Budgetkürzungen bedrohen Programme zur Stärkung weiblicher Teilhabe
Laut Demokratiemonitor vertrauen immer weniger Frauen der Politik. Experten warnen vor den Folgen geplanter Kürzungen.
Eine besorgniserregende Entwicklung zeichnet sich in Österreichs Demokratielandschaft ab: Immer mehr Frauen verlieren das Vertrauen in die Politik und ziehen sich aus der gesellschaftlichen Teilhabe zurück. Diese Entwicklung steht im Fokus einer Pressekonferenz zum Internationalen Frauentag, zu der mehrere österreichische Organisationen gemeinsam laden.
Der Demokratiemonitor 2025 offenbart eine beunruhigende Tendenz: Seit 2018 wächst die Zahl jener Frauen, die der Politik nicht mehr vertrauen, kontinuierlich. Besonders betroffen sind Frauen aus dem unteren Einkommensdrittel, Beschäftigte in systemrelevanten Berufen mit geringem Einkommen sowie arbeitslose und langzeitbeschäftigungslose Frauen.
"Diese Frauen fühlen sich trotz ihrer wichtigen Leistungen in der Arbeitswelt wenig wertgeschätzt und von der Politik kaum vertreten", erklären die Organisatoren der bevorstehenden Pressekonferenz. Die Folge dieser Entfremdung ist gravierend: Betroffene Frauen ziehen sich zunehmend aus der demokratischen Teilhabe zurück.
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielschichtig und strukturell bedingt. Alltagsbarrieren in der Arbeitswelt spielen dabei eine zentrale Rolle. Ungleich verteilte Care-Arbeit, fehlende Sichtbarkeit und mangelnde Netzwerke verstärken sich gegenseitig und schaffen einen Teufelskreis der Ausgrenzung.
Besonders junge Frauen sind von diesem Phänomen betroffen. Sie sehen sich mit prekären Arbeitsverhältnissen, geringen Aufstiegschancen und einer Politik konfrontiert, die ihre Bedürfnisse nicht ausreichend berücksichtigt. Diese Erfahrungen führen zu Frustration und letztendlich zum Rückzug aus dem politischen Diskurs.
Einen wichtigen Gegenpol zu dieser Entwicklung bilden soziale Unternehmen und Beratungsstellen für Frauen. Diese Einrichtungen wirken dem beschriebenen Kreislauf aktiv entgegen, indem sie gezielte Unterstützung anbieten.
Ihre Arbeit umfasst verschiedene Bereiche:
Diese Programme haben sich als wirksam erwiesen, um Frauen wieder in die Arbeitswelt und damit auch in die gesellschaftliche Teilhabe zu integrieren. Sie bieten nicht nur praktische Hilfe, sondern auch emotionale Unterstützung und schaffen Netzwerke, die Frauen stärken.
Ausgerechnet diese wichtigen Initiativen stehen nun unter finanziellem Druck. Im Rahmen der kommenden Budgetverhandlungen drohen Kürzungen in der aktiven Arbeitsmarktpolitik, die diese erfolgreichen Programme gefährden könnten.
"Es geht nicht nur um das Ausmaß möglicher Einsparungen, sondern auch um ihre Auswirkungen auf die Demokratie", warnen die Initiatoren der Pressekonferenz. Sie stellen die entscheidende Frage: "Können wir es uns leisten, dass sich viele Frauen zunehmend aus der politischen und gesellschaftlichen Teilhabe zurückziehen?"
Die Pressekonferenz wird von einem breiten Bündnis renommierter Organisationen getragen. Dazu gehören arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich, der Dachverband Frauen- und Mädchenberatung (ehemals Netzwerk österreichische Frauen- und Mädchenberatungsstellen), ABZ*AUSTRIA, sprungbrett und FORESIGHT Research.
Diese Zusammenarbeit verschiedener Akteure unterstreicht die Dringlichkeit des Problems und zeigt, dass es sich um ein gesamtgesellschaftliches Anliegen handelt. Die beteiligten Organisationen verfügen über langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Frauen unterschiedlicher Lebenssituationen und können fundierte Einblicke in die Problematik bieten.
Die geplante Pressekonferenz findet zu einem symbolträchtigen Zeitpunkt statt: Zum Internationalen Frauentag am 8. März werden die Organisationen ihre Forderungen präsentieren. Dies unterstreicht den Zusammenhang zwischen Frauenrechten und demokratischer Teilhabe.
"Demokratie ohne Frauen? Nein!", lautet die klare Botschaft der Veranstalter. Sie argumentieren, dass eine funktionierende Demokratie auf die Partizipation aller gesellschaftlichen Gruppen angewiesen ist. Der Rückzug von Frauen schwächt nicht nur ihre eigene Position, sondern die gesamte demokratische Kultur.
Die drohenden Budgetkürzungen hätten konkrete Auswirkungen auf das Leben vieler Frauen. Qualifizierungsprogramme, die Langzeitarbeitslosen neue Perspektiven eröffnen, könnten wegfallen. Beratungsangebote, die Frauen beim Wiedereinstieg nach Karenzzeiten unterstützen, stünden vor dem Aus.
Besonders problematisch ist dies vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen. Gerade in Krisenzeiten sind Frauen oft überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Unterstützungsleistungen.
Die Organisatoren der Pressekonferenz sehen in der Förderung weiblicher Teilhabe nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch eine Investition in die Zukunft der österreichischen Demokratie. Frauen bringen andere Perspektiven und Erfahrungen in den politischen Diskurs ein, die für eine ausgewogene Meinungsbildung unverzichtbar sind.
Darüber hinaus zeigen internationale Studien, dass Gesellschaften mit höherer weiblicher Partizipation in Politik und Wirtschaft erfolgreicher und stabiler sind. Der Ausschluss von Frauen bedeutet daher nicht nur einen Verlust für die Betroffenen, sondern für die gesamte Gesellschaft.
Die Pressekonferenz soll eine breite öffentliche Debatte über diese wichtigen Themen anstoßen. Es geht darum, das Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Arbeitsmarktpolitik, sozialer Teilhabe und Demokratie zu schärfen.
Die Veranstaltung richtet sich nicht nur an Medienvertreter, sondern auch an politische Entscheidungsträger und die interessierte Öffentlichkeit. Durch einen Livestream wird eine breite Teilnahme ermöglicht, was die Bedeutung der Thematik unterstreicht.
Die kommenden Budgetverhandlungen werden zeigen, ob die politischen Entscheidungsträger die Warnungen ernst nehmen oder ob kurzsichtige Sparmaßnahmen langfristige Schäden für die österreichische Demokratie verursachen werden.