In der digitalen Ära hinterlässt jeder Mensch mehr als nur materielle Güter. Am 10. November 2025 wird in Wien eine Pressemitteilung der österreichischen Notariatskammer veröffentlicht, die auf ein oft übersehenes Thema aufmerksam macht: den digitalen Nachlass. In Österreich besitzen bereits über 30
In der digitalen Ära hinterlässt jeder Mensch mehr als nur materielle Güter. Am 10. November 2025 wird in Wien eine Pressemitteilung der österreichischen Notariatskammer veröffentlicht, die auf ein oft übersehenes Thema aufmerksam macht: den digitalen Nachlass. In Österreich besitzen bereits über 300.000 Menschen Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum. Doch was passiert mit diesen digitalen Werten nach dem Tod? Ohne rechtzeitige Vorsorge könnten diese Vermögenswerte unwiederbringlich verloren gehen.
Der digitale Nachlass umfasst weit mehr als nur Kryptowährungen. E-Mail-Konten, Social-Media-Profile und Cloud-Daten sind Teil des digitalen Erbes, das oft unsichtbar bleibt. Markus Gumilar, Notarsubstitut in Vorarlberg, betont die Wichtigkeit der Vorsorge, insbesondere bei Kryptowährungen. Ohne die entsprechenden Schlüssel ist der Zugriff auf diese Werte unmöglich, was zu erheblichen Verlusten führen kann.
Früher beschränkte sich das Erbe auf physische Güter wie Schmuck oder Immobilien. Mit der Digitalisierung hat sich das geändert. Die ersten Diskussionen über den digitalen Nachlass begannen in den frühen 2000er Jahren, als E-Mail-Dienste populär wurden. In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Zunahme von sozialen Netzwerken und Kryptowährungen das Thema weiter in den Vordergrund gerückt.
In Deutschland hat der Bundesgerichtshof 2018 entschieden, dass Social-Media-Profile vererbbar sind. In Österreich fehlt eine solche höchstrichterliche Entscheidung, weshalb man sich oft am deutschen Vorbild orientiert. In der Schweiz ist das Thema ebenfalls in Diskussion, wobei die rechtlichen Rahmenbedingungen je nach Kanton variieren.
Ohne klare Regelungen kann der digitale Nachlass zu Streitigkeiten und Unsicherheiten führen. Ein Beispiel: Ein Österreicher hinterlässt ein beträchtliches Kryptovermögen, doch ohne die Zugangsdaten ist es für die Erben unerreichbar. Solche Situationen sind vermeidbar durch eine geordnete Dokumentation von Zugangsdaten und die Einbindung in ein Testament.
Eine Studie der österreichischen Notariatskammer zeigt, dass nur 20% der Österreicher Vorsorgemaßnahmen für ihren digitalen Nachlass treffen. Dies steht im krassen Gegensatz zur Zahl derjenigen, die physische Güter in ihrem Testament berücksichtigen. Die Notwendigkeit von Aufklärung und Beratung ist daher offensichtlich.
Die Bedeutung des digitalen Nachlasses wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Experten prognostizieren, dass bis 2030 mehr als die Hälfte der Erbschaften in Österreich auch digitale Werte umfassen werden. Es ist daher entscheidend, dass rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Klarheit und Sicherheit bieten.
Der digitale Nachlass ist ein komplexes, aber unvermeidliches Thema der Zukunft. Die österreichische Notariatskammer bietet umfassende Beratung, um Streitigkeiten zu vermeiden und Werte für kommende Generationen zu sichern. Es ist ratsam, sich frühzeitig mit der Thematik auseinanderzusetzen und rechtliche Vorsorge zu treffen.
Für weiterführende Informationen besuchen Sie bitte die Webseite der österreichischen Notariatskammer: ihr-notariat.at.