Am 20. Januar 2026 fand in Wien die Eröffnung der Wintertagung des Ökosozialen Forums statt. Unter dem provokanten Titel „Schnäppchenjagd im Feinkostladen – der wahre Preis billiger Landwirtschaft“ wurden zentrale Herausforderungen rund um Agrarpolitik, Lebensmittelpreise und Versorgungssicherheit d
Am 20. Januar 2026 fand in Wien die Eröffnung der Wintertagung des Ökosozialen Forums statt. Unter dem provokanten Titel „Schnäppchenjagd im Feinkostladen – der wahre Preis billiger Landwirtschaft“ wurden zentrale Herausforderungen rund um Agrarpolitik, Lebensmittelpreise und Versorgungssicherheit diskutiert. Die Veranstaltung zog hochkarätige Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft, Handel und landwirtschaftlicher Praxis an, die gemeinsam erörterten, wie faire Preise entlang der gesamten Wertschöpfungskette, nachhaltige Produktion und soziale Verantwortung miteinander in Einklang gebracht werden können.
Stephan Pernkopf, Präsident des Ökosozialen Forums, stellte klar, dass die Bäuerinnen und Bauern nicht für die Inflation verantwortlich gemacht werden können. Nur rund zehn Prozent der Haushaltsausgaben der Österreicher:innen entfallen auf Lebensmittel, und davon landen im Schnitt lediglich 40 Cent bei den Landwirt:innen. Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), stimmte Pernkopf zu. Zwar habe die Landwirtschaft einen Anteil an der Inflation, die eigentlichen Preistreiber seien jedoch Energie und Dienstleistungen. Trotz der Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel, wie sie in Deutschland umgesetzt wurde, dürfe der Effekt auf die Gesamtinflation nicht überschätzt werden.
In Deutschland wurde die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel gesenkt, um die Inflation zu dämpfen. Ähnliche Maßnahmen wurden auch in der Schweiz diskutiert, wo jedoch ein stärkerer Fokus auf die Förderung der regionalen Landwirtschaft gelegt wird. Im Vergleich dazu betont Österreich die Bedeutung einer fairen Preisgestaltung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Christoph Teller, Professor an der JKU Linz, forderte, die Lebensmittelpreise zu erhöhen. In Krisenzeiten greifen Konsument:innen verstärkt auf den Preis als „Qualitätsindikator“ zurück. Zwei Drittel achten vor allem auf Aktionen, und rund 40 Prozent der Einkäufe in Österreich erfolgen mit Rabatt. Teller relativierte jedoch: Lebensmittel machen in Österreich rund zehn Prozent der Konsumausgaben aus – fast gleich viel wie die Ausgaben für Freizeit.
Die Auswirkungen auf die Bürger:innen sind vielfältig. Einerseits könnten höhere Preise die finanzielle Belastung erhöhen, andererseits könnte dies auch zu einer stärkeren Wertschätzung für regionale Produkte führen. Ein Beispiel ist die Unterstützung lokaler Bauernmärkte, die durch bewusste Konsumentscheidungen gestärkt werden könnten. Zudem könnte eine stärkere Fokussierung auf Qualität statt Quantität langfristig die Gesundheit der Bevölkerung fördern.
Statistiken zeigen, dass nur ein kleiner Teil der Lebensmittelkosten tatsächlich bei den Landwirt:innen ankommt. Die restlichen Kosten verteilen sich auf Verarbeitung, Logistik und Handel. Diese Verteilung ist ein zentraler Punkt in der Diskussion über faire Preise. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU spielt hierbei eine entscheidende Rolle, indem sie versucht, die ländlichen Räume zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte zu erhöhen.
Die Wintertagung bot eine Plattform für Experten, ihre Meinungen zur Zukunft der Landwirtschaft in Österreich zu äußern. Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber betonte die Bedeutung eines starken Agrarbudgets auf EU-Ebene und die Notwendigkeit, den fairen Freihandel zu fördern. Im Gegensatz dazu äußerte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig seine Bedenken gegenüber dem EU-MERCOSUR-Handelsabkommen und hob die Notwendigkeit einer europaweiten Herkunftskennzeichnung hervor.
Die Wintertagung des Ökosozialen Forums zeigt, dass die Herausforderungen in der Agrarpolitik vielschichtig sind. Faire Preise, nachhaltige Produktion und soziale Verantwortung müssen in Einklang gebracht werden, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Diskussionen verdeutlichten, dass ohne Lebensmittel alles nichts ist. Ernährungssicherheit muss als Wert verstanden werden, für den die Gesellschaft bereit sein muss, Verantwortung zu übernehmen. Resilienz beginnt mit Bewusstsein und Vorsorge.
Für weiterführende Informationen zur Wintertagung 2026 und zum Kartenverkauf besuchen Sie www.wintertagung.at.