich für die Gäste der Blick hinunter auf den Plenarsaal - jenen Ort, an dem Entscheidungen getroffen werden, die vom Samstagsunterricht bis zum Umgang mit Wölfen reichen. Tageslicht fällt durch die Glaskuppel, es wirkt symbolisch: Unten wird Politik gemacht, oben steht das Volk.

Fünf Parteien, ein Raum: Das Herz parlamentarischer Debatte

Im Nationalratssaal begegnen sich bei Sitzungen 183 Abgeordnete aus fünf Parteien, die die Vierprozenthürde geschafft haben. Fünf Ideen, fünf Weltanschauungen, fünf Haltungen treffen hier aufeinander. Eine rote Lampe signalisiert die Redezeitbeschränkung, das Präsidium ist leicht erhoben. In Österreich wird traditionell durch Aufstehen abgestimmt, erfahren die Gäste bei der Tour durchs Parlament.

Der Plenarsaal, wie er auch genannt wird, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht historisch rekonstruiert, sondern modern neu gebaut. Im Anschluss beeindruckt der Bundesratssaal die Gäste. "Ich sehe meine Aufgabe darin, Brücken zu bauen - zwischen dem Haus und den Menschen, zwischen Geschichte und Gegenwart", verbildlicht der Demokratiebildner.

Parteien, Spiele und Gespräche

Das Parlamentsgebäude ist älter als die Republik - es hat den Wandel dieses Landes miterlebt, von der Monarchie bis heute, erzählt der Demokratievermittler seiner ersten Gruppe des Tages. Der historische Sitzungssaal hat den Krieg wie durch ein Wunder unbeschadet überstanden, die Besucher sind fasziniert. In der Säulenhalle dürfen die Gäste selbst auf Entdeckungstour gehen. Die Akustik ist gewöhnungsbedürftig, die Atmosphäre lebendig. Parteien bieten den Dialog - und kleine Geschenke.

Die FPÖ verteilt Jausensackerl mit Kipferl oder Äpfel, die ÖVP lädt zum Medaillendrehen und gibt nachhaltige Jo-Jos aus. Die SPÖ setzt auf Diskussion und Info-Goodie-Bags, die NEOS werben spielerisch mit einem eigens programmierten "Flappy Bird"-Game um Reformideen, während die Grünen Besucher einladen, Zukunftswünsche zu nennen, die im Rahmen eines "Graphic Recordings" von einer Künstlerin festgehalten werden.

Ein lebendiges Haus der Demokratie

"Heute wollen die Menschen wirklich hier sein. Das merkt man sofort - sie sind neugierig, stellen Fragen, hören zu. Das ist ansteckend", so der Demokratiebildner. "Man kann am Hohen Haus ablesen, wie sich Österreich verändert hat - politisch, architektonisch, gesellschaftlich. Der Tag der offenen Tür erinnert uns daran, dass Demokratie ein gemeinsames Projekt bleibt - kein fertiges Produkt."

Nicht nur die Parlamentsparteien präsentieren sich, auch die Parlamentsdirektion stellt sich vor. Dort, wo sonst Ausschüsse stattfinden, stehen am Tag der offenen Tür Mitarbeiter der Parlamentsdirektion für Gespräche bereit und geben Einblicke in ihre tägliche Arbeit. Wer den Rundgang beendet, darf über die Rampe hinaus ins Freie treten - jenen Ausgang, der sonst nur Staatsgästen vorbehalten ist und einen eindrucksvollen Blick über die Ringstraße bietet.

Zukunftsausblick: Demokratie hautnah erleben

Am Tag der offenen Tür kommt ein Mix aus Touristen, Einheimischen und politisch Interessierten - genau das macht die Atmosphäre aus, sagt die Demokratiebildnerin mit einem Strahlen im Gesicht. "Es ist laut, hektisch, bunt - aber auch unglaublich herzlich", berichtet sie. Außerdem ist es jedes Mal schön zu sehen, wie Menschen das Parlament mit anderen Augen verlassen, als sie es betreten haben. Es kommen Freundeskreise, Familien, Touristen, kommentiert ihr Kollege. Der Name ist Programm - Tag der offenen Tür. Die Menschen, die am Ring unterwegs sind, spazieren einfach hinein, und das ist ja auch der Sinn dahinter."

Während man vor einigen Jahren noch früh aufstehen musste, um als erstes in der Schlange zu stehen, gab es auch dieses Jahr die Möglichkeit vorab auf der Website des Parlaments ein Zeitfenster zu buchen. Am Nationalfeiertag startet alle drei Minuten eine neue Führung, erklärt die Demokratiebildnerin. Wer es nicht ins Hohe Haus geschafft hat, muss nicht verzagen. Das Parlament hat von Montag bis Samstag geöffnet. Führungen sind für Einzelpersonen oder Gruppen buchbar und kostenlos. Einige Bereiche des Parlaments können Sie auch ohne Führung erkunden. Die eindrucksvollen Sitzungssäle sind allerdings nur an Plenartagen oder aber mit Führung zugänglich.

Für die Zukunft plant das Parlament, die Interaktivität der Führungen weiter auszubauen und noch mehr digitale Elemente einzuführen, um insbesondere junge Menschen für die Demokratie zu begeistern. Die Möglichkeit, Politik hautnah zu erleben, bleibt ein wichtiger Bestandteil der demokratischen Bildung in Österreich.

Schlagworte

#Besucher#Demokratie#Nationalfeiertag#Österreich#Parlament#Politik#Tag der offenen Tür

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