Der bulgarisch-österreichische Autor spricht über seinen Roman "Zeit der Mutigen" und die Frage, wie Menschen unter Druck menschlich bleiben können
Schriftsteller Dimitré Dinev ist am 25. Februar zu Gast im ORF RadioKulturhaus. Im Gespräch mit Johannes Kaup geht es um Mut, Würde und Literatur als Zuflucht.
Was bedeutet es, mutig zu sein in einer Zeit, die Gleichgültigkeit zu belohnen scheint? Wie können Menschen ihre Würde bewahren, wenn politische und gesellschaftliche Krisen sie an ihre Grenzen bringen? Und kann Literatur mehr sein als bloße Unterhaltung – kann sie selbst zum Akt des Widerstands werden? Diese fundamentalen Fragen stehen im Mittelpunkt eines besonderen Abends im ORF RadioKulturhaus.
Am Mittwoch, dem 25. Februar 2025, lädt das ORF RadioKulturhaus um 18.30 Uhr zu einer Veranstaltung der Reihe "Im Zeit-Raum" ins Studio 3. Moderator Johannes Kaup empfängt den Schriftsteller Dimitré Dinev, dessen literarisches Schaffen seit Jahrzehnten die österreichische Kulturlandschaft bereichert. Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft – ein deutliches Zeichen für das große Interesse an diesem außergewöhnlichen Autor und den Themen, die sein Werk durchziehen.
Wer keine Karte mehr ergattern konnte, muss dennoch nicht auf diesen besonderen Abend verzichten: Das ORF RadioKulturhaus überträgt die Veranstaltung via Audio-Livestream auf seiner Website. Darüber hinaus wird das Gespräch am Sonntag, dem 15. März um 18.15 Uhr auf Ö1 ausgestrahlt – eine Gelegenheit für alle Literaturinteressierten, an diesem intellektuellen Austausch teilzuhaben.
Im Zentrum des Gesprächs steht Dimitré Dinevs neuer Roman "Zeit der Mutigen". Das Werk erzählt von Menschen, die sich dem scheinbar unaufhaltsamen Sog der Geschichte entgegenstemmen – von Individuen, die trotz überwältigender Umstände an ihren Überzeugungen festhalten und den Mut aufbringen, gegen den Strom zu schwimmen.
Dinev verdeutlicht in seinem Roman eindrücklich, wie politische Umwälzungen, gesellschaftliche Verwerfungen und wirtschaftliche Krisen Menschen zu extremen Handlungen treiben können. Dabei geht es ihm nicht um plakative Helden, sondern um die leisen, alltäglichen Akte des Widerstands – um jene Momente, in denen gewöhnliche Menschen Außergewöhnliches leisten, weil sie ihre Menschlichkeit nicht aufgeben wollen.
Die Literaturkritik hat das Buch als außergewöhnliches literarisches Meisterwerk gewürdigt. Rezensenten heben besonders Dinevs Fähigkeit hervor, komplexe historische Zusammenhänge mit zutiefst menschlichen Geschichten zu verweben. Seine Sprache wird als kraftvoll und poetisch zugleich beschrieben – ein Stil, der Leserinnen und Leser nicht nur informiert, sondern emotional berührt und zum Nachdenken anregt.
Dimitré Dinevs Biografie selbst liest sich wie ein Roman über Mut und Neuanfang. 1968 in Bulgarien geboren, erlebte er die Umbrüche in Osteuropa aus nächster Nähe mit. 1990, im Jahr des Umbruchs, kam er als Flüchtling nach Österreich – ein Schritt ins Ungewisse, der sein Leben und sein Schaffen grundlegend prägen sollte.
In seiner neuen Heimat studierte Dinev und begann, in deutscher Sprache zu schreiben. Diese Entscheidung, in einer Fremdsprache literarisch zu arbeiten, ist selbst ein Akt des Mutes und der künstlerischen Selbstbehauptung. Dinev hat sich die deutsche Sprache nicht nur angeeignet, er hat sie sich zu eigen gemacht – mit all ihren Nuancen, ihrer Poesie und ihrer Ausdruckskraft.
Sein literarisches Schaffen umfasst ein beeindruckendes Spektrum: Neben Romanen und Erzählungen verfasst Dinev auch Drehbücher und Essays. Besondere Aufmerksamkeit haben seine Theaterstücke erlangt, die unter anderem am Wiener Burgtheater inszeniert wurden – eine der renommiertesten Bühnen des deutschsprachigen Raums. Diese Anerkennung durch das etablierte Kulturleben unterstreicht die Bedeutung, die Dinev für die österreichische Literaturszene gewonnen hat.
