In einer brisanten Entwicklung hat die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien am 27. Oktober 2025 eine deutliche Warnung ausgesprochen. Der Hintergrund: Eine Forderung von Andreas Huss, dem Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), die Honorare für Wahlärztinnen und Wahlärzte zu deckeln. D
In einer brisanten Entwicklung hat die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien am 27. Oktober 2025 eine deutliche Warnung ausgesprochen. Der Hintergrund: Eine Forderung von Andreas Huss, dem Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), die Honorare für Wahlärztinnen und Wahlärzte zu deckeln. Diese Forderung, so die Kammer, könnte das gesamte österreichische Gesundheitssystem ins Wanken bringen.
Die Kammer sieht in dieser Forderung nicht nur eine Gefährdung der medizinischen Versorgung, sondern auch einen massiven Angriff auf den freien Beruf der Wahlärztinnen und Wahlärzte. Diese spielen eine entscheidende Rolle im österreichischen Gesundheitssystem, indem sie durch rasche Terminvergaben und intensive Betreuung die öffentlichen Spitäler und die Sozialversicherung entlasten.
Wahlärztinnen und Wahlärzte sind Mediziner, die keine Verträge mit den gesetzlichen Krankenkassen haben. Patienten können ihre Leistungen in Anspruch nehmen und erhalten einen Teil der Kosten von der Krankenkasse zurückerstattet. Diese Ärzte bieten oft kürzere Wartezeiten und individuellere Betreuung, was sie besonders attraktiv macht.
Eine Deckelung der Honorare könnte dazu führen, dass viele Wahlärztinnen und Wahlärzte ihre Praxen nicht mehr kostendeckend betreiben können. Dies hätte zur Folge, dass das ohnehin stark belastete öffentliche Gesundheitssystem noch mehr unter Druck gerät.
In Deutschland sind privatärztliche Leistungen für gesetzlich Versicherte normalerweise nicht erstattungsfähig. Dies führt dazu, dass der Zugang zu Wahlärzten dort weniger verbreitet ist. In Österreich hingegen sind Wahlärztinnen und Wahlärzte durch die teilweise Rückerstattung ihrer Leistungen ein integraler Bestandteil des Gesundheitssystems.
Die Forderung von Andreas Huss stößt nicht nur in medizinischen Kreisen auf Kritik. Auch politische Vertreter äußern Bedenken über die möglichen negativen Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. Die Frage, ob eine Deckelung der Honorare tatsächlich zu Einsparungen führen würde oder ob sie das System langfristig destabilisieren könnte, steht im Raum.
Ein Gesundheitsökonom, der anonym bleiben möchte, erklärt: „Eine Deckelung der Honorare könnte kurzfristig Kosten sparen, aber langfristig die Attraktivität des Berufsstandes mindern und zu einem Mangel an qualifizierten Ärzten führen.“
Die Ärztekammer fordert stattdessen eine Anpassung der Kassentarife, um das öffentliche Gesundheitssystem zu stärken und attraktiver zu machen. Eine solche Maßnahme könnte verhindern, dass das System weiter ins Wanken gerät.
Für die Bürger könnte eine Deckelung der Honorare bedeuten, dass sie länger auf Termine warten müssen und weniger individuelle Betreuung erhalten. Dies könnte besonders für chronisch Kranke oder ältere Menschen problematisch werden, die auf regelmäßige und schnelle medizinische Versorgung angewiesen sind.
Die Diskussion um die Honorardeckelung ist noch lange nicht abgeschlossen. Es bleibt abzuwarten, wie die Regierung auf die Forderungen der Ärztekammer reagieren wird und ob es zu einem Kompromiss kommt, der sowohl die finanzielle Stabilität des Gesundheitssystems als auch die Qualität der medizinischen Versorgung sicherstellt.
Die Debatte um die Deckelung der Wahlarzthonorare zeigt einmal mehr die Komplexität des Gesundheitssystems und die Herausforderungen, denen es gegenübersteht. Eine Lösung, die sowohl wirtschaftlich sinnvoll als auch im Interesse der Patientinnen und Patienten ist, scheint dringend notwendig.