Johannes Kaup wird im Gespräch mit Dimitré Dinev eine der drängendsten Fragen unserer Zeit ausloten: Wie können wir auch unter extremem Druck menschlich bleiben, ohne zu verrohen? In einer Welt, die von Krisen, Konflikten und Polarisierung geprägt ist, gewinnt diese Frage an Brisanz.
Dinev, der selbst Flucht und Neuanfang erlebt hat, kann aus eigener Erfahrung berichten, was es bedeutet, unter schwierigen Umständen die eigene Würde zu behaupten. Seine Perspektive als Migrant, der in Österreich eine neue Heimat gefunden hat, verleiht seinem Blick auf diese Themen eine besondere Tiefe und Authentizität.
Was heißt es wirklich, Courage zu haben? Diese Frage ist vielschichtiger, als sie zunächst erscheinen mag. Mut ist nicht immer laut und heroisch – oft zeigt er sich in kleinen, unscheinbaren Gesten. In der Entscheidung, nicht wegzusehen. In der Bereitschaft, eine abweichende Meinung zu äußern. In der Kraft, trotz Widerständen an den eigenen Werten festzuhalten.
Eine zentrale Frage des Abends wird sein, welche Rolle Literatur in turbulenten Zeiten spielen kann. Ist sie eine Zuflucht – ein Ort, an dem man dem Chaos der Welt für Momente entfliehen kann? Oder ist das Schreiben selbst ein Akt des Widerstands gegen Unmenschlichkeit, Gleichgültigkeit und Vergessen?
Für Autoren wie Dimitré Dinev ist Literatur beides. Sie bewahrt Geschichten, die sonst verloren gehen würden. Sie gibt jenen eine Stimme, die im Lärm der Geschichte unterzugehen drohen. Und sie zwingt uns, innezuhalten und nachzudenken – über unser eigenes Leben, unsere Werte und unsere Verantwortung gegenüber anderen.
In einer Zeit, in der schnelle Nachrichten und oberflächliche Informationen dominieren, bietet Literatur die Möglichkeit zur Vertiefung. Sie erlaubt es, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, Empathie zu entwickeln und die Welt aus anderen Perspektiven zu betrachten. In diesem Sinne ist jedes gute Buch ein Akt des Widerstands gegen die Oberflächlichkeit.
Dass die Veranstaltung im ORF RadioKulturhaus ausverkauft ist, zeigt, dass es in Österreich ein großes Interesse an tiefgründigen literarischen und philosophischen Gesprächen gibt. In einer Zeit, in der öffentliche Diskurse oft von Polarisierung und Verkürzung geprägt sind, bieten solche Formate einen wertvollen Raum für differenzierte Auseinandersetzungen.
Das ORF RadioKulturhaus hat sich als wichtiger Ort für kulturelle und intellektuelle Begegnungen etabliert. Die Reihe "Im Zeit-Raum" ermöglicht es, bedeutende Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Gesellschaft in ausführlichen Gesprächen zu erleben – fernab vom Zeitdruck und der Hektik des Alltags.
Obwohl die Veranstaltung am 25. Februar ausverkauft ist, gibt es mehrere Möglichkeiten, dabei zu sein:
Für Informationen zu weiteren Veranstaltungen im ORF RadioKulturhaus steht das Kartenbüro unter der Telefonnummer 01/501 70-377 zur Verfügung. Das vollständige Programm ist auf der Website radiokulturhaus.orf.at einsehbar.
Der Abend mit Dimitré Dinev verspricht mehr zu sein als ein gewöhnliches Autorengespräch. Er bietet die Gelegenheit, über die großen Fragen unserer Zeit nachzudenken: Wie können wir in einer komplexen Welt integer bleiben? Was gibt uns die Kraft, auch in schwierigen Zeiten nicht aufzugeben? Und welche Rolle können Kunst und Literatur dabei spielen?
Dimitré Dinev, dessen Leben selbst von Umbrüchen, Neuanfängen und dem Mut zur Veränderung geprägt ist, ist der ideale Gesprächspartner für diese Themen. Sein Roman "Zeit der Mutigen" und sein gesamtes literarisches Werk sind Zeugnisse einer tiefen Auseinandersetzung mit dem, was es bedeutet, Mensch zu sein – in guten wie in schwierigen Zeiten